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Update: YouTube zensiert Cannabis-Content (Pornhub freut sich)

26.04.2018
Henrie Schnee
(Kommentare: 4)
Medien

Update 27.04.18: Wie sich mittlerweile herausstellte, waren die Kanäle von Der Micha und sens media nicht von der Löschwelle betroffen, sondern wurden von den Betreibern selbst auf "privat" gestellt. Beide hatten zuvor "Strikes" durch den Google-Algorithmus erhalten - die Privatschaltung sollte also schlimmeres verhindern, bis die Hintergründe dieser Welle geklärt sind. Wie u.a. der DHV mittlerweile in Erfahrung gebracht hat, seien weniger die Inhalte der Videos als vielmehr die Links in den Beschreibungstexten geahndet worden (z.B. Links zu Hanfsamenbanken). Wir haben Google Deutschland um eine Stellungnahme gebeten.

In der Zwischenzeit meldete sich Der Micha (mit seinem wieder verfügbaren Kanal) zu Wort:

Original Meldung:

Weltweit berichten YouTuber mit Drogen-orientierten Inhalten in diesen Tagen von der plötzlichen Deaktivierung ihrer Kanäle und Videos. Nicht nur Privatleute, auch Unternehmen und Journalisten sind davon betroffen - heute traf es u.a. die Kanäle von Der Micha (bekannt aus "exzessiv.tv") und des Berliner Medienunternehmens sens media. Unser Kanal ist zur Stunde noch nicht betroffen - aber das kann sich jederzeit ändern.

gesperrte Youtube Kanäle

Überraschend ist das nicht: Die Google AGB (der Inhaber von YouTube) verbieten seit jeher Inhalte, die im Zusammenhang mit “kriminellen” Aktivitäten stehen und verbieten explizit Drogen-Inhalte. Im Hinblick auf saftige Werbeeinnahmen wurde das nur zu gerne von vielen übersehen. Denn: YouTube-Videos können durch den Nutzer “monetarisiert” werden, sprich er oder sie erhält einen Anteil der Werbeerlöse durch die kurzen Werbe-Videos vor oder im Video. Und Google wiederum möchte seinen reichen Werbekunden (*hust* Pharma *hust*) nun anscheinend nicht mehr zutrauen, dass ihre Werbung versehentlich im Zusammenhang mit einer Bong-Review oder einer Strain-Besprechung zu sehen ist.

Es scheint also mehr finanzielle als politische Gründe zu geben, wieso die dominante Werbeplattform der westlichen Welt Cannabis-Enthusiasten plötzlich wie Aussätzige behandelt. Vor der Cannabis-Community waren erst konservative und rechte YouTuber von der Sperrwelle betroffen, danach folgten Kanäle, die sich mit Schusswaffen auseinander setzten.

Das Problem daran: Obwohl diese “Content-Creators” praktisch für Google arbeiten und Gewinne erwirtschaften, haben sie keinerlei Handhabe gegen diese Behandlung. Zudem erliegen viele der Illusion, echte Menschen würden über die Sperrung ihrer Kanäle entscheiden - wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese von automatisierten Skripten herausgefiltert werden. YouTube “optimiert” zudem ständig die Algorithmen, die Suchergebnisse liefern - mit dem Effekt, dass weniger professionellen Kanälen vom ein- auf den anderen Tag die Zuschauer verloren gehen können.

Welche Auswirkungen diese Behandlung auf “Influencer” haben kann, die ihren gesamten Lebensunterhalt mit Videos bestreiten, zeigte sich Anfang des Monats: Eine YouTuberin, deren Videos wegen “anzüglicher Inhalte” gesperrt bzw. gedrosselt wurden, schoss in der YouTube-Zentrale in San Bruno um sich, verwundete drei Menschen z.T. schwer und nahm sich dann selbst das Leben.

Vice hat gestern bereits einen interessanten Bericht über das Verschwinden von Cannabis-Kanälen verfasst, den wir all unseren Lesern ans Herz legen wollen. Die Quintessenz: Verbannte YouTuber wechseln jetzt einfach zu Pornhub.

Dennoch ist dies ein düsteres Vorzeichen für die Zukunft: Mit ähnlichen Mitteln zensiert Google bereits seit mehreren Jahren Piraterie in der eigenen Suchmaschine, um die Musik- und Film-Industrie zufrieden zu stellen. Werden auch dort bald andere "unliebsame" Wahrheiten gefiltert werden?

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Kommentare

Kommentar von bob |

Google will YouTube profitabel machen, das geht mit Werbung und mit dem Abomodell YouTube Red. Nachdem der Konsumartikelhersteller Procter&Gamble 2017 sämtliche Werbebuchungen eingestellt hat, angeblich weil Clips bei "extremistischen Inhalten" gezeigt wurden, haben auch andere Buden ihre Werbebudgets von YouTube abgezogen.

Jetzt, 2018, ein Jahr später, kommt P&G wieder zurück, YouTube verspricht ordentlich aufzuräumen und jede Monetarisierungsanfrage eines Kanals von Hand freizuschalten (nach Prüfung). Ich nehme an, dass man hier die letzten 12 Monate ordentlich verhandelt hat und am Ende kam dann das dabei raus: Wipe von allem, was den Werbern nicht gefällt.

YouTube muss natürlich seine Kosten decken, allerdings sind viele Weed-Channels so alt und populär, dass darüber sicher auch viele Werbeeinnahmen generiert wurden: Man schaut ja auch andere Videos an usw usf. - So gesehen rechtlich zwar alles einwandfrei, trotzdem ein Verrat vom YouTube-Community-Management an den Creators.

Kommentar von Dichtungsring |

Tschüß youtube ! Hallo Instagram , Twitter und Tumblr !

Kommentar von Nico |

ja, es ist wirklich mehr als traurig und zum Haare raufen! Als wir vor einigen Wochen mit hanf.biz gestartet sind, haben wir natürlich auch auf die bekannten Communities, Plattformen und Medien als Werbemöglichkeit gesetzt. Aber leider Fehlanzeige! Man wird kategorisch geblockt, sobald auch nur irgendwo ein Hanfblatt auftaucht. Und wir sind mit unserer Plattform nicht mal kommerziell unterwegs... wir verkaufen weder selber Cannabisprodukte noch vermitteln wir diese. hanf.biz ist dazu noch komplett werbefrei! trotzdem werden alle Inhalte indirekt zensiert! Wir haben dem Unmut darüber einen Artikel folgen lassen, der die Situation im Detail beschreibt: https://hanf.biz/online-werbung-fuer-hanf-cannabis-vorsicht-zensur/ ... Viel Spaß beim Lesen und Wundern! Achtung: der Leser könnte nach dem Konsum des Artikels extrem verärgert sein! ...so wie wir!

beste Grüße
Nico - hanf.biz

Kommentar von Herr Dödelmeier |

In diesem Moment ist der Kanal von DerMicha wieder offline. Zitat: "Dieses Konto wurde aufgrund wiederholter oder schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinien zur Bekämpfung von Spam sowie irreführender Praktiken und Inhalte oder anderen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen gekündigt."
Und dabei hatte ich das Gefühl er hätte sich in letzter Zeit so viel Mühe gegeben im Einklang mit den Richtlinien zu sein. Youtube ist schon ein Bissel verrückt. Ich dachte außerdem das Thema wäre nach der ersten Blockadewelle und so weiter bereits Schnee von gestern, aber leider offenbar weit gefehlt ...

Heh, dazu fällt mir wieder das letzte Video von Tele5 auf der Plattform ein, die den finalen Ausstieg des Fernsehsenders aus dem Youtube-Universum musikalisch und entsprechend aggressiv darstellt: https://www.youtube.com/watch?v=PfZxlvkdfj8

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