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Ferienjob in Colorado - Erntehelfer gesucht!

18.11.2021
grow! Magazin
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grow! Travel

Carola ist ein Hippiemädchen der alten Schule und lebt im Süden Spaniens, wo wir uns vor einigen Jahren kennengelernt haben. Bereits mit zarten 22 Jahren hatte es sie auf die iberische Halbinsel verschlagen, weil ihr, wie sie immer wieder gerne konstatiert, „schon als Teenager die Gesetzeslage in Deutschland mit dem Kiffen ziemlich auf den Keks“ ging.

Und so schaut sie inzwischen auf ein überaus bewegtes Leben zurück, in dem sie abwechselnd in der spanischen Gastronomie arbeitete und wenn sie genug Kohle beisammen hatte, auf Reisen ging. Ob Goa oder Kathmandu, Marokko aus naheliegenden Gründen unzählige Male. Eben da, wo es damals gutes Haschisch gab. Inzwischen ist sie aber recht sesshaft geworden, wohnt mit ihrem Partner Iwan in einem kleinen Häuschen im andalusischen Hippie-Dorf Sopalmo und hat einen Job als Managerin in einem kleinen Landhotel, wo sie ihr recht bescheidenes Einkommen verdient. Beziehungsweise verdiente. Denn, nun ja, der leidige Lockdown traf auch Carola hart. Und zwar in Form von Kurzarbeit, in der sie sich jetzt seit über einem Jahr befindet. Ende ungewiss, Auswirkung katastrophal. „Die Hälfte von eh nicht viel ist einfach viel zu wenig, denn auch in Spanien muss man Miete bezahlen, essen, trinken und im Winter manchmal sogar auch heizen …“.

Carola nimmt einen kräftigen Schluck von ihrem Estrella und freut sich auf unser bevorstehendes Mittagessen bei Angelo am Strand, zu dem wir uns an diesem schönen März-Sonntag eingefunden haben. Und das aus gutem Grunde. Zwar gehe ich immer gerne mit einer lieben Landsmännin essen, in diesem Falle hatte Carola mir aber auch noch eine Geschichte aus ihrer jüngeren Vergangenheit mitgebracht, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Holen wir etwas aus.

Carolas ältere Schwester Dorothee verliebte sich vor rund 40 Jahren im schönen Griechenland in einen wahrscheinlich ebenso schönen hellenischen Jüngling, den sie zum Manne nahm und aus deren Beziehung ein Sohn mit dem Name Christopher entsprang. Carolas Neffe also.

Als Christopher noch ein kleiner Junge war, beschlossen die Eltern, in die wunderschönen USA auszuwandern, wo sie sich schließlich im Sunshine-State Florida, wo es bekanntermaßen am allerschönsten überhaupt sein soll, niederließen. So weit, so schön ...

Aus dem kleinen süßen Christopher wurde im Laufe der Jahre Chris, zwar immer noch lieb, aber halt – sehr zum Leidwesen der Eltern – ein Kiffer und zwar einer der leidenschaftlichen Art. Wie schön für ihn … Und so war es sicherlich nicht verwunderlich, dass sich Chris, kaum flügge, in das große weite Land aufmachte, um sein Leben seiner Leidenschaft zu widmen, aus seiner Berufung seinen Beruf zu machen. Und da gibt es ja – bei aller Kritik an den USA und ihren peinlichen Präsidenten – dann doch Möglichkeiten, von denen wir in Europa nur träumen.

Station eins war für Chris – natürlich – Kalifornien. Das war schon vor 20 Jahren tolerant genug, um relativ gefahrlos in die Branche einzusteigen, was er dann auch sofort mit einer kleinen Farm in den Bergen im Orange County tat. Einige Jahre und Ernten verbrachte Chris so an der Westcoast, bis er genug Geld erwirtschaftet hatte und sich eine Möglichkeit auftat, in Colorado, wo Cannabis 2014 vollständig legalisiert wurde, eine eigene Farm zu kaufen.

Ein Mann ein Wort, ab in die Rocky Mountains, wo Chris nun seit 2015 mit einer staatlichen Lizenz zum Marihuana-Anbau und seiner Frau lebt. Und da kommt jetzt wieder die liebe Carola ins Spiel, alldieweil die Weed-Produktion, wie wir alle wissen, eine durchaus arbeitsintensive Angelegenheit sein kann.

„Erntehelfer gesucht. Beste Bezahlung mit freier Kost und Logis“, hieß es also in etwa in der familieninternen Stellenausschreibung, die Carola eines Tages per SMS aus Amerika erreichte. Und da konnte „good ol‘ Carol“ natürlich nicht widerstehen, zumal, wie erwähnt, ihr Einkommen in Spanien auch schon vor dem Lockdown-Knockdown nicht gerade üppig war.

„Da musste ich keine Sekunde überlegen! Mehr Arbeit mit Hobby verbinden geht schließlich nicht.“ 20 Stunden von Almería nach Denver und Carola war in einer anderen Welt. Natürlich reiste Carola als Touristin zum Zwecke des Familienbesuchs ein: „Um ein Arbeitsvisum habe ich mich besser mal nicht beworben.“ Und natürlich war die Freude riesig, den überaus groß gewordenen Neffen nach überaus langer Zeit wiederzusehen.

Carolas Augen glänzen und sie bestellt sich noch ein Bier. „Für Sightseeing in Denver war allerdings erst mal keine Zeit, denn die Arbeit und die Kollegen warteten schon.“ Und so ging es direkt mit dem SUV vom Denver International Airport nach Westen in die Rocky Mountains. Ziel: Crawford, 400-Seelen-Nest im Delta County „auf lauschigen 2.000 Höhenmetern am Rande des Gunnison-National-Forest gelegen“. Carola gerät ins Schwärmen: „Diese klare Luft, die sauberen Seen, bizarre Felsformationen, erloschene Vulkane ... und sogar eine echte Berühmtheit als ehemaliger Einwohner hier!“

 

„Was?“ Ich staune. „Wer? Willie Nelson? Cheech & Chong? Snoop Dogg?“ Carola lacht: „Nee, nee. Niemand geringeres als Joe Cocker! Der hat sich bei Crawford ein kleineres Anwesen, man könnte auch Palast sagen, gegönnt, wo er 2014 leider auch verstarb.“ Die berühmte „Mad Dog Ranch“ (im Volksmund „Cocker Castle“), wird seit Joes Tod für schlappe 6 Millionen Dollar zum Kaufe angeboten.

Baukosten geschätzte 30 Millionen Dollar. Ein Schnäppchen sozusagen, für das sich aber kein Käufer findet, weil Aspen, das ist das St. Moritz Colorados, also da wo sich die Schönen und Reichen zuhause fühlen, zu weit weg ist und „ein englisches Tudor-Kitsch-Herrenhaus“, wie es von der „Welt am Sonntag“ mal schön beschrieben wurde, wohl auch nicht unbedingt dem amerikanischem Geschmack entspricht.

So wohnt Pam, die Cocker-Witwe, bis heute alleine im „Mad Dog“ und versteigert gelegentlich Dinge aus Joes Nachlass. „Natürlich zu wohltätigen Zweckent!“ Denn schon Joe war ein überaus spendabler Mensch und hat viel Gutes für die Gegend getan, so dass er bis heute größtes Ansehen dort genießt. Und dieser Tradition bleibt auch Pam treu. Doch zurück zu den Lebenden.

Nach sechseinhalb Stunden Fahrt hat sie endlich Chris’ Pot-Farm erreicht und Carola wurde dem Team vorgestellt: „Ich dachte, da treffen sich ein paar Freunde, die sich da zum lustigen gemeinsamen Trimmen mehr oder weniger partymäßig einfinden, aber von wegen! Da waren rund 25 Leute anwesend. Zwar tatsächlich alles Verwandte und Freunde, aber nix da mit gemütlich Chillen und nebenbei ein bisschen an Blüten Rumschnippeln.“

25 Leute? Wow! Das bedeutet viel Logistik und Organisation. Wo haben die denn alle geschlafen? Ist das Haus so groß? „Nein, natürlich nicht. Eigens für die Erntehelfer hat Chris ein US-Army-Zelt aufgestellt, wo dann der ganzen Haufen in Feldbetten übernachten durfte. Beheizt natürlich. Im Winter kann es nachts schon mal 25 Grad minus geben.“ Carola war als Tante des Chefs glücklicherweise etwas privilegierter und hatte ihr eigenes kuscheliges Zimmer im Haus: „Gott sei Dank mit beheizbarer Bettwäsche!“ Verdammt, es scheint mitunter kalt zu werden in Crawford/Colorado.

Carola genießt ihren frittierten Tintenfisch und zeigt mir nebenbei ihre Bilder, und langsam wird mir gewahr, von welchen Dimensionen wir hier reden. Bei einer Gewächshausfläche von etwa 1000 Quadratmetern (!) beträgt die Herbsternte an verkaufsfertigen Buds circa 150 Kilo, die Frühjahrernte etwa ein Drittel weniger. Hauptsorten Gorilla Glue und Cherry Diesel. 150 Kilo. Satt! Da ratterts gleich los im Kleinhirn. 150 Kilo, mmh ... das sind 150.000 Gramm mal sagen wir 7,50 Dollar Großhandelpreis und das zwei mal pro Jahr, wenn auch im Winter etwas weniger. Und schon sind wir in den Millionen. Da kann man dann ja durchaus auch mal ein paar Wochen lang Erntehelfer beschäftigen.

Carola lacht: „Ja, klar, aber ein Heiden-Geschäft, wenn du einigermaßen dabei verdienen willst. Du wirst ja rein nach Leistung bezahlt. Für einen 10-Liter-Eimer voll mit Buds gab‘s 100 Dollar. Die Profischnippler schafften gerade mal zwei Eimer am Tag. Ich kaum mehr als einen. Aber dennoch hat es natürlich viel Spaß gemacht!“

Zumal Carola auch nicht allzu lange schnippeln musste, sondern bald die Manikür-Schere mit dem Kochlöffel tauschen konnte, weil sie bereits nach der ersten Kostprobe ihrer Kochkunst einstimmig zur Küchenchefin der ganzen Weedfarm befördert wurde. „Auch viel Geschäft bei so vielen Leuten. Einkaufen, zubereiten, alles sauber machen danach …“.

Aber Kochen ist nun mal Carolas Beruf und auch Leidenschaft und so ergab sich eine klassische Win-Win-Situation in den Bergen Colorados. Denn ich schwöre euch, ohne dabei gewesen zu sein: So gut haben diese amerikanischen Junk-Food-Junkies noch nie gegessen! Was Carola breit grinsend und vollauf bestätigt: „Ja. Da gibt es normalerweise jeden Tag Pizza und Burger vom Lieferdienst und nun rheinischen Sauerbraten oder leckere andalusische Paella. Ich glaube, die wussten gar nicht, dass man Essen auch selber zubereiten kann!“

By the way: „Noch ein postre, einen Nachtisch?“ Angelo serviert pan calatrava mit Sahne und nach einem doppelten carajillo folgt endlich das, über was wir uns zwei Stunden lang angeregt unterhielten: Der Joint am Strand. „Ja, das war schon eine verdammt geile Zeit “, Carolas Blick verliert sich sinnierend im tiefen Blau der Costa Cálida, als ob sie gerade in Gedanken über die Rocky Mountains flöge. „Willst Du nochmal hingehen?“, unterbreche ich Carolas einsetzende Wehmut, ohne zu bedenken, dass ich dieselbe eventuell damit noch verstärke. Denn sie seufzt sofort und tief: „Nee, nee, auch das ist vorbei. Statt der Erntehelfer stehen jetzt nagelneue Trimm-Automaten da. Und dafür braucht man dann höchstens noch drei Leute oder so.“

Tja, ob legal oder illegal: Auch ein Cannabisfarmer ist erstmal Unternehmer und will den Gewinn maximieren, um letztendlich ein sorgenfreies Leben führen zu können. Und das dürfte Chris gelingen bzw. schon gelungen sein. Der American Dream lebt und funktioniert noch immer. Carola zuckt mit den Schultern und baut noch mühsam in der Meeresbrise einen „porro“ aus eigener Kleingarten-Produktion: „So isses halt. Maschinen frieren wenigstens nicht im Winter und brauchen nur Elektronen zum Fressen ...“ Stimmt. „No vale la pena!” Es lohnt sich nicht, sich zu ärgern. Die Welt dreht sich weiter. „Exactamente!” Carola lacht und lässt mich das Teil anzünden: „Es bleiben mir ja einen Haufen schöner Erinnerungen!“ Und ihre Bilder, die sie gerne mit uns teilt.

Herzlichen Dank hierfür und extra liebe Grüße nach Andalusien!

- Stefan Haag -

FAKTENCHECK COLORADO (USA)

  • CBD und medizinisches Cannabis legal

  • Freizeit-Konsum seit 2014 legalisiert

  • Erlaubte Menge: ab 21 Jahre 1 Unze (28 g)

  • Verkauf über lizenzierte Geschäfte

  • Privatwirtschaftlicher Anbau mit staatlichen Lizenzen

  • Umsatzvolumen (2020): ca. 2,5 Mrd. Dollar

  • Steuereinnahmen seit 2014: ca. 6,5 Mrd. Dollar

  • Anzahl der lizenzierten Marihuana-Unternehmen (2019): 2.917

  • Vollzeitarbeitsplätze in der Gras-Branche (2019) : 41.076

  • Eigenanbau bis zu 12 Pflanzen gestattet

  • THC-Grenze für Autofahrer: 5 ng

  • Konsum in der Öffentlichkeit, Bars, Hotels verboten

  • Cannabis darf nicht über die Landesgrenze transportiert werden

  • Cannabisverbot an allen Flugplätzen

  • Cannabisverbot in allen bundesstaatlichen Gebieten, wie zum Beispiel den Nationalparks

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 4-2021. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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