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Cannabis-Samen sammeln

08.07.2019
grow! Magazin
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Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie ihr euch als Kinder immer an Weihnachten oder Geburtstagen über das Geschenke-Auspacken gefreut habt? Genauso geht es mir, wenn ich meine Edelstahlkästen öffne, in denen sich Erbstücke, Landrassen-, selbst gezogene und ultra-hochwertige moderne Hybrid-Cannabis-Samen befinden, die ich seit fast 20 Jahren sammele.

Ich packe meine Fläschchen und Tütchen mit Samen aus und genieße mit Freuden die Erinnerungen und Überraschungen, die das kostbare Lager an seltener Genetik mir beschert. Stellt euch meine Aufregung vor, als ich sah, dass ich ein verloren geglaubtes Saatgutfläschchen mit der Aufschrift „Colombian Gold Landrace“ in der Hand hielt. Einer meiner Kollegen hatte Kolumbien besucht und sein Leben riskiert, um in eine gefährliche Region einzudringen, die von regierungsfeindlichen Rebellen kontrolliert wurde. Indem er eine hohe Gebühr zahlte, führten die ihn durch ein Dornendickicht mit giftigen Schlangen, um einen 700 m hohen Berg zu erreichen, der in den 1970er und 1980er Jahren von Cannabisschmugglern bewirtschaftet wurde.

Seine Führer legten ihre Rucksäcke ab, lächelten und deuteten auf einen Hügel mit geringfügigen Spuren, die auf einstige Landwirtschaft hindeuteten. „Oro Colombiano“, sagten die Führer. Zuerst sah mein Kumpel nichts, was einer Cannabispflanze ähnelte. Als er den Hügel hinaufkletterte, befand er sich in einem Wald von hoch aufragenden, verwilderten Cannabispflanzen. Einige hatten lange, dünne, goldbraune traubenförmige Buds, die nach Oregano und Ingwer rochen. Er sprang vor Freude auf, als er Blüten mit reifen Samen fand.

Der gesamte Hügel (ungefähr 7,5 Hektar) war einst eine blühende Cannabisplantage, die von Drogenkartellen betrieben wurde, bis sie von Regierungssoldaten entdeckt und verbrannt wurde, da sie der Ansicht waren, die Drogenkartelle seien mit Anti-Regierungsrebellen verbündet.

Die Rebellen glaubten, dass die Regierung noch immer den Berg überwachte, vielleicht via Satellit oder durch Überflüge mit Luftbildkamera-Flugzeugen, und kultivierten deshalb die dort wachsenden Cannabis-Landrassen nicht weiter. Sie gingen nachts los, um Buds zu ernten und Samen zu sammeln. Die wilden Columbian-Gold-Blüten werden medizinisch in Tees oder anderweitig zubereitet und geraucht.

Das Colombian-Gold-Saatgut war der kleinste Cannabis-Samen, den wir je gesehen hatten, nur etwas größer als Mohn. Ich habe zehn dieser Samen zu einem Preis gekauft, der so hoch ist, dass ich ihn lieber nicht verraten möchte, vor allem, weil ich die Samen noch nie habe keimen lassen und noch nicht die Freude am Heranziehen dieses seltenen Funds hatte.

Mein Freund verkaufte das übrige Saatgut für eine sehr rentable Summe an niederländische Samenzüchter. Später wurde ihm mitgeteilt, dass seine kolumbianische Genetik in mehreren wichtigen Zuchtprojekten zur Erzeugung von Sorten verwendet wurde, die als Skunk #1, Jack Herer und Haze-Hybriden bezeichnet wurden.

Ich habe mein Colombian Gold noch nicht angebaut, weil mein Kumpel mir erzählt hat, dass es sich um eine wilde Landrassen-Genetik handelt, die an Outdoor-Growing in einer äquatorialen Zone gewöhnt ist. Ich will sie indoors anbauen, was in Anbetracht ihrer voraussichtlichen Höhe etwas dumm erscheint, oder in einem Gewächshaus, das ich nicht habe. Allerdings muss ich sie keimen lassen, bevor sie ihre Lebensfähigkeit verlieren.

Hanfsamen aus einer Kriegszone

Ein anderer seltener Satz Samen, den ich in meiner Sammlung wiederentdeckte, stammt aus den Gebieten Mazar-i-Sharif und Kandahar in Afghanistan. Die Samen wurden mir von einem amerikanischen Soldaten verkauft, der eine unehrenhafte Entlassung, Entführung, Kriegsgericht oder noch Schlimmeres riskierte, weil er mit nicht kämpfenden Afghanen der traditionellen Marijuana-Grower- und Haschisch-Hersteller-Kultur Kontakt hatte, die es seit Jahrhunderten im Land gibt.

Er hörte von den afghanischen Schlafmohn- und Cannabis-Growern, dass die Hauptgegner der ursprünglichen Cannabis- und Schlafmohn-Landwirtschaft die ehemalige UdSSR und die USA sind, dieselben, die auch Gegner von Frieden und Sicherheit in Afghanistan sind, und ebenso die afghanische Marionettenregierung, die sie bezahlt hätten. Noch vor dem Einmarsch Russlands im Jahr 1978 und der USA im Jahr 2001 bestachen die amerikanische Regierung und das Büro der Vereinten Nationen für Drogen und Kriminalität die afghanischen Regierungsbeamten, um Krieg gegen Schlafmohn- und Cannabis-Grower führen zu dürfen, und damit gegen die weltweite Drogenabhängigkeitsepidemie, die diese zu verantworten hätten.

Und Jahrzehnte vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan versuchte die Sowjetunion, den afghanischen Marijuana- und Mohnanbau zu zerstören. Während der russischen Besetzung Afghanistans, die von 1979 bis 1989 dauerte, bauten afghanische Widerstandskämpfer und Warlords Cannabis und Opium an, um ihren Guerillakrieg gegen die sowjetischen Invasoren zu finanzieren.

Zur selben Zeit bewaffnete und trainierte die US-amerikanische CIA afghanische islamistische Widerstandskämpfer, um einen aufständischen Krieg gegen die Besatzung der Russen zu führen. US-Präsident Ronald Reagan bezeichnete die afghanischen Rebellen als „Freiheitskämpfer“. Glaubwürdige Quellen besagen, dass Osama bin Laden, der militante saudische Muslim, später sein von Amerika gesponsertes Terrorismus-Training gegen Amerika einsetzte.

Es gibt sogar einen berühmten Tom-Hanks-Film, eine wahre Geschichte, die zeigt, wie die USA islamistische afghanische Rebellen bewaffnet und ausgebildet haben. Leider begann der US-amerikanische Krieg in Afghanistan im Jahr 2001 und dauert bis heute an – Amerikas längster und teuerster Krieg ohne Ende. Und doch werden in Afghanistan jährlich Zehntausende Hektar robuste Indica- und Kush-Sorten angebaut und verarbeitet, wobei der Großteil des Endprodukts auf den europäischen Haschischmarkt gelangt.

Die Samen, die mein Soldatenfreund von seiner Dienstreise in die USA geschmuggelt hatte, befanden sich am anderen Ende der Größenskala als das kolumbianischen Samenmaterial – einige waren fast so groß wie die Radiergummis an Bleistiften. Ich habe diese afghanischen Samen eingepflanzt, und die Pflanzen hatten die dunkelgrünsten Blätter und eine Kola mit drei bis fünf Seitenzweigen, was sie ideal für den „Sea of Green“-Anbau machen würde. Die Buds waren so harzig, dass es aussah, als hätte jemand sie mit Zuckerguss eingefroren, und die Kola hatte einen Durchmesser von 2 bis 5 cm. Die Pflanzen vertilgten den Dünger, als ob sie Heißhungerattacken hätten und stießen eine Duftwolke von Terpenen aus, während ich sie wässerte.

Der Duft war viel zu stark für meine Kohlenstoff-Geruchsfilter, dominiert von einer würzigen, skunkigen, fruchtigen Kombination, die sich im Verlauf der Wachstumssaison veränderte, wobei der Duft früh in der Wachstumsphase auftrat und in der Blütephase furchterregend stark wurde.

Es gab zwei Phänotypen, von denen einer größer als der andere war und in der Blütephase etwas länger brauchte. Der kürzere Phänotyp war nach nur 51 Tagen in der Blütephase zur Ernte bereit, was für eine photoperiodische Sorte sehr schnell ist.

Eines meiner Zuchtziele ist, das Columbia Gold und die Afghanis gleichzeitig anzubauen und sie gegenseitig zu bestäuben. Ich würde gerne eine Sorte herstellen, die das schnell einsetzende energiegeladene High, das ich vom kolumbianischen Gold erwarte, mit dem gefährlichen, lähmenden Stoned und den hohen Erträgen der Afghanica kombiniert.

Durch das Sammeln von Cannabis-Samen habe ich Zugang zu seltenen Cannabis-Genetiken, die möglicherweise nie wieder auftauchen werden, sodass ich den Cannabis-Genpool erhalten und erweitern kann.

Warum sammelt man Cannabis-Samen?

Wenn man den Anbau von Cannabis liebt, ist das Sammeln von Cannabis-Samen eine Investition in den eigenen Garten und in die Zukunft. Hier sind die Vorteile aufgelistet, wenn man so viele Sorten wie möglich erwirbt und seine eigenen Sorten züchtet:

  • Jeder Hanfsamen hat seinen eigenen Genotypen und wird seinen eigenen einzigartigen Phänotypen entwickeln. Viele legendäre Cannabis-Sorten stammen von einer seltenen, wünschenswerten Pflanze ab, die aus einem von Hunderten Samen gezüchtet wurde. Wenn man mit einer Vielzahl von Samen arbeitet, erhält man möglicherweise das legendäre Saatgut, das eine Super-Power-Sorte erzeugt, die sonst niemand hat.
  • Die Legalisierung von Cannabis schafft Unternehmensmonopole, Saatgutpatente, Konglomerate, GMO-Cannabis-Forschung und schädigt die Cannabisgemeinde, die schon vor der Legalisierung im eigenen Land angesiedelt war, sowie etablierte Saatgut-Hersteller und -Verkäufer. Darum führte die Legalisierung zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Härten und Misserfolgen in der nordamerikanischen Cannabis-Anbau- und Klon-Industrie. Man sollte nicht zu lange mit dem Erwerb guter Sorten warten. Es gibt keine Garantie dafür, dass die Sorten, die es schon immer gegeben hat, auch weiterhin leicht verfügbar sind. Sie könnten in den nächsten Jahren viel Geld wert sein.
  • Wenn man Cannabis-Samen von professionellen Saatgutherstellern kauft, die Saatgut und Sorten höchster Qualität liefern, trägt man dazu bei, dass sie sich auf dem Markt halten.
  • Eine große Auswahl an Samen bietet einem auch eine vielfältige Auswahl an Terpenen, Cannabinoiden und Phänotypen, sodass man für jede Growsituation und jedes psychoaktive oder medizinische Bedürfnis die richtigen Sorten hat.
  • Je mehr Samensorten man hat, desto mehr kann man selbst experimentieren und so Sorten nach eigenem Belieben schaffen.
  • Man sollte regelmäßig Samen von photoperiodischen Pflanzen erwerben, um selber Cannabis züchten zu können, sowie die besten feminisierten und Autoflowering-Sorten.

Der Aufbau einer eigenen Cannabis-Samen-Sammlung

Ich gebe hier noch ein paar abschließende Gedanken zum Sammeln und Zusammenstellen eines Cannabis-Genetik-Vorrats zum besten:

  • In den USA ist es möglich, Samen über Reseller-Sites oder über Live-Online-Auktionen zu erwerben, man sollte aber aufpassen, dass es keine Abzocke ist (in Deutschland geht das sowieso nicht).
  • Man kann Bestelladressen von Saatguthändlern online oder in bekannten Magazinen erhalten und über diese Kontakt aufnehmen oder sich in Foren vernetzen, um sich über gute vertrauenswürdige Händler zu informieren oder Kontakte knüpfen, um seltene Samen privat auszutauschen.
  • Cannabis-Events wie z.B. Messen sind auch ein passender Ort, um Samenhersteller nach besonderer Genetik in ihrem Repertoire zu fragen.
  • Cannabis-Samen selbst zu züchten, ist immer eine lohnenswerte Erfahrung.
  • Wer Urlaub in fernen Ländern wie Nordamerika, Südostasien, Indien, Südamerika, Jamaika oder im Nahen Osten macht, hat die besten Möglichkeiten, sich dort Samen zu beschaffen.
  • Saatgut sollte in sauberen Behältern aus Edelstahl oder Glas im Gefrierfach des Kühlschranks aufbewahrt werden. Ich habe richtig gelagertes Saatgut zum Keimen gebracht, das 15 Jahre alt war.
  • Anstatt Autos, Münzen, Briefmarken, Schallplatten, Fußballwimpel oder anderen Kleinkram zu sammeln, habe ich mein Geld in Cannabis-Samen investiert und erfreue mich jeden Tag aufs Neue daran.

Steve Davis

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 2-2019. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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