redAktion: +49 (0)5676 920 920

Anzeige


Prag: Hightere Tage in der Goldenen Stadt

15.02.2018
grow! Magazin
(Kommentare: 0)
reise

Es ist Mitte Oktober und die Sonne brennt mit erstaunlicher Kraft auf das Oberdeck der MS FLORENTINA, wo ich mich mit meinem alten Kumpel Popeye für eine Woche eingenistet habe. Die Florentina ist ein sogenanntes „Botel“, ein Kreuzfahrtschiff, welches die Wintermonate fest vor Anker liegt und wo man für 35 Euro nachgerade fürstlich wohnt. Am Ufer der Moldau gelegen mit bestem Blick auf die berühmte „Karlsbrücke“ und den „Hradschin“, Prags großartiger Burganlage und Wahrzeichen der Stadt. Was für ein schöner Tag. Schwäne ziehen auf dem ruhigen Fluss stolz ihre Bahn, Ausflugsboote schippern gemütlich vorbei, und wir frönen böhmischem Bier und einem Joint, den ich einem Kellner abquatschen konnte. Vom süßen Geruch von der Reling angelockt, schließen sich uns zwei überaus lustige Schweizer Artgenossen an, und wir teilen die von ihnen mitgebrachte „Asservaten-Kammer der Aargauer Kantons-Polizei“ und des Kellners Gras brüderlich. Dazu gibt es tschechischen Riesling.

Gegen Abend wanken unsere Freunde aus der Schweiz bretterbreit in ihre Kajüten, während wir – auf mein nachhaltiges Drängen – uns noch auf die Suche nach was Rauchbarem machen. Was anfangs schwieriger als gedacht ist. Wir sehen ein paar „verdächtige“ junge Leute am Moldaustrand sitzen und quatschen sie an. Sie sind sehr nett und laden uns auf einen Joint ein, haben aber nichts abzugeben. Aber dafür einen Tipp: Die „Reggae Lounge Bar“ in der Anenská 1, gleich hinter der Karlsbrücke. Wir danken und schwanken los … (Die Reggae Lounge Bar ist mittlerweile geschlossen, Stand 2018 - Anm. d. Red.)

Die Karlsbrücke kann man – egal in welchem Zustand - nicht verfehlen, und ich muss schon sagen: Ein faszinierender Ort mit fast tausendjähriger Geschichte und selbst, wer kein sonderliches Interesse an altem Gemäuer, Architektur und Bildhauer-Kunst hat, dem stockt der Atem vor der Pracht dieser Brücke. Natürlich sind von Früh bis Spät in der Nacht Massen an Touristen unterwegs, aber selbst das verleiht der Brücke ihr ganz besonderes Flair. Denn sie ist nicht nur ein Freiluft-Museum, sie ist auch eine Kleinkunstbühne für Musikanten, Porträtzeichner und sonstige Künstler, die sich da allesamt qualitativ ansprechend ein Zubrot verdienen. Es ist voll und laut und trotzdem friedlich und irgendwie liebevoll, ja fast ein bisschen Love-&-Peace-Feeling.

Doch nun war es Zeit, den eigentlichen Zweck unserer ersten Exkursion wieder aufzugreifen und die Reggae Bar aufzusuchen, die sich tatsächlich nicht weit von der Karlsbrücke in einer dunklen Gasse befindet. Schon auf der Straße hört man Reggae-Klänge, und am Ende einer langen Treppe kommt man in einem Gewölbekeller an, wo ein weißer Tscheche Bier ausschenkt und sein schwarzer Landsmann Gras verkauft. Sofort kommt er an unseren Tisch und fragt uns, wo wir herkommen. „Germany“ scheint ok zu sein, und seine zweite Frage lautet, ob wir „some stuff“ wollen. Tun wir … Schon hat er seinen Taschenrechner in der Hand und zeigt uns auf dem Display seine Preise: ein Gramm 300 Kronen (ca. 12 €), fünf Gramm 1000 Kronen, zehn Gramm 2000. Ich betrachte diese Preise in Anbetracht der Tatsache, dass ich nichts mehr habe, als fair und bestelle zehn. „Yeah man, wait five minutes …“ Es dauert derer höchstens zwei, und schon steht er wieder da mit einer handvoll Weed, drei großen Papers und einer kleinen Kräutermühle der Hauses. Zum Rauchen mögen wir uns bitte in die „Lounge“ begeben, welche am Ende des Kellers aus zwei Biertisch-Garnituren hinter einem Bretterverschlag, einem schummrigen Rotlicht über einem Bob-Marley-Poster und einer modernen Rauchabzugs-Anlage besteht. Hier geht es ums Wesentliche. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so. Genauso wie das Material übrigens - mit der kleinen Einschränkung, dass die zehn Gramm höchstens fünf oder sechs waren. Nun, als angesoffener Tourist wird man halt gerne übers Ohr gehauen und etwas angesäuert verließen wir den Keller. Doch die große Überraschung sollte schon am nächsten Tag folgen. Denn bis dahin hatten wir (mit schweizerischer Hilfe und nach Abzug eines Gegengeschenks für unseren Kellner) die vermeintlichen zehn Gramm weg geraucht, und da wir immer noch nicht in der Lage waren, einen anständigen Dealer zu finden, ging es nach einem überaus opulenten Frühstück auf unserem Boot directamente wieder in die Reggae Bar. Diesmal fast schon eine freudige Begrüßung durch unseren Freund und die sofortige Frage „How much?“. Diesmal bestellte ich fünf und bekam genau die gleiche Menge wie am Vortag. Mmh? Ich schaute ihn fragend an, und noch bevor ich auf diesen Umstand hinweisen konnte, fing er an, sich zu entschuldigen. „Yeah man, sorry …“, war gestern ein bisschen wenig (ein bisschen ist gut …) und „yeah man …“, dafür bekäme ich heute mehr und dazu noch einen besseren Stoff. Yeah man, das war jetzt wiederum fair und yeah man, es verging kein Tag, ohne einen weiteren Besuch der Karlsbrücke bzw. der „Reggae Lounge Bar“.

Das ist natürlich bei weitem nicht die einzige Lokalität in Prag mit Coffee-Shop-Charakter.

Am Empfehlenswertesten ist vielleicht der „Klub Shotgun“, leider etwas außerhalb im Stadtteil Zizkov gelegen. Hier herrscht eine sehr freundliche Atmosphäre, und es ist gemütlicher eingerichtet, als die doch überaus rudimentäre Reggae-Bar, die eigentlich nur aus Tischen und Bänken besteht. Außerdem ist der Stoff etwas billiger (500 Kronen für zwei Gramm). Schade, dass ich darauf erst am Vorabend meiner Heimreise gestoßen bin. Das wird das nächste Mal mein Stammlokal.

Im zentral gelegenen „Chateau L’Enfer Rouge“ (früher: „Chapeau Rouge“) in der Jakubská 2 verkehren viele Touristen, und auch dort betreiben afrikanische Einwanderer den Drogenhandel. Als wäre es ein Naturgesetz … Oder wollen sich die eingeborenen Tschechen nur nicht die Hände schmutzig machen? Wie auch immer, im „Chapeau“ herrscht eine etwas uncoole Stimmung, die, wie ich später erfahren sollte, auch daher kommt, dass da bei weitem nicht nur Weed gehandelt wird.

Wer ständige Bob-Marley-Berieselung mag, dem sei das „Tulip Café“ in der Opatovická 3) ans Herz gelegt. Das Tuliip erstreckt sich über zwei Etagen und ist bei Biertrinkern wie Kiffern gleichermaßen beliebt. Für Raucher findet sich extra eine „Blazing Lounge“ im schmucken Patio des Hauses.

Ziemlich schick, mit großartiger Aussicht über die Stadt und für ihren guten Stoff bekannt ist die „Sky Bar“ beim Hilton Hotel. Jim, der Kneipier, ein 45-jähriger Kalifornier, der mit seiner tschechischen Frau zusammen seit 15 Jahren in Prag lebt, ist ein passionierter Kiffer und freut sich auf Gleichgesinnte aus aller Welt. Wer auf Cookies steht, sollte sie hier, von Jims Frau liebevoll zubereitet, probieren.

Sehr empfehlenswert und bei einheimischen wie ausländischen Besuchern beliebt ist der „Cross Club“ in der Plynami 1096/23 (Stadtteil Holesovice). Der Cross Club sieht sich als ein multikulturelles Zentrum, als den „wahren Kreuzpunkt von Kulturen, Genres und Denkansätzen“. Seine Einrichtung ist entsprechend abgefahren, futuristisch. Und es vergeht kein Tag, in dem hier nicht irgendetwas Besonderes stattfindet. Psychedelische Tanzabende, Dichterlesungen, Live Bands, Theater- oder Filmvorführungen. Für jeden Geschmack findet sich hier ein Stückchen alternative Kultur, ein Stückchen Bohème eben, wenn man schon in der Hauptstadt Böhmens ist.

Weit außerhalb der Touristenströme gelegen, im Süden Prags, findet man in der Vodickowa 10 das „U Sudu“, einen ehemaligen Weinkeller, der in eine schnuckelige Bar verwandelt wurde. Traditionell trinkt man hier Wein (im Bierparadies Tschechien ansonsten eher unüblich), und es lässt sich an den kaum beleuchteten Tischen wunderbar chillen (oder auch Tischfußball-Spielen, wer das – so wie ich – gerne tut). Ein relaxter, fast nur von Tschechen frequentierter Ort. Sehr empfehlenswert.

Wie Prag allgemein für unsereins sehr empfehlenswert ist.

Ich habe jedenfalls überall geraucht, wo es mir danach zumute war, selbst auf der Terrasse eines 5-Sterne-Hotels, und nirgends bekam ich einen Verweis oder Rüffel, nicht einmal die freundliche Bitte, das zu unterlassen. Man schaut offenbar einfach darüber hinweg. Das habe ich so noch nirgends in Europa erlebt, nicht mal in Spanien. Man fühlt sich tatsächlich als Kiffer gesellschaftlich akzeptiert. Und so riecht und sieht man bei jedem Ausflug irgendwo Leute, die gemütlich einen rauchen. Von Polizei keine Spur, obwohl auch Kleinmengen de facto weiterhin verboten sind. Diese gelten allerdings nicht mehr als Straftaten, sondern „nur“ noch als Vergehen, welche mit Geldstrafe oder Sozialstunden geahndet werden. Bei Touristen beträgt die Geldstrafe übrigens üblicherweise 1000 Euro, wobei es schon sehr dumm laufen muss, wenn ein Tourist in Prag wegen Cannabis Ärger mit der Polizei bekommt. Da herrscht völliges Laissez-Faire und mit Sicherheit gibt es heimliche Agreements zwischen den Behörden und offensichtlichen Umschlagplätzen wie der Reggae Bar. Wie bereits gesagt, in Prag herrscht schon etwas Flower-Power-Feeling, und die Verantwortlichen wissen ganz genau, dass ein nicht geringer Prozentsatz der Touristen (abgesehen mal von den fernöstlichen Reisegruppen) eben gerne raucht. Warum sollte man sie verjagen? Sie stören niemanden, und auch Kiffer lassen Geld da (schon allein in der Gastronomie. Ich jedenfalls habe in einer Woche locker drei Kilo zugelegt. So viel gefressen habe ich schon lange nicht mehr).

Übrigens wurde vom „Obersten Gericht“ Tschechiens die Regelung für eine „geringe Menge“ vor Kurzem etwas verschärft. Danach sind es jetzt nur noch zehn Gramm Marihuana, die als Eigenbedarf gelten (vgl. Tabelle -> Stand 2015).

Droge / Substanz größere als Geringe Menge
Crystal Meth (Pervitin) mehr als 1,5 Gramm
Heroin mehr als 1,5 Gramm
Kokain mehr als 1 Gramm
Ecstasy (MDMA) mehr als 4 Tabletten/Kapseln oder mehr als 0,4 Gramm Pulver oder Kristalle
Marihuana mehr als 10 Gramm getrocknete Pflanzen
Haschisch mehr als 5 Gramm
Psilocybinhaltige Pilze mehr als 40 Pilze

(Neue Eigenbedarfs-Richtwerte für Drogen gemäß des Urteils des Obersten Gerichts in Brünn vom 13. März 2014)

Da in Tschechien der private Hanfanbau floriert, überrascht es nicht, dass es auch zahlreiche Grow-Shops in Prag gibt. Einige Internet-Quellen sprechen von 200. Wer also nicht in Clubs gehen mag, der kann sich auch dort mal umschauen.

Stefan Haag

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 4-2015. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop.

Wenn dir unsere Artikel und unsere Berichterstattung gefallen und du uns supporten möchtest, denk doch mal über ein Abo nach: Unser Heft erscheint sechs mal im Jahr, du kriegst es früher als der Kiosk, zum Super-Preis - und wir versenden sehr diskret! ;-)

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Anzeige


© 2018 COPYRIGHT :: Hanf Verlag Darmstadt GmbH | WEBDESIGN :: nearshore.dc
Unsere Online-Werbepartner: Barney's Farm # BoBo # Cannatrade # Cultiva # DHV - Deutscher Hanfverband # GB Liquids # Growsartig # Humboldt Seed Organization # Seedsman # Sensi Seeds # Weed Seed Shop
Achtung: Der Anbau und der Besitz von Cannabis sind nicht überall legal. Bitte beachte stets deine lokale Gesetzgebung! Wir möchten nicht zu dem Konsum von Drogen anregen und raten jedem, es im Zweifelsfall sein zu lassen.
x

AKTUELLE AUSGABE

Mai/Juni 2018