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Wildeste Insel der Kanaren: La Gomera

05.01.2018
grow! Magazin
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reise

Wer auf Komforturlaub und kurze Wege, auf nächtelange Partys und fette All-inclusive-Angebote für Touristen steht, sollte die im Folgenden kurz porträtierte Insel lieber meiden. Wer aber unverfälschte und höchst veränderliche Naturschauspiele, wilde Landschaften und winzige, sich treu gebliebene Ortschaften mit naturverbundenen, zurückgezogenen und zufriedenen Menschen liebt, der ist auf der Kanareninsel La Gomera genau richtig.

La Gomera ist nach El Hierro die zweitkleinste der sieben kanarischen Inseln und wird als wildestes Eiland der Kanaren bezeichnet. Im Grunde ist die Insel ein einziger großer vulkanischer Berg, der aus dem Nordatlantik ragt, und dessen Basis sich etwa drei Kilometer unter der Meeresoberfläche befindet. La Gomera gehört seit seiner Eroberung im 15. Jahrhundert politisch zu Spanien, geografisch sind die Kanaren aber ein Teil Afrikas und liegen auf der Höhe und nahe Marokkos und der West-Sahara. Lanzarote, als östlichste Insel des Archipels, ist nur 120 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt, La Gomera gerade mal um die 300 Kilometer. Mehrmals im Jahr, am häufigsten im Juli und August, schickt die Wüste dann auch einen Gruß, der sich La Calima nennt: eine Wolke aus Sand, die aus Stürmen in der Sahara entsteht, über die Kanaren fegt und zuweilen Heuschrecken mit sich führt, die dann zu einer Plage werden können. La Calima raubt dann für einige Tage die Sicht auf die Sonne und bedeckt die Insel mit einer Schicht feinen Sands bzw. nach Regenfällen mit einem rötlichen Film.

Erstaunlich: Die kleine Insel mit den gut 21000 Einwohnern weist ganze sechs Klimazonen auf, wobei im Süden La Gomeras (San Sebastian, Playa Santiago, Alajeró, Valle Gran Rey) meist ein mildes bis warmes und sommerliches Klima mit viel Sonne vorherrscht und im Norden (Vallehermoso, Hermigua, Agulo) eher Wolken und kühlere Klimata die Wetterlage bestimmen. Die höchste Erhebung der Insel, der Garajonay, liegt knapp 1500 Meter über dem Meeresspiegel.

Die Ureinwohner der Kanaren waren die Guanchen, die vermutlich von nordafrikanischen Berberstämmen abstammen und bis zur Eroberung durch die Europäer im 15. Jahrhundert noch eine steinzeitliche Kultur pflegten und deshalb auch nicht wirklich etwas voneinander wussten: „Zur Guanchenzeit bestanden keine Verbindungen zwischen den Inseln, da die Seefahrt unbekannt war. Es heißt, sie seien friedfertig gewesen, jedoch galten sie auch als tapfere Verteidiger ihrer Heimat; man schreibt ihnen Großmütigkeit zu, mitfühlend waren sie und auf ihre Versprechen war Verlass‟ (José Luis Concepción: Die Guanchen, Teneriffa 1983/2016, Seiten 13+14). Im 15. Jahrhundert war allerdings Schluss mit Frieden, denn da kamen die Spanier daher und unterwarfen die Kanaren – La Gomera übrigens als letzte von allen Inseln: „Die Gomeros waren so tapfer und schwierig, dass sie erst nach ungefähr 80 Jahren auf friedliche Weise unterworfen werden konnten‟ (ebd.: 31). Und Christoph Kolumbus machte Ende des Jahrhunderts im Hafen von La Gomeras Hauptstadt San Sebastian letzte Station, bevor er in Richtung Amerika aufbrach, um Indien zu entdecken.

 

La Gomera: Häuser

Wer La Gomera besuchen will, der muss sich auf eine längere und nicht unbedingt komfortable Reise einstellen. Das ist vermutlich einer der Hauptgründe, aus denen sich die Touristenmassen von der Insel eher fernhalten. Gut so. Zwar wurde La Gomera in jüngster Zeit auch im Mainstream-TV thematisiert, zum Beispiel hatte der Fernsehkoch Frank Rosin dort einen „Job‟ zu erledigen, und auch in der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten‟ war des öfteren die Rede von der „Isla Colombina‟ (Kolumbusinsel). Der Touristenmagnet ist La Gomera aber glücklicherweise nicht – und wird es wohl auch nicht werden. Langes Partymachen ist zum Beispiel nicht angesagt, ab 22 Uhr hat in der Öffentlichkeit Ruhe zu sein. Feiermeilen wie auf Mallorca gibt es auf Teneriffa und Gran Canaria, nicht aber auf La Gomera. Und Touristen-Hotspots, an denen bis zum Morgengrauen bierselige Karaoke-Events und ähnliches zelebriert wird, sucht man ohnehin vergeblich. Dafür gibt es auf La Gomera Natur pur. Urgewaltig und imposant. Den Reisenden erwartet eine Mischung aus subtropischem Berg- und Meerurlaub mit exotischem Flair. Wer das live erleben möchte, reist gewöhnlich mit dem Flieger bis Teneriffa und landet dort am Flughafen Süd (Reina Sofia). Von dort geht es mit dem Taxi zum Hafen Los Cristianos und dann mit der Fähre eine Stunde über den Nordatlantik bis zum Hafen der Hauptstadt La Gomeras: San Sebastian. Wer in die beliebteste und belebteste Gegend der Insel möchte, wird sich von San Sebastian ins Valle Gran Rey aufmachen, ins Tal des großen Königs, das im Südwesten der Insel liegt.

Obwohl La Gomera gerade mal etwa 25 Kilometer Durchmesser aufweist, gestaltet sich die Fahrt doch eher langwierig. Auf der aus Vulkangestein bestehenden Insel muss man für so gut wie jeden Weg zuerst bis zur Spitze der Insel und damit in den Lorbeer-Regenwald La Gomeras fahren, um von dort aus sein Ziel im Tal und an den Küsten anzupeilen. Möchte man zum Beispiel in einen Ort, der nur zwei bis drei Kilometer Luftlinie entfernt liegt, so benötigt man mit dem Auto trotzdem etwa eine Stunde, weil die massiven Berge und Schluchten (Barrancos) umfahren werden müssen.

Rauchende Reisende und reisende Raucher haben mit La Gomera eine ambivalente Destination gewählt. Wer die Cannabiskultur der Kanaren kennenlernen möchte, wird hier nur in privaten Kreisen und über eigens geknüpfte Kontakte fündig werden können. Im Gegensatz zu Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote gibt es auf La Gomera keinen Cannabis Social Club und noch nicht mal ein Fachgeschäft für Cannabisbedarf. Zwei Grow- bzw. Headshops, die im Valle Gran Rey und in der Hauptstadt San Sebastian einstmals die Hanfliebhaber mit Gärtnerbedarf und Paraphernalien versorgten, sind mittlerweile geschlossen. Der letzte Cannabisladen im Valle Gran Rey musste erst dieses Jahr seine Pforten schließen. Was das Kiffen als Solches und auch das Anbauen von Cannabis angeht, so herrscht die selbe Situation wie überall unter der spanischen Krone: Zuhause und im Verborgenen, also an nicht öffentlichen Orten, wo man niemanden mit seiner Leidenschaft stört, kräht kein Hahn danach, ob jemand Gras züchtet oder raucht. Wird man jedoch mit Cannabis auf der Straße aufgegriffen, ist, je nach Menge, mit empfindlichen Strafen zu rechnen, die von den Gerichten ermessen werden. Das gilt auch und insbesondere für Touristen. Dazu muss man wissen, dass die Polizei (Guardia Civil) auf der ruhigen Insel nicht besonders viel zu tun hat, aber dennoch regelmäßig Berichte von gelösten „Fällen‟ auf den Schreibtisch zu bringen hat. Deshalb ist eine jede Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat ein gefundenes Fressen für gelangweilte Cops. Das gilt übrigens zum Beispiel auch für das Fahren ohne Gurt. Wer unangeschnallt angehalten wird, darf sage und schreibe 300 Tacken berappen, um die Situation zu lösen. Wer kiffend erwischt wird, sollte tunlichst freundlich bleiben und die polizeilichen Maßnahmen über sich ergehen lassen – und besser eine Runde beten. Übrigens ist auch der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit mittlerweile untersagt, weshalb es sich nicht empfiehlt, zum Sunset mit einem Bier an der Promenade zu sitzen, wenn die Staatsgewalt im Sichtfeld ist. Es sei denn, man lässt sich im Restaurant auf ein Glas nieder. Da ist der Genuss von alkoholischen Getränken natürlich nach wie vor erlaubt.

 

La Gomera: Berge

Wenn auch auf La Gomera kein wilder Hanf gedeiht, so ist die Pflanzenwelt der Insel (wie auch der restlichen Kanaren) doch vielfältig und interessant. Unter der Sonne Afrikas bei einer Durchschnittstemperatur von 20 Grad gedeihen zwar auch Gewächse, die wir in mitteleuropäischen Gefilden ebenfalls kennen. Es gibt aber eine große Zahl an Pflanzen, die bei uns nicht zu finden sind. So stechen beispielsweise die Sukkulenten ins Auge (hoffentlich nur visuell), die auf der Insel verwildert und weit verbreitet sind: Feigenkakteen (Opuntia ficus-indica), die übrigens leicht Meskalin-haltig sind, Agaven von so riesigem Ausmaß, dass deren Blütenstände höher wachsen als so mancher Baum, Aloe vera, die man auch am Straßenrand findet und die zahlreichen fettfleischigen Wolfsmilchgewächse (Euphorbia), wie zum Beispiel der uns als mehr oder weniger kleine Topfpflanze bekannte Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima), der auf La Gomera zu Baumgröße anwächst. Daneben findet sich auf der Insel fast die gesamte Obstabteilung in Naturform: unter anderem Granatapfelbäume, Zitrusgewächse (Orangen, Mandarinen, Zitronen), Mango-, Avocado- und Papayabäume sowie unzählige Bananenpflanzungen, die einen Wirtschaftsfaktor La Gomeras darstellen.

Liebhaber psychoaktiver Pflanzen kommen auf La Gomera voll auf ihre Kosten. Auf der wilden Insel finden sich jede Menge Rauschpflanzen, zum Beispiel Windenarten (Convolvulus und Ipomoea spp.), wilde Stechäpfel (Datura stramonium, Datura innoxia), das Weiße Bilsenkraut (Hyoscyamus albus) und diverse Nachtschattenarten (Solanum spp.), die Giftbeere (Nicandra) und Tabakarten (Nicotiana glauca und auch tabacum), die Ritterspornart Delphinium staphisagria, die Meerträubelart Ephedra fragilis, der Kanarische Beifuß (Artemisia thuscula), diverse Lolch- (Lolium spp.), Mohn- (Papaver spp.) und Ginsterarten (Cytisus spp.) sowie viele andere mehr. Christian Rätsch bemerkt in seiner Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen: „Vielleicht war [Cytisus canariensis] bereits eine Ritualpflanze der Guanchen, der kanarischen Ureinwohner, die im 15. Jahrhundert noch steinzeitlich lebten und die Grosse Göttin (Tara) in ausgemalten Ritualhöhlen verehrten (...). Durch den Sklavenhandel gelangten viele Pflanzen von den Kanaren in die Neue Welt, mit ihnen vielleicht auch der Gebrauch von Ginster als Rauschmittel“ (Rätsch 1998: 190).

Selbst auf die Kanaren eingeschleppt, aber wuchs- und wucherfreundlich ist der DMT-, 5-MeO-DMT- und Bufotenin-haltige Riesenschilf Arundo donax, der eng mit den auch bei uns heimischen DMT-haltigen Süßgräsern Phragmites australis (Schilfrohr) und Phalaris arundinacea (Rohrglanzgras) verwandt ist. Phragmites und Phalaris sind ebenfalls auf dem kanarischen Archipel heimisch, Phalaris heißt im Englischen sogar Reed Canary Grass – auf den Inseln finden sich neben Phragmites australis die Phalaris aquatica, Phalaris coerulescens und Phalaris paradoxa, wobei die beiden letztgenannten auf La Gomera heimisch sind.

Der Löwenschwanz Leonotis nepetaefolia ist eine afrikanische Pflanze (genannt Klip Dagga), artverwandt mit dem Löwenohr Leonotis leonurus (Wild Dagga) und wie dieses psychoaktiv. Auf den Kanaren ist der Löwenschwanz eingeschleppt und kann auch vereinzelt auf La Gomera gefunden werden. Zur Blütezeit kann das harzige Kraut als solches getrocknet und geraucht werden, es ist aber auch möglich, das Harz von der Pflanze zu extrahieren und wie Haschisch zu konsumieren. Darüber hinaus ist der Anbau aller möglichen subtropischen und tropischen Pflanzen auf La Gomera möglich – der Experimentierfreude des Gärtners sind kaum Grenzen gesetzt.

Der Fliegenpilz Amanita muscaria ist auf La Gomera zwar nicht gerade an jeder Ecke zu finden. Trotzdem ist er auf der Insel heimisch und man kann ihn sogar in den meist kühlen Höhenregionen des Lorbeer-Regenwaldes (El Cedro) im Nationalpark Garajonay antreffen. Und wer sich etwas eingehender mit der Flora der Kolumbusinsel befasst, wird früher oder später sogar auf einen Psilocybe-Pilz stoßen, der auch in Deutschland verbreitet ist: Psilocybe fascicularis var. fascicularis (heute gültiger Name: Hypholoma fasciculare), der Grünblättrige Schwefelkopf, Büschelige Schwefelkopf, Bittere Schwefelkopf oder Grüne Schwefelkopf, der allerdings keine psychoaktiven Inhaltsstoffe beherbergt, sondern toxische Substanzen und deshalb gemieden werden soll.

La Gomera: Häuser

Der Regen- bzw. Nebelwald La Gomeras ist ein echter Urwald und viele Millionen Jahre alt. Bis vor etwa zwei Millionen Jahren erstreckte sich die Waldfläche, die aus Lorbeerbäumen, Baumheide, Gagelbäumen, Kanarischer Weide und anderen Baum- und Straucharten besteht, über die Landfläche des heutigen Mittelmeerraums bis in die Sahara – zu einer Zeit also, da es in diesem Gebiet noch keinen Ozean gab und die heutige Wüste noch eine blühende und saftig grüne Landschaft war. Mit den Eiszeiten veränderte sich dann sowohl das Klima als auch die geografische Situation in dieser Region. Auf La Gomera ist der größte zusammenhängende Urwald aus jener Zeit erhalten und seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe und Naturschutzgebiet. 1984 und 2012 waren Teile des Waldes durch Brände zerstört worden, die Fläche des 2012 verbrannten Urwaldes beläuft sich auf 40 Quadratkilometer. Allmählich lässt sich schon wieder beobachten, wie das Grün der Natur sich an die Oberfläche arbeitet.

Wer seine Freizeit mit dem Beobachten von Tieren verbringen mag, der wird auf La Gomera schnell fündig und kann eine Fauna erleben, die einzigartig ist. So gibt es zum Beispiel die bis zu 40 Zentimeter große Gomera-Eidechse (Gallotia galloti gomerae) und den Gomera-Gecko (Tarentola gomerensis) nur auf dieser Insel, selbst Riesen-Eidechsen (Gallotia bravoana), die bis weit über einen Meter groß werden, gibt es vereinzelt, wenn diese auch auf der Nachbarinsel El Hierro in größerer Population vorkommen. Kaninchen zählen zu den häufigsten Wildtieren auf La Gomera – wer nachts die Insel überquert, wird immer wieder Langohren am Wegesrand (oder überfahren auf der Straße) entdecken. Man begegnet darüber hinaus exotischen Faltern und Schmetterlingen, dicken schwarzen und brummenden Hummeln, die von Blüte zu Blüte knattern, einer knapp drei Zentimeter großen Raubfliege namens Gomera Bienentöter, die es nur auf La Gomera gibt, Libellen, Käfern und Kakerlaken. Man hört Zilp-Zalps und Kanarienvögel zwitschern, sieht Fischadler, die nach Beute suchen, und jede Menge anderer Vogelarten, die in der Luft und auf den Bäumen das Leben genießen. Summa summarum kann festgehalten werden, dass Naturliebhaber auf dieser Insel auf ihre Kosten kommen. Ausgedehnte Wander- und Fahrradtouren sind die beste Möglichkeit, die erstaunlich variable Landschaft der Insel zu erkunden. Mal befindet man sich an sonnigen Küsten mit strahlend blauem Himmel und schwarzem Sand, mal in zugigen Gebirgsregionen mit Stürmen und heftigen Regengüssen, mal in durch Wolken vernebelten Waldgebieten auf rutschigen Straßen, die man mit maximal 20 km/h befahren kann, dann wieder in sonnigen Heidelandschaften mit Felsen und Schluchten, um an der nächsten Haltestelle im Lorbeerwald gar auf Schnee zu stoßen. Gomera ist vielseitig und verlangt dem Besucher eine ebensolche Vielseitigkeit ab. Man muss gut zu Fuß sein und darf steile und und teils unbefestigte Auf- und Abstiege nicht fürchten.

Zwar ist es auch mit dem Mietwagen möglich, eine Vielzahl attraktiver Stellen anzusteuern. Die jeweiligen Sehenswürdigkeiten – Aussichtspunkte, spektakuläre Naturkulissen wie den magischen Tafelberg Fortaleza, der von den Ureinwohnern La Gomeras als Kraftplatz genutzt wurde, der Wasserfall (Salto de Agua) bei El Guro, dessen Wanderweg als einer der schönsten der Kanaren gilt, etc. – müssen dann allerdings doch meistens zu Fuß erreicht werden. Die Orte La Gomeras können aber alle mit dem Vehikel angereist werden. Doch Vorsicht: Vielerorts ziehen sich schmale Serpentinen durchs Vulkangebirge, und dafür brauchten Fahrer und Beifahrer häufig starke Nerven, handelt es sich doch in einigen Gegenden um enge und mit rutschigen Steinen belegte Straßen, oder besser Wege ohne Randbefestigung mit Blick in klaffende Barrancos, die gefühlt kilometertief in den Abgrund führen.

La Gomera: Küste

Natürlich hat La Gomera auch jede Menge kultureller Reize zu bieten. Vor allem urtümliche. Die Seele der Gomeros, so sagt man, ist südamerikanischer Natur – was sich in der Lebensweise der Einheimischen widerspiegelt (viele der heutigen Südamerikaner stammen von Canarios ab, die sich zu Zeiten der Eroberung mit dem Boot von den Kanaren in Richtung Venezuela aufgemacht hatten). In Kombination mit der marokkanisch orientierten Bauweise der Häuser ergibt sich auf La Gomera ein Bild von Lebensart und Kultur, das von Gleichmut und Einfachheit, aber auch von Lebensfreude, Unabhängigkeit und einer gewissen Zähigkeit, den Voraussetzungen der Insel langfristig zu trotzen, geprägt ist. Wegen der eher einfachen und rustikalen Lebensweise und auch wegen der anstrengenden Anreise und der gesamtinsulanisch teils rauen und wechselhaften klimatischen Bedingungen besuchen allerdings vergleichsweise wenige Touristen La Gomera. Diejenigen aber, die die Insel dennoch besuchen, kommen zu einem guten Teil auch aus Deutschland, weshalb zum Beispiel im Valle Gran Rey unter anderem deutsche Fassungen der Speisekarten in den Restaurants angeboten werden. Wer aber tiefer in die gomerische Kultur eintauchen möchte, der wird nicht ausschließlich die touristischen Kulinaria genießen, sondern die einheimischen Delikatessen und Gepflogenheiten kennenlernen wollen. Aber genau da liegt für viele das Problem: Man kommt nämlich ohne Grundkenntnisse der spanischen Sprache nicht besonders weit. Die meisten Gomeros sprechen lediglich ihre eigene Sprache, nicht einmal mit Englisch kann man als Tourist viel ausrichten. Deshalb ist es in der Tat ratsam, zumindest einige Fetzen an sprachlicher Grundausstattung im Gepäck zu haben. Nicht nur deshalb ist, wie wir unterm Strich festhalten können, eine Reise nach La Gomera immer auch ein Abenteuerurlaub. Einer, der den Reisenden auch ein bisschen fordert und ein gerüttelt Maß an Flexibilität voraussetzt. Diese Insel ist magisch – da gibt es keine Frage. Und entweder man liebt sie oder man meidet sie.

Markus Berger

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 1-2017. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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