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Die Marijuana-Millionen: Wie läuft der ‚Green Rush‘?

06.05.2015
grow! Magazin
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international

Auch wenn es insbesondere hierzulande noch nicht in allen Köpfen angekommen ist: Anbau, Verarbeitung und Verkauf von Cannabis sind keine Themen mehr, die ausschließlich für Hanfgenießer oder Hippies von Interesse sind.

Während man in Deutschland noch zaghaft über Modellversuche zur legalen Abgabe nachdenkt und Diskussionsrunden abhält, hat sich in den USA bereits eine riesige Branche rund um Cannabis entwickelt, deren gewaltiges Potenzial internationale Beachtung findet. Mit der Produktion und dem Handel insbesondere von medizinischem Cannabis und entsprechenden Aktien wollen sich nicht nur Spekulanten und Investoren aus Kanada und den USA, sondern auch hiesige Anleger und Unternehmer eine goldene Nase verdienen. Tatsächlich machte Ende letzten Jahres die Nachricht von ersten „Pot Stock Millionaires“ die Runde: Einige Unternehmer verdienten Millionenbeträge mit dem Verkauf von Anteilen aus der Cannabisbranche. Was den Handel mit Marijuana-Aktien angeht, hatte der „Green Rush“ bereits zu Beginn des letzten Jahres einen Höhenflug: Laut Berichterstattung der „Wirtschaftswoche“ wurden bereits im Juni 2014 die Aktien von mindestens 130 Unternehmen, die in der hanfgrünen Branche tätig sind, an Börsen gehandelt.

Lizenz zum Geld-Anbau?

Eines der häufigsten Argumente der Befürworter einer Legalisierung ist, neben sinkenden Kosten für Strafverfolgung und Justiz, insbesondere die Aussicht auf Steuereinnahmen durch den legalen Verkauf von Cannabisprodukten. Am Beispiel Colorado zeigt sich, dass die Einnahmen tatsächlich immens sind: Laut den Angaben des dortigen Finanzministeriums wurde in Colorado allein im August des letzten Jahres Cannabis zum Freizeitgebrauch im Wert von 34,1 Millionen und medizinisches Cannabis für weitere 33,4 Millionen Dollar umgesetzt. Während dieses einen Monats nahm der US-Bundesstaat 7,5 Millionen Dollar an Steuern ein, bis zum Jahresende waren es insgesamt etwa stattliche 44 Millionen Dollar. In 23 von 50 US-Bundesstaaten ist der Handel mit Marijuana inzwischen legal. In den meisten dieser Bundesstaaten sind Cannabisprodukte lediglich zur medizinischen Verwendung zugelassen, doch ist ein Markt entstanden, der nach Angaben von Branchenexperten allein im Jahr 2014 einen Umsatz von geschätzten zwei Milliarden Dollar vorweisen konnte. Genaue Zahlen zu erfassen ist beinahe ebenso schwierig wie eine fundierte Prognose abzuliefern, doch in einem sind sich viele Fachleute einig: Mit Hanfpflanzen ist eine Menge Geld zu machen. Branchenkenner und Finanzexperten gehen allein im Bereich der medizinischen Anwendung von Cannabis bis 2018 von einem Umsatz von ca. 10 Milliarden Dollar aus, andere Schätzungen liegen noch deutlich darüber: Auf sagenhafte 35 Milliarden Dollar soll sich der gesamte US-Markt für Cannabisprodukte bis 2020 belaufen, schätzte die „Washington Post“.

Während die Vereinigten Staaten noch mitten in den Reformen zur Freigabe von Cannabis stecken, steht die Branche rund um medizinisches Cannabis in Kanada dagegen bereits in voller Blüte. Die einstige Regelung, dass Kanadas Cannabispatienten sich entscheiden konnten, entweder Cannabis aus staatlich kontrollierter Produktion zu beziehen oder sich durch Eigenanbau selbst zu versorgen, ist allerdings inzwischen seit letztem April Geschichte. Den Selbstversorgern wurden die Lizenzen entzogen, nun kümmert sich Health Canada, die für die Gesundheit der kanadischen Bevölkerung zuständige Abteilung der Regierung, um Produktion und Verteilung. Von dieser offiziellen Stelle aus werden Unternehmen lizenziert, darunter auch die bekannte Firma Bedrocan Cannabis, die von Branchenkennern als einer der frühen Gewinner des Jahres 2015 gehandelt wird. Der Erfolg der Firma im Vergleich zu anderen börsennotierten Unternehmen ist nicht nur mit der längeren Erfahrung zu erklären, sondern auch durch den Umstand, dass viele andere Firmen, die sich auf dem Sektor etablieren wollen, bislang noch gar keine eigene Marijuana-Produktion vorweisen können.

Wie in jeder Branche, die lohnende Gewinne verspricht, gibt es auch beim hanfgrünen Geschäft einige weniger vertrauenerweckende Spekulanten und Unternehmer, die auf Risiko spielen oder eher durch leere Versprechungen auffallen als durch erzielte Gewinne oder rentable Geschäftsmodelle. Eines der Unternehmen, denen Informationsplattformen der Finanzwelt „nebulöse Vorstellungen“, unvollständige Berichte und „unglaubwürdige Worthülsen“ bescheinigen, ist z. B. die Global Hemp Group. Dass in einem vielbeachteten, wachsenden Markt auch unseriöse Unternehmen unterwegs sind, überrascht wohl niemanden. Bereits vor Mitte des letzten Jahres veröffentlichte die U.S. Securities and Exchange Commission eine Investoren-Warnung, in der der zeitweise Ausschluss vom Aktienhandel von Firmen wie der Cannabusiness Group oder GrowLife mitgeteilt wurde.

Investoren interessiert

Dennoch bleiben die Möglichkeiten, die von der amerikanischen „cannabis industry“ geboten werden, für viele interessant. Anfang 2015 wurde so manchem wohl erst bewusst, welches wirtschaftliche und finanzielle Potential das Geschäft mit legalem Cannabis hat, als die Meldung die Runde machte, dass Peter Thiel, seines Zeichens Mitbegründer der Plattform PayPal, Millionenbeträge in die wachsende Branche investierte. Mit seinem milliardenschweren Founders Fund investierte er in die Privateer Holdings, eine Investment-Firma aus Seattle, die hinter der Webseite leafly.com und der Vermarktung der nach Bob Marley benannten Cannabissorte „Marley Natural“ steckt. Die Multi-Millionen-Finanzspritze für die Privateer, die außerdem einen Aufzuchtbetrieb für medizinisches Marijuana in Kanada betreibt, war die erste offizielle große Investition eines traditionellen Risikokapitalanlegers in das boomende grüne Business. Der Geschäftsführer der Privateer Holdings, Brendan Kennedy, sagte der „Huffington Post“ zurecht in einem Interview: „Diese Investition ist in finanzieller Hinsicht wichtig für Privateer, doch als Meilenstein ist der erste institutionelle Anleger beinahe noch wichtiger für die Branche als Ganzes, die sich von der Prohibition hin zur Legalisierung bewegt.“ Besonders ins Gewicht fällt die Entscheidung des Founders Fund auch deshalb, weil die Investitionsbemühungen rund um Cannabis von Georg Lewis geleitet werden. Lewis hat sich einen Namen mit frühen Investitionen in neue Firmen gemacht, die später zu weltweit bekannten Namen werden sollten, darunter Facebook und Spotify.

Auch hiesige Investoren haben längst ein Auge auf den großen grünen Kuchen geworfen, der in den USA momentan heiß gebacken wird. Nachdem bereits im September des letzten Jahres auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der börsennotierten Private-Equity-Gesellschaft F.A.M.E. beschlossen wurde, das Unternehmen unter dem Namen Deutsche Cannabis AG neu auszurichten, präsentierte der Vorstand Carsten Siegemund im Januar ehrgeizige Pläne: Das Grundkapital der noch relativ kleinen AG soll verdreifacht werden, die Feuerkraft der Firma für die geplanten Beteiligungen in den USA erhöht werden. Entwickelt sich die politische und wirtschaftlich Situation weiter in die bisherige Richtung, wird die Deutsche Cannabis AG wohl nicht die einzige hiesige Firma bleiben, die sich ein Stück vom Hanf-Kuchen sichern will.

Jobs und Seminare

Zu den positiven Effekten der Legalisierung zählen nicht nur Steuereinnahmen und neue Möglichkeiten des Investments, sondern natürlich auch die Schaffung einer Vielzahl an neuen Arbeitsplätzen. Abgesehen von professionellen Züchtern und Personal, den Herstellern und Zulieferern von Düngemitteln und anderem Anbaubedarf sowie Verkäufern in Coffeeshops oder Raucherbedarfsläden, können sich diverse andere Branchen über einen Zuwachs freuen, darunter z. B. Glasbläser oder die Sicherheitsbranche. Kompetente Kenner der Kunst der Verarbeitung von Cannabis zu diversen Produkten sind dort, wo die Prohibition beendet wurde, heiß begehrt. Mit der Legalisierung steigt in den USA auch das Interesse an Produkten wie Haschöl, Wachs und anderen hochpotenten Konzentraten, deren mitunter nicht ungefährliche Herstellung durchaus Fachkenntnis erfordert. Und wo es eine Menge an verschiedensten erlesen Produkten gibt, dürfen natürlich auch professionelle Kritiker und Connaisseurs nicht fehlen.

Während nun manche sagen werden, dass der Zugewinn an Arbeitsplätzen nicht überschätzt werden sollte, sprechen die Zahlen aus dem amerikanischen Vorzeige-Bundesstaat für Legalisierung Colorado dafür, dass man eben diese Zahlen auch nicht unterschätzen sollte: Verschiedenen Quellen zufolge entstanden dort durch die Reformen allein in 2014 ungefähr 10.000 neue Arbeitsplätze. Das ist nicht nur für Arbeitssuchende vor Ort interessant, sondern auch für Investoren, die sich ihre Anteile an den vielen verschiedenen, derzeit entstehenden Geschäftsmodellen sichern wollen. Die Branche ist so vielseitig, dass für beruflich und finanziell Interessierte inzwischen diverse Seminare angeboten werden, welche die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Chancen präsentieren und Anleitung geben wollen, erfolgreiche Geschäfte mit Cannabis aufzubauen. Das amerikanische Cannabis Career Institute bietet Seminare zu allen möglichen Themen wie Versicherungen, Lizenzen und Investitionen in die Branche an und vergibt Zertifikate für abgeschlossene Kurse wie „Cannabis Business Management“ oder „Master Growing“. Auch die Oaksterdam University, die erste Cannabis-Uni, lehrt einer wachsenden Zahl an interessierten Studenten bereits seit 2007 Inhalte von Anbau bis Recht. Spätestens jetzt erkennen die meisten, dass es sich beim Thema Cannabis schon lange nicht mehr nur um ein Hobby für Hippies handelt, sondern längst eine professionelle Branche existiert, die durch die Reformen in den USA einen gewaltigen Schub bekommen hat. Die Legalisierung in den ersten US-Bundesstaaten bedeutet vor allem Wachstum – in vielerlei Hinsicht.

Wie geht es weiter?

Die rechtliche Lage und das nach wie vor in den USA auf Bundesebene geltende offizielle Verbot von Cannabis stellten für viele Beobachter und potentielle Investoren bislang noch ein kritisches Risiko dar. Doch seit Präsident Barack Obama während eines Interviews im Januar äußerte, dass er nicht nur erwarte, dass noch weitere Bundesstaaten ihre Gesetze in Sachen Cannabis reformieren werden, sondern dass auch seitens der Regierung keine erhöhten Anstrengungen unternommen würden, diese Entscheidungen aufzuheben, mehren sich die Stimmen derer, für die eine vollständige Legalisierung nur noch eine Frage der Zeit ist. Im kommenden Jahr stehen in weiteren US-Bundesstaaten Abstimmungen und Reformen an und es scheint sicher, dass die beschworene Welle der Legalisierung so schnell nicht an Schwung verlieren wird. Das gilt natürlich auch für den wirtschaftlichen Faktor: Anbau und Handel waren und sind lukrative Geschäfte und werden es auch bleiben, völlig unabhängig davon, wie schnell und weit die Liberalisierung in den Vereinigten Staaten und anderswo voranschreitet. Die gegenwärtige Entwicklung zeigt, dass durch die Freigabe ein gewaltiges wirtschaftliches Kapital erschlossen wird.

Mit Schätzungen und Prognosen sollte man üblicherweise vorsichtig sein, doch im Fall des „Green Rush“ ist es nicht sonderlich schwer abzusehen, dass die bereits millionenschwere Branche noch ein gewaltiges Wachstum erleben wird. Das Geschäft mit dem grünen Gold wird dadurch auch für internationale Investoren immer interessanter. Die im Feld der Finanz- und Wirtschaftsprognosen oftmals zitierten Experten des Netzwerks „ArcView Group“ stellten in den USA im Vergleich zu den Zahlen von 2013 (1,5 Milliarden Dollar) und 2014 (2,7 Milliarden Dollar) einen Wachstum der Investitionen in die Cannabisbranche von 74 Prozent fest.

Natürlich wird es auch in Zukunft Opportunisten und schwarze Schafe geben, die mit dem sich rasch entwickelnden Markt schnelles Geld mit unseriösen Geschäftsmodellen machen wollen, doch die bisherigen Zahlen und bereits zu vermeldende Erfolgsgeschichten machen die Cannabisbranche zu einem gewichtigen internationalen Millionengeschäft. Auch wenn Insider nach dem Abklingen des ersten Hypes um das grüne Business im letzten Jahr inzwischen den Enthusiasmus bremsen und vor Risiken und Verlusten warnen, bleibt die Produktion von und der Handel mit Cannabisprodukten zur medizinischen Verwendung und zum Freizeitgebrauch ein wachsendes, langfristig interessantes Geschäft. Denn: Mit Voranschreiten der Liberalisierung in den USA und andernorts wird der Markt zweifellos noch wesentlich größer werden.

Holger Voncken

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