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Experten warnen: Cannabis-Novelle gefährdet Versorgung von Patienten
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Cannabis-Novelle stößt auf scharfe Kritik aus der Gesundheits- und Cannabisbranche. Nach Einschätzung von Experten drohen die vorgesehenen Regelungen die Versorgung von hunderttausenden Patienten mit medizinischem Cannabis erheblich zu verschlechtern.
Kernpunkte des Gesetzentwurfs sind ein Verbot der telemedizinischen Erstverschreibung, eine verpflichtende persönliche Arztkonsultation mindestens einmal jährlich auch bei Folgerezepten sowie ein Versandverbot für Cannabisblüten. Patienten müssten diese künftig persönlich in Apotheken abholen.
Nach Angaben der Telemedizin-Plattform Weed.de ignorieren diese Maßnahmen die tatsächliche Versorgungslage in Deutschland. „Es gibt schlicht nicht genügend Ärztinnen und Ärzte, die qualifiziert und bereit sind, medizinisches Cannabis zu verschreiben“, erklärt Dr. Sebastián Marincolo, Director of Strategic Content & Editorial bei Weed.de. Die Telemedizin habe in den vergangenen Jahren eine entscheidende Versorgungslücke geschlossen. Eine Einschränkung könne dazu führen, dass viele Patienten erneut unterversorgt werden oder auf den Schwarzmarkt ausweichen.
Unterstützung erhält diese Einschätzung von der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM). In einer Anhörung des Bundestages am 14. Januar 2026 warnte die ACM, dass eine Beschränkung der telemedizinischen Versorgung zu einer Verknappung ärztlicher Kapazitäten und damit zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung führen würde.
Besonders kritisch sehen Branchenvertreter zudem das geplante Versandverbot. Dieses benachteilige vor allem immobile Patienten sowie Menschen in ländlichen Regionen, die keinen Zugang zu spezialisierten Apotheken in zumutbarer Entfernung haben.
Der Branchenverband Cannabiswirtschaft (BvCW) weist darauf hin, dass es bislang keine belastbaren Daten gebe, die einen Missbrauch von medizinischem Cannabis im Rahmen der Telemedizin belegen. Der zuletzt gestiegene Import medizinischer Cannabisprodukte sei vielmehr durch Nachholeffekte erklärbar, unter anderem infolge der Entstufung von Cannabis als Betäubungsmittel im April 2024. Internationale Vergleichszahlen zeigten zudem, dass Länder wie Kanada, die Niederlande oder die USA mit einem Anteil von rund einem Prozent medizinischer Cannabisnutzer ähnliche Versorgungsquoten aufweisen wie Deutschland.
Kritik kommt auch mit Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der Novelle. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich fast die Hälfte der medizinischen Cannabispatienten in Deutschland stigmatisiert fühlt. „Anstatt Patienten zu schützen, werden neue Hürden aufgebaut“, sagt Richard Cowan, CEO von Weed.de. Das eigentliche Problem sei das Fehlen eines regulierten Marktes für Erwachsene, der das medizinische System entlasten und zur Entstigmatisierung beitragen könne.
Ob die geplanten Änderungen in dieser Form umgesetzt werden, ist derzeit noch offen. Vertreter aus Medizin und Wirtschaft fordern jedoch bereits jetzt eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzentwurfs, um die Versorgung von Patienten nicht zu gefährden.
Quelle: boerse.de
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