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Landrassen & die heutige Cannabis-Genetik (Teil 1)

15.02.2018
grow! Magazin
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allgemein

Von Cannabis-Landrassen, Cannabis-Pionieren und der heute aktuellen Cannabis-Genetik, Teil 1

In Amerika gibt es eine lange Tradition von „Outlaws“, von „Helden“, die sich nicht an Gesetze hielten und dadurch berühmt und bewundert wurden. Es gibt hier auch eine Tradition von Revolutionären und Aktivisten, die auf die Notwendigkeit für soziale Veränderungen aufmerksam machten, indem sie die Gesetze brachen, die sie für unfair und diskriminierend hielten. So haben sich in den 1960er-Jahren immer mehr Menschen gegen die legale Diskriminierung von farbigen Amerikanern gewehrt, allen voran Martin Luther King Jr., indem sie bewusst gegen die diskriminierenden Gesetze verstießen. Dafür wurden sie geschlagen, eingesperrt und sogar getötet.

Gewaltfreie Protestler brachen das Gesetz, um gegen politische Entwicklungen in den USA zu demonstrieren, insbesondere gegen den Vietnam-Krieg. Auch sie wurden geschlagen, eingesperrt und sogar getötet. Doch die hartnäckigsten und dauerhaftesten „Gesetzlosen“ sind die amerikanischen Cannabis-Grower.

Nur in Bundesstaaten, wie Colorado, Washington, Oregon und Kalifornien, wo der Cannabisanbau mittlerweile legalisiert wurde, sind Grower vor Verfolgung sicher. Eine Gruppe amerikanischer „Cannabis-Helden“ begann in den Sechzigern ihre Arbeit, als sie durch die Welt reisten, um Cannabissamen zu sammeln. Die Ursprungsländer für diese anfängliche Suche nach Cannabis-Genetik durch amerikanische Cannabis-Grower lagen in zwei Regionen: Südost-Asien und Lateinamerika.

Die südostasiatische Cannabisgenetik kam hauptsächlich aus Vietnam, Kambodscha, Laos, den Philippinen und Thailand - durch den Vietnam-Krieg. Die amerikanischen Soldaten benutzten Cannabis, um damit die Schrecken des Krieges etwas zu lindern und leichter ertragen zu können. Sie sammelten Samen aus dem Gras, das sie in den Kriegsgebieten rauchten, oder das sie während ihres Fronturlaubs in Thailand bekamen, wo sie eine dienstfreie Zeit zur Erholung und Entspannung genossen.

Sie schickten die Cannabissamen mit der Post nach Hause, oder sie wurden im Gepäck des Militärs zurückgebracht, einige von ihnen schmuggelten sie auch persönlich in die USA.

Südostasiatische Cannabis-Genetiken sind „äquatoriale Genetiken“. Das ist eine sehr wichtige Überlegung, da sie beim Verständnis der Pflanzen hilft, denn sie hat einen großen Einfluss auf das Wachstum, die Blüte und die psychoaktive Charakteristik einer Cannabissorte, die ursprünglich aus einer solchen Region stammt.

Von Cannabis-Landrassen, Cannabis-Pionieren und der heute aktuellen Cannabis-Genetik

Landrassen Cannabissorten

 

Wir werden uns später intensiver mit den möglichen Effekten beschäftigen, die eine äquatoriale Lage auf eine Cannabissorte haben kann. Doch vorher möchte ich auf ein anderes Schlüsselkonzept eingehen, das wichtig zum Verständnis von Cannabispflanzen ist: Die Landrassen-Sorten.

Als Landrasse bezeichnet man eine Gattung von Pflanzen, die in einer bestimmten Region „heimisch“ ist. Doch das Wort „heimisch“ drückt nicht so viel aus, als wenn man sagen würde, die Pflanze wächst dort seit Urzeiten und ist vom Menschen unbeeinflusst.

Eine Landrassen-Cannabissorte kann auf natürliche Weise und unberührt für Tausende von Jahren in einer Region gewachsen sein, doch in den meisten Fällen wurde sie in ihrem natürlichen Habitat von Menschen entdeckt, weitergezüchtet und über mehrere Generationen verändert.

Ein Merkmal einer Landrasse ist, dass sie weder gezüchtet noch durch genetische Modifikation, chemische Dünger und Pestizide oder sonst einer modernen Form der industriellen Landwirtschaft beeinflusst oder verändert wurde.

Damit eine Sorte eine echte Landrasse ist, auch wenn sie vom Menschen beeinflusst wurde, darf dieser Einfluss nur minimal sein, was bedeutet, dass die Anbaumethoden und ihre Umwelt angepasst wurden, und nicht umgekehrt.

Das erklärt, warum die meisten Landrassen-Cannabissorten in abgelegenen Gebieten zu finden sind, wo die Einheimischen nur traditionelle Formen des Ackerbaus einsetzen, die sich deutlich von den mechanisierten und chemischen Methoden der petro-industriellen Landwirtschaft unterscheiden.

Aufgrund ihrer vergleichsweise einfachen genetischen Herkunft, und weil sie von genetischen Versuchen durch exzessive Hybridisierung verschont geblieben sind, werden Landrassen-Sorten oft als „rein“ bezeichnet.

In der Cannabis-Welt wird diese Reinheit häufig in zwei Hauptkategorien aufgeteilt, in Indica und Sativa. Später in diesem Artikel werden wir verstehen, warum diese Einteilung eine zu starke Vereinfachung ist.

Eine Landrassen-Sorte zeichnet sich durch ihre sehr stabile Genetik aus und ist an alle Umweltfaktoren angepasst, die in der Region, in der sie ursprünglich wächst, auftreten. Zu diesen Faktoren gehören saisonale Variationen der Länge von Tag und Nacht, Temperatur, Niederschlag, Wind, Schädlinge, Krankheiten und der Luftfeuchtigkeit.

Zu den weiteren Faktoren gehört die Beschaffenheit des Bodens, sein Nährstoffgehalt, seine Porosität, Durchlüftung und anderen Eigenschaften.

Das Lichtspektrum, das zu unterschiedlichen Jahreszeiten von der Sonne geliefert wird, gehört auch zu den Rahmenbedingungen, an die sich Landrassen-Cannabissorten angepasst und gewöhnt haben.

So ist eine Landrasse aus einer hohen Bergregion an mehr ultraviolette Strahlung gewöhnt, als eine Sorte, die in einer waldreichen Gegend in Meereshöhe wächst.

Wenn ein Grower von einer Sorte, die er anbauen möchte, weiß, aus welcher Region sie ursprünglich stammt, hilft das sehr beim Verständnis ihrer Bedürfnisse, was zu besserem Wachstum und optimalen Erträgen führt.

 

Steve Davis: Von Cannabis-Landrassen, Cannabis-Pionieren und der heute aktuellen Cannabis-Genetik Bild 1

Dies lässt sich am einfachsten an einem Beispiel deutlich machen. Schauen wir uns zum Beispiel Cannabis-Landrassen an, die wie die südostasiatische Genetik äquatoriale Sorten sind.

Dazu gehören Landrassen aus Kolumbien, Panama, Süd-Mexiko, Jamaika, Nicaragua und Belize.

In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben amerikanische Cannabis-Pioniere damit begonnen, in Lateinamerika und der Karibik nach Cannabissamen zu suchen.

Einige der berühmtesten Cannabissorten der 60er- und 70er-Jahre – wie Colombian Gold, Oaxacan, Acapulco Gold, Panama Red und Jamaican – stammen von diesen Sammlern. Diese Sorten waren äquatoriale Sorten bzw. von nahe des Äquators, so wie auch die südostasiatischen Sorten.

Hinzu kommt, dass all diese Sorten aus einem tropischen Klima stammen.

Zu den typischen Umweltcharakteristiken von äquatorialen, tropischen Regionen gehören:

  • nahezu gleiche Tages- und Nachtlängen rund ums Jahr

  • heiß und feucht

  • viel Regen

  • nährstoffreicher und dichter Boden

  • Viele Schädlinge und Krankheiten

  • Hoch intensives Sonnenlicht

  • Hoher Anteil an ultraviolettem Licht

  • warme Tage und warme Nächte mit nur wenigen Grad Celsius Unterschied

 

Von Cannabis-Landrassen, Cannabis-Pionieren und der heute aktuellen Cannabis-Genetik Bild 3

Auch europäische Cannabis-Pioniere sammelten Landrassen-Cannabis-Samen

Etwa zur selben Zeit, als die amerikanischen Cannabis-Pioniere hauptsächlich in Südostasien, Lateinamerika und der Karibik auf der Suche nach Cannabisgenetik waren, hatten sich auch europäische Cannabis-Liebhaber in ferne Länder aufgemacht, um dort die ursprünglichen Sorten zu entdecken. Doch sie reisten in erster Linie in den Mittleren Osten, nach Afrika und Indien.

Ihre Pilgerreisen schufen die Grundlage für eine der anderen Hauptgruppen von Landrassen, deren genetischer Einfluss in vielen der modernen Cannabissorten zu finden ist.

Afghanistan war eine primäre Quelle für Cannabisgenetik. Neben den Mohnpflanzen für die Opiumherstellung gehört Cannabis zu den Rauschpflanzen, die seit langer Zeit in der zerklüfteten afghanischen Umwelt angebaut werden. Afghanisches Cannabis teilt sich Eigenschaften mit Cannabis aus einer größeren geografischen Region, einschließlich des Hindu-Kush-Gebirges, das Afghanistan und Pakistan verbindet, wie auch Regionen des Himalayas und Nordindien.

Einige Cannabissorten, die aus Landrassen dieser Regionen gezüchtet wurden, werden Kush-Cannabis genannt. Die Kush-Sorten gehören zu den beliebtesten Cannabissorten in den USA.

Kush-Cannabis zeichnet sich vor allem aus durch:

  • sehr dunkelgrüne und kleine Blätter

  • dichte, kurze und stämmige Pflanzen

  • vergleichsweise hohe Erträge

  • kompakte, „Nugget“- oder „Popcorn“-artige Blüten mit einem reichlichen Harzüberzug

  • einfach erkennbarer Geruch, Geschmack und Wachstumscharakteristika

Kush-Cannabis ist auch für seine charakteristischen psychoaktiven Effekte bekannt. Im Allgemeinen wird das Kush-High als entspannend, sedativ, schmerzlindernd und sehr intensiv beschrieben. Doch viele Cannabis-Freunde verwechseln Kush Cannabis mit Afghani-„Skunk“-Cannabis. Dabei ist der Unterschied leicht zu erkennen, wenn beide Sorten nebeneinander wachsen. So riecht Skunk-Cannabis „skunky“, Kush-Cannabis nicht.

Skunk-Sorten tendieren zu höheren Pflanzen als Kush-Variationen mit breiteren und größeren Blättern. Skunk-Cannabis hat zwar ein ähnliches Body-High wie Kush, darüber hinaus hat es aber einen wesentlich größeren Effekt auf Gemüt und Psyche als Kush. Als die ersten Cannabispioniere nach Indien kamen, sammelten sie Samen von Landrassen-Sorten, die bereits vorher, im 19. Jahrhundert, entdeckt worden waren. Im 19. Jahrhundert benannten Wissenschaftler diese Kategorie als Cannabis „Indica“.

 

Autoflowering-Cannabis 

Heutzutage glauben viele Cannabisgrower und -user, das Cannabis in zwei Hauptkategorien vorkommt: Indica und Sativa. Indica-Cannabis-Sorten werden als breitblättrig, von kurzer Statur und schnell wachsend beschrieben. Ihr Effekt gilt als eher körper- als geistbetont. Durch diese allgemeine Beschreibung glauben immer wieder Grower - in meinen Augen irrtümlich - dass afghanisches Cannabis auch zu den Indicas zähle, und damit wären auch die Kush-Sorten Indicas. Die Sativa-Sorten kommen, wie erwähnt, aus den tropischen Regionen in Äquatornähe. Sie haben lange, dünne Blätter. Sie wachsen höher als Indica-Pflanzen. Ihr Cannabinoid-Profil tendiert zu größeren Anteilen von THC im Verhältnis zu anderen Cannabinoiden, wie etwa dem CBD. Das Sativa-High gilt als mehr mental und emotional und soll weniger körperliche Effekte als die Indicas induzieren. 

Immer mehr Cannabis-Experten teilen die Meinung, dass Landrassen-Cannabis in vier Hauptkategorien eingeteilt werden kann, nicht nur in Indica und Sativa.

Die vier Hauptkategorien sind Sativa, Indica, Afghanica und Ruderalis. Von diesen Vieren hat Ruderalis am wenigsten psychoaktive und medizinisch wirksame Inhaltsstoffe. Ruderalis wird auch oft als „Nutzhanf“ bezeichnet. Die Landrassen-Ruderalis kommt bis heute in erster Linie in Zentral-Russland vor.

Es ist eine schnell wachsende, automatisch blühende und widerstandsfähige Pflanze, die viel Fasermaterial und Samen produziert, aber nur vergleichsweise wenige Cannabinoide. Wenn jemand sagt, Cannabis wachse wie Unkraut, dann meint er wahrscheinlich Ruderalis-Cannabis, denn das wächst in der Tat wie Unkraut.

In den Vereinigten Staaten wurde Nutzhanf seit 1600 angebaut, da es sich für viele nützliche Anwendungen eignet (etwa als Faserlieferant für Textilien, hochwertige Lebensmittel- und industrielle Öle). Hier wurde Ruderalis unter der Bezeichnung „Ditchweed“ bekannt.

Aufgrund seiner Neigung, unabhängig von der Tageslänge die Blüte einzuleiten (was nicht der Fall ist bei Indica-, Sativa- und Afghanica-Cannabis), haben einige Cannabiszüchter Ruderalis mit Indica, Sativa oder Afghanica gekreuzt, um so das „Autoflowering“-Cannabis zu erschaffen. Die meisten dieser Autoflowering-Cannabis-Pioniere kommen aus den Niederlanden, wie etwa Henk van Dalen von der Dutch Passion Seedcompany. 

Durch das Kombinieren von Sativa-, Indica- und Afghanica-Genetiken mit einem sehr kleinen Anteil von Ruderalis-Genetik sind Cannabissorten entstanden, die etwa zwei bis drei Wochen nach dem Keimen automatisch mit der Blüte beginnen. Das ist ein großer Unterschied zu „normalen“ oder „regulären“ Cannabissorten, die erst mit der Blüte beginnen, wenn der Anteil von Dunkelheit in einem 24-Stundenzyklus 12 Stunden oder länger ist.

Autoflowering-Cannabissorten wurden vorrangig für Grower entwickelt, deren Bedingungen und Voraussetzungen ihre Möglichkeiten, reguläre Sorten anzubauen, einschränken. Zu diesen Bedingungen gehört zum Beispiel ein sehr kleiner Growraum, besonders wenn er eine niedrige Höhe hat oder wenn nur wenig Zeit für die Growsaison zur Verfügung steht.

Normale Cannabissorten, besonders, wenn sie aus Samen gezogen werden, brauchen mindestens drei bis vier Wochen in der vegetativen Phase, um genug Wurzelmasse und Strukturen aufgebaut zu haben, damit sie bereit für die Blütephase sind. Sie brauchen mindestens sieben bis acht, wenn nicht noch deutlich mehr Wochen in der Blütephase, bevor sie erntereif sind. Das bedeutet, dass reguläre Sorten im Minimum 10 bis 12 Wochen von der Keimung bis zur Ernte brauchen. Die Zeit lässt sich durch den Einsatz von Stecklingen und schnell blühenden Indica-Sorten noch etwas verkürzen, allerdings auch nicht wesentlich. Dagegen können Autoflowering-Sorten vom Samen bis zur erntereifen Pflanze in nicht mehr als sieben Wochen heranwachsen. Wobei eine der derzeit populärsten Autoflowering-Sorten in den USA, wie etwa AutoBlackberry Kush von Dutch Passion, insgesamt etwa zehn Wochen braucht. Reguläre Cannabis-Sorten brauchen in der Regel mehr Platz nach oben als Autoflowering-Sorten, und sie benötigen eine künstliche Regulierung der Tages- und Nachtlängen, so dass während der Wachstumsphase täglich zwischen 18 und 24 Stunden und während der Blütephase zwischen 11 und 12 Stunden beleuchtet wird.

Autoflowering-Sorten brauchen diese Art der Regulierung des Lichtzyklus' nicht. In der Regel gedeihen sie gut bei einer Beleuchtungsdauer von 18 bis 22 Stunden pro Tag, und das vom Anfang bis zum Ende der gesamten Wachstums- und Blütezeit. Allerdings bringen die meisten Autoflowering-Sorten etwas weniger Ertrag und haben einen niedrigeren Cannabinoidgehalt als die reguläre Sorten, aus denen sie entstanden sind bzw. als andere reguläre Cannabissorten.

Aufgrund der Ruderalisgene enthalten Autoflowering-Sorten oft höhere Anteile von CBD und CBN im Verhältnis zu THC. Das bedeutet, das High ist mehr sedierend und ermüdend verglichen mit dem High der regulären Sorten, besonders bei reinen Sativas und Sativa-dominanten regulären Sorten.

Wie eben bereits erwähnt, ist Autoflowering-Cannabis besonders für Situationen geeignet, wo aufgrund äußerer Umstände Kompromisse eingegangen werden müssen, wie Zeitmangel, wenig Anbauraum oder wenn der Lichtzyklus nicht kontrolliert werden kann (etwa bei abgelegenen Outdoor-Grows). Cannabis-Konsumenten können mit den heutigen Autoflowering-Sorten definitiv medizinische und erholsame Effekte genießen. Doch für Grower, so zeigt es die Erfahrung der legalen Grower in Colorado, die Wert auf hohe Qualität mit hohem Wirkstoffgehalt und einen hohen Ertrag legen, sind reguläre Cannabissorten die besten Wahl.

Widerstandsfähig, klein, ertragreich und stark: Indica- und Afghanica-Cannabis 

Wir hatten vorher schon darüber gesprochen, dass in den 1960ern, 70ern und 80ern Cannabis-Pioniere aus Nordamerika und Europa nach Südostasien, Lateinamerika und in die Karibik, nach Afrika, in den Mittleren und Fernen Osten und nach Indien reisten, um dort die Hanfsamen zu sammeln, aus denen die moderne Cannabis-Genetik gezüchtet wurde. Wir haben auch schon erwähnt, dass Indien die primäre Quelle für die Landrasse Indica ist, und das viele Leute Indica, Kush und Afghanica durcheinander bringen, als gehörten sie alle zur selben Gattung von Cannabis.

In der Tat streiten sich bis heute die größten Cannabisexperten über die Begriffe, die zur Beschreibung der Hauptgruppen von Cannabis und ihrer Ursprünge verwendet werden sollen. Doch wer sich bereits mit den unterschiedlichen Sorten ausgiebig beschäftigen konnte, wird festgestellt haben, dass es deutliche Unterschiede zwischen Kush-, Indica- und Afghanica-Cannabis gibt, auch wenn sie sich untereinander deutlich ähnlicher sind als etwa im Vergleich zu einer Sativa.

Indica, wie auch Afghanica und Kush, tendieren zu kurzen, stämmigen, ertragreichen und schnell reifenden Pflanzen. Doch im Gegensatz zu Kush-Blüten, sind die Blüten der Indicas eher fett und lang, und unterscheiden sich deutlich von den „Popcorn-Nuggets“ der Kush. Indica-Landrassen stammen aus dem Norden Indiens und angrenzenden Regionen Pakistans. Dort haben die Indicas mit ähnlichen Bedingungen klarzukommen, wie die meisten Kush- und Afghanica-Sorten. Zu diesen Bedingungen gehören starke saisonale Veränderungen in den Tageslängen und im Tag-Nacht-Temperaturunterschied. Hinzu kommen noch eine raue und herbe natürliche Umgebung, mit bitterer Kälte, starken Winden, Böden mit geringem Nährstoffgehalt und einer schlechteren Porosität; Trockenheit, Staub, Höhenlagen, Mangel an atmosphärischem Sauerstoff und anderen herausfordernden Faktoren.

Einer meiner Kollegen, der beim amerikanischen Militär war, als Afghanistan erobert und besetzt worden war, erzählte, dass er beeindruckt war vom strengen, „skunky“ Geruch der dortigen Cannabispflanzen. Auch die Zähigkeit, mit der diese Pflanzen den widrigen Bedingungen trotzen und dennoch in dem trockenen, eisig kalten Klima auf kargem Boden und in großen Höhenlagen auf Feldern gedeihen, die sich kilometerweit erstrecken können.

Seine Fotos von diesen Feldern zeigten den klassischen Afghanica-Typen von Cannabispflanzen – dichte, nah am Boden kauernde Pflanzen mit sehr stabilen Stämmen und Zweigen, kleinen tief grünen Blättern und kristallartigen, dicken Blüten voller Harz.

Diese zähen Pflanzen bekommen nur wenig Niederschlag ab, und der Boden ist steinig und nährstoffarm. Deshalb nutzen einige afghanische Grower menschliche und tierische Exkremente als Düngemittel. Die Wirkung beim Rauchen von Afghanica wird als „fast narkotisch“ beschrieben. Ironischerweise wird oft Opiummohn in angrenzenden Gebieten nahe der Cannabisfelder angebaut. Ob das einen Einfluss hat, ist nicht erwiesen, dennoch werden Afghanica-Landrassen von der Wirkung her gerne mit Opium verglichen.

Es war einmal: Die Tage der legendären Cannabis-Sorten 

Für den „normalen“ Grower war vor 30 Jahren die Auswahl an Cannabissorten deutlich kleiner als heute.

Zu den damals völlig neuen und in ihrer Art revolutionären Sorten, die aus Cannabisgenetiken aus unterschiedlichen Teilen der Welt entstanden waren, gehören unter anderem Skunk #1, Northern Lights, Colombian Gold, Hindu Kush, Panama Red, Thai, Jamaican, Oaxacan, California Orange und Neville’s Haze. Es war noch relativ einfach herauszufinden, wie die genetische Herkunft einer Sorte war, die man anbauen wollte. Es war auch sehr einfach, die vorhandenen Sorten in Sativas und Indicas einzuteilen, da sie sich deutlich unterschieden und entsprechende Merkmale aufwiesen.

Allein durch das Anschauen der Blätter ließ sich bestimmen, ob eine Pflanze aus den äquatorialen, tropischen Gebieten kommt und hauptsächlich Sativa-Gene enthält, und dass Sorten mit Genetik aus Afghanistan und Nordindien fast immer Indicas waren. Die Sativa-Sorten wuchsen extrem hoch und hatten elegante Blätter mit sehr sehr dünnen Fingern, wogegen die Indicas und Afghanicas klein wuchsen und Blätter mit breiten Fingern hatten und eher breit als hoch waren. Sativa-Sorten waren aus verschiedenen Gründen nicht einfach anzubauen. Ein Grund ist, dass sie als äquatoriale Pflanzen an Tageslängen gewöhnt sind, die fast das ganze Jahr nahe des 12/12-Stunden-Licht-/Dunkelzyklus' liegt. Dadurch war es sehr schwierig, die Blüte einzuleiten und sie darin zu halten.

Einige Grower von reinen Sativas mussten die Tageslänge auf zehn Stunden reduzieren, um die Pflanzen zum Blühen zu bringen. Sie fanden heraus, dass, wenn sie in der Blüte die Tageslänge auf 11,5 Stunden anhoben, die Pflanzen zum Zwittern tendierten oder das florale Wachstum stoppten und sich teilweise wieder auf dieWachstumsphase umstellten.

Sativa-Sorten sind auch dafür bekannt, dass sie nicht so einfach zu düngen sind, doch am meisten fällt ihre unglaublich lange Blütezeit ins Auge, die teilweise zwischen 14 und 16 Wochen dauern kann. Dazu kommt noch die Tatsache, dass Sativas sehr hoch wachsen und schon fast wie Weinreben nach oben drängen, dafür aber ihre Blüten oft sehr klein, dünn und luftig bleiben, und damit ihr Ertrag deutlich unter dem von Indica und Afghanica liegt. Da fragt man sich natürlich, warum sollte ein Grower auf die Idee kommen und Zeit, Geld und Energie in eine Sorte investieren, die stark von Sativa-Landrassen beeinflusst ist?

Wegen ihres einmaligen Cannabinoid- und Terpenoid-Profils. Sativa-Sorten produzieren Harze, deren Wirkstoffe dem Nutzer belebende, aufheiternde und psychedelische Effekte bescheren können. Die kristallklare Wirkung einer reinen Sativa-Sorte ist dem eines Halluzinogens gleichwertig. Zeit, Raum, Entfernung, Blick und Geräusche sind verzerrt. Leute fühlen sich euphorisiert, ausgelassen und kreativ. Das High kann extrem lange anhalten und endet nicht mit einem „Burnout“ oder mit Müdigkeit.

Dagegen waren die frühen Indica-/Afghanica-Sorten wie Northern Lights und Skunk schnellreifende Pflanzen mit hohen Erträgen und starken Highs. Mit „starkem High“ meine ich, dass es vorrangig sedativ, entspannend und körperbetont wirkt. Die mentale Stimulation ist eher gering im Vergleich zu Sativa.Marijuana. Als Verallgemeinerung könnte man sagen, dass Kush, von der Wirkung her betrachtet, zwischen Indica und Sativa liegt, denn Kush gibt etwas mentale Stimulation, hat aber auch einen entspannenden Effekt.

Im nächsten Artikel werden wir uns näher mit dem Anbau und Gebrauch von speziellen aktuellen Cannabis-Sorten beschäftigen, wie sie nicht nur bei uns in den USA angebaut werden. Im Kontext dieses Artikels über Landrassen und ihre Unterschiede werden wir verstehen, dass der Ursprung einiger Sorten und ihrer Vorfahren viel über ihre Bedürfnisse und Bedingungen verrät, die sie für ein optimales Wachstum, für Gesundheit, hohen Wirkstoffgehalt und Ernteertrag benötigen.

In Bundesstaaten wie Colorado, wo legal Cannabis angebaut werden kann, gehört das Wissen über Landrassen und ihrer Besonderheiten zum Allgemeinwissen eines jeden guten Growers.

Steve Davis

Steve Davis ist ein in Colorado und Kalifornien beheimateter Cannabis-Grower, Fotograf und Wissenschaftler mit einer langen Erfahrung im Cannabisanbau. Seine Artikel sind journalistische Berichte von Orten, wo Cannabis bereits legal angebaut und besessen werden darf. Sie sollen einen Eindruck davon vermitteln, welch breit gefächertes Spektrum der Anbau von Cannabis beinhalten kann. Diese Berichte sollen dazu beitragen, die Wahrheit über Cannabis zu erkennen und Vorurteile abzubauen.

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 1-2016. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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