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Marokko - Von Nord nach Süd und wieder zurück

21.06.2018
grow! Magazin
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Reise

Da standen wir nun und wussten nicht, wohin. Irgendwo im bergigen Cannabis-Dschungel nördlich von Bab Berred, umgeben von herrlich duftenden, weitläufigen Feldern, deren Abgrenzungen zueinander aus unbefestigten Fußwegen bestanden, welche die Landschaft kreuz und quer durchzogen. Auf solchen Pfaden waren mein Bruder und ich bereits meilenweit gewandert: bei glühender Hitze vom Bus-Stop an der Hauptstraße bis tief hinein in die Botanik des Rif-Gebirges. An unserer Seite ein Einheimischer, den wir im Bus kennengelernt hatten und der natürlich Mohammed hieß. Mo hatte zu meiner Überraschung und großen Erleichterung behauptet, Ali zu kennen. Den Ali, der einstmals ein halbes Jahr lang mein Zellengenosse war. Alles, was ich hatte, waren Name und Adresse: "five Kilometer north of Bab Berred". Ziemlich unpräzise, zugegeben, aber ich hatte darauf vertraut, dass hier in der näheren Umgebung stets jeder jeden kannte, wofür unser Begleiter Mohammed nun das beste Beispiel war.

Mo hatte uns ja auch tatsächlich an den richtigen Ort geführt. Das Problem war nur: Mein alter Kumpel Ali war nicht anwesend. Und sein Vater, der aus irgendeinem Grunde sehr panisch reagierte, wollte uns augenscheinlich sogleich wieder loswerden. Ich konnte kaum glauben, was Mohammed uns da übersetzte: Ali in Holland. Im Knast. Und ständig kämen hier Leute wegen ihm und machen Ärger. Polizei, Mafia und was sonst noch. Der Alte wusste uns nicht einzuschätzen und hatte schlicht Angst. Derweil wir jetzt anscheinend kein Dach über dem Kopf hatten. Nicht mal den Weg zurück nach Bab Berred würden wir finden.

"Dann schlaft ihr eben bei mir. Ist aber noch ein bisschen hin bis zu meinem Haus."

Wir hätten ihn knutschen können, rauchten stattdessen aber erstmal eine Tüte und ruhten uns ein wenig aus. Heiß brannte die Sonne vom Himmel, wir schwitzten wie die Schweine. Und waren immer noch nicht am Ziel. Weiter ging's.

Hanffeld bei Bad Berred
Hanffeld bei Bad Berred

"Wie weit denn noch, Mohammed?"

Dreimal gefragt und stets dieselbe Antwort:

"Oh, eine halbe Stunde, höchstens ..."

Und dann stolperte mein Bruder und fiel samt Rucksack, holterdipolter, fast zwei Meter tief in ein Hanffeld. Diverse Blessuren, vor allem aber ein verstauchter Knöchel, der sehr schnell sehr dick wurde. Unmöglich, damit weiterzuwandern. Und dann war auch schon der Bauer da und wollte sehen, welcher Trottel da in sein Feld geplumpst war. Es folgte ein kleiner Plausch mit Mo, dann hatten wir die Erlaubnis, bis morgen hierzubleiben. In der Frühe würde Mohammed uns dann zurück zur Hauptstraße bringen. Also, der neue Mohammed. Unser Gastgeber für heute Nacht und unsere Rettung.

Der neue Mo war sehr freundlich, sprach allerdings kein Englisch und etwa soviel Spanisch wie ich Französisch, was eine echte Konversation ziemlich schwierig machte. Seine Frau machte uns Tee und etwas zu essen, und während wir versuchten, die viel zu öligen Spiegeleier runterzubekommen, produzierte Mohammed den von uns gewünschten Reiseproviant.

Mo bereitet unseren Reiseproviant
Mo bereitet unseren Reiseproviant

Seine Technik war mir neu: Anstatt das zu siebende Material mit Plastik abzudecken, verrichtete er seine Arbeit innerhalb eines selbst gebastelten Plastikzeltes, auf dass die feinen Stäube nicht verloren gehen. Irgendwann würde er dann die Folie abschaben können und so die Creme de la Creme gewinnen. Das beste Harz, das die Pflanze zu bieten hatte. Wir dagegen bekamen ein eher grobes und optisch enttäuschendes Produkt, was wohl an den mickrigen Pflanzen lag, die hier wuchsen. Kein Vergleich zu den sattgrünen Gewächsen, die in der Region Ketama zu sehen sind. Der Grund: ungenügende Wasserversorgung. In Fes würden wir uns also nach etwas Besserem umschauen müssen.

Unterwegs im Süden Marokkos
Unterwegs im Süden Marokkos

Was wir schon auf dem Weg dorthin feststellten: Das Zeug war doch gar nicht so übel. Machte auf Dauer ein wenig schläfrig, war aber sonst eigentlich recht brauchbar. Also Planänderung: direkt weiter gen Süden. Mit Sammeltaxen, Bus und Bahn erreichten wir Marrakesch, wo wir uns einen Leihwagen nahmen und noch weiter gen Süden fuhren. Hoher Atlas, Mittlerer Atlas und die Ausläufer der Sahara. Mos Dope hatte sich überraschend gut gemacht, war aber fast alle. Und da man im Süden Marokkos nichts Adäquates zu quarzen findet, ging's nach einer Woche zurück in Richtung Norden.

Fes. Eine sehr alte und sehr faszinierende Stadt. Jedenfalls der historische Teil, die Medina. Man fühlt sich angesichts von Festungsmauern und schmalen Gassen um Jahrhunderte zurückversetzt, besonders natürlich, wenn man seine Sinne mit landestypischen Spezereien sensibilisiert hat. Irgendjemand in Marrakesch hatte uns einen Ort namens "Hai Badr" empfohlen. Ein Outdoor-Restaurant, wo man außer gut Essen auch unbehelligt kiffen konnte. Und ein Ort, wo angeblich viele Hasch-Dealer herumhingen. Wir hatten den Laden schnell gefunden.

Als einzige Ausländer wurden wir angesprochen, kaum, dass wir uns an einen Tisch gesetzt hatten. Zwei sympathisch wirkende Marokkaner, die genau das hatten, was wir wollten. Beziehungsweise besorgen konnten. Geld im voraus. Mein Bruder, das erste Mal in Marokko, sah mich an und schüttelte den Kopf. Ich schaute den beiden Burschen in die Augen und sah keine Arglist in ihrem Blick. Anders, als bei vielen ihrer Landsleute, die nur drauf aus sind, einen zu linken. Aber wie die dreinschauen, hatte ich über die Jahre gelernt. Also reichte ich Mohammed unter dem Tisch zweihundert Dirham, worauf er sich umgehend auf den Weg machte. Sein Freund Khalil dagegen blieb bei uns sitzen.

"Den sehen wir nie wieder! Zwanzig Euro futsch!", knurrte mein Bruder und ärgerte sich über meine Naivität. Um sich wenig später über meine Menschenkenntnis zu wundern. Der aktuelle Mohammed war nicht nur recht flott zurückgekommen, sondern hatte mir unter dem Tisch ein überraschend fettes Piece gereicht. Superbe Qualität, wie wir gleich darauf feststellen sollten.

"Wenn ihr zufällig mehr braucht: Ich habe in Ketama einen Cousin, wo ihr das Zeug noch um einiges billiger bekommt. Wenn ihr wollt ..."

Klar, die beiden kassierten eine Art Provision für jeden, den sie auf eine Hasch-Farm schleppten. Das war ihre wahre Motivation, damit verdienten sie ihren Lebensunterhalt. Andererseits kamen sie uns sowas von gelegen: Wir brauchten ja tatsächlich einen Bauern, der sein Handwerk verstand und mehr drauf hatte als unser Freund Mo aus Bab Berred. Wir brauchten ihn für dieses Mal und für die Zukunft. Keine Frage also: Wir sagten zu.

Drei Tage genossen wir die Atmosphäre der Medina, dann setzten wir uns früh morgens mit Khalil und Mohammed in ein Sammeltaxi, das uns nach Issaghuen bringen sollte. Auch bekannt als Ketama, wobei das eigentlich der Name für die gesamte Comúne ist. Dort sofortiger Umstieg in ein anderes Taxi, das uns sieben Kilometer zurück in Richtung Fes fuhr und dann links auf eine unbefestigte Schotterpiste abbog. Noch ein Weilchen stetig bergauf, dann kam ein kleines Dorf in Sicht. Wir waren am Ziel. Asilah, das ich bisher nur vom Hören-Sagen kannte.

Über den Dächern von Asilah
Über den Dächern von Asilah

Der Ort machte einen armseligen Eindruck. Wellblechdächer und unverputzte Wände, wohin man sah. Die meisten Häuser sahen irgendwie nur halbfertig aus. Drumherum allerdings unendliche Weiten von sattem Grün. Blühende Hanfpflanzen, soweit das Auge reichte. Ich vermute, dass die augenscheinliche Armut eher eine Art Fassade war. In den 80ern hatten die Haschfarmer des Rif begonnen, ihren Reichtum allzu offen zur Schau zu stellen und damit bewirkt, dass die Regierung drastische Maßnahmen ergriff. Viele Hunderte Bauernsöhne waren in den Knast gewandert, viele Tonnen Haschisch wurden konfisziert. Seitdem sah man wieder viele französische Kleinwagen, aber kaum mehr japanische SUVs auf den Straßen des Rif.

Asilah
Asilah

Abd-er-Rahman hieß unser Gastgeber, der auf mich sofort einen seriösen Eindruck machte. Um den zu unterstreichen, fuhr er sogleich seine beste Sorte auf: Eine Siebung, die sich Double-T'bisla nannte. Sehr hellgelbes Puder, sehr fein in seiner Konsistenz. Zweihundert Kilo Rohware waren nötig, um ein Kilo dieser superben Qualität zu gewinnen. Entsprechend der Preis: zweitausendfünfhundert Euro. Egal. Wir waren schließlich gekommen, um das Beste zu erwerben, was im Rif-Gebirge verfügbar war.

Double T'bisla
Double T'bisla

Unsere beiden Scouts verabschiedeten sich am Nachmittag, wir blieben noch fast eine Woche in Asilah. Super Wetter, nette Familie, grandiose Landschaft, bestes Haschisch. Von dem wir schließlich ein halbes Kilo kauften und zu Caramellos verarbeiten ließen. Zudem fünfzig Gramm feinstes Hasch-Öl, abgefüllt in Präservative zu je zehn Gramm. Jetzt mussten wir das Zeug nur noch verinnerlichen, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Und dafür hatte ich mir etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Eine der Schwierigkeiten beim Körperschmuggel ist die Notwendigkeit, die Innereien zum richtigen Zeitpunkt soweit geleert zu bekommen, dass die Ladung da auch hinein passt. Die Hasch-Caramellos gelangten oral in den Verdauungstrakt, die Präser mit dem Öl dagegen anal. Und während das Erste selten ein Problem darstellt, kann es vorkommen, dass das Rektum nicht aufnahmebereit ist, weil besetzt. Zu diesem Zweck hatte ich zwei Klistiere in Tubenform mitgenommen. Eins für den Bruder, eins für mich. Die sollten ein paar Stunden, bevor wir in den Nachtbus stiegen, der uns nach Tanger bringen würde, zum Einsatz kommen. Nach erledigter Entleerung wollten wir uns dann im Haus an die Caramellos machen und währenddessen die Öl-Präser durch die Hintertür schieben. Als Pfropfen sozusagen.

Oberhalb des Hauses gab es, inzwischen umzingelt von Hanffeldern, eine Ruine, die früher angeblich mal ein Postamt war. Reichlich verfallen und augenscheinlich bereits des Öfteren als Bedürfnisanstalt missbraucht. Hier, so mein Plan, wollten wir unser Geschäft verrichten, wenn das Klistier zu wirken begann. Im Haus gab's nämlich nur ein einziges Klo. Eine Viertelstunde würde das dauern. So weit, so gut.

Hanffeld mit Ruine im Hintergrund
Hanffeld mit Ruine im Hintergrund

Wir suchten uns also ein stilles Eckchen und verabreichten uns den Tubeninhalt, als plötzlich seltsame Geräusche an unsere Ohren drangen. Gekicher, aufgeregtes Getuschel. Mädchenstimmen, dem Vernehmen nach mehr als ein Dutzend. Und tatsächlich: Als wir nach draußen kamen, lungerte da eine Schar krakeelender Berbermädels herum, neugierig, was wir da wohl machten. Wie sollte man die wieder los werden?

Nach wenigen Minuten begann sich der Darm zu regen. Und die Gören waren immer noch nicht weg. Wie sollten wir so unserem Geschäft nachgehen? Gerade als mein Bruder begann, nervös zu werden, hatte ich eine Idee. Mein Marokkanisch war eher dürftig, aber einige Vokabeln beherrschte ich schon. Und sogar einen ganzen Satz. Oder besser eine Frage:

"Ouash käyen shi-wacht käitkellem Almanya?"

Der Erfolg war überwältigend. Pures Entsetzen stand den Kids in die Gesichter geschrieben, dann stoben sie schreiend auseinander. Ich war selbst erstaunt über die Reaktion. Mein Bruder völlig perplex.

"Was hast du denen gesagt? Muss ja was ganz Schlimmes gewesen sein ..."

Mitnichten. Ich hatte nur gefragt, ob eine von ihnen Deutsch spricht. Und nun dachten sie natürlich, ich hätte alles verstanden, was sie da so von sich gegeben hatten. Weg waren sie und wir konnten endlich ungestört unser Werk vollenden.

Der Rest verlief weitestgehend unspektakulär. Wenn man davon absieht, dass sich der ohnehin schon lange Rückflug um zwei Stunden verspätete. Und dann ging es auch nicht direkt nach Hamburg, sondern erstmal nach London, wo mein Bruder die Hälfte seiner Ladung verlor. Es war das erstes Mal, dass er sich als Ameise versuchte. Da können solche Unfälle schon mal passieren.

Ganja Ninja

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 4-2016. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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