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Cannabis als Lifestyle

07.09.2018
grow! Magazin
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Politik+Gesellschaft
Cannabis als Lifestyle

 

Egal wie oft ewig gestrige Geister – wie die alte und neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) – der Springerpresse diktieren, dass man sich doch tunlichst davor hüten solle, Cannabis „als Lifestyleprodukt zu bagatellisieren“ (Welt, 2. Mai): Hanfgenuss, -zucht und -szene und der Gebrauch der zahlreichen verschiedenen Produkte, die sich aus dieser besonderen Pflanze herstellen lassen, sind nicht nur für viele unserer Leser, sondern für einen nicht zu verachtenden Anteil der Konsumenten längst zu einem Lebensgefühl geworden – zu einem Lifestyle.

 

 

Die große Furcht vor Verharmlosung

 

Für Frau Mortler und andere renitente Gegner einer Liberalisierung der längst veralteten Cannabispolitik geht es bei der Warnung vor der Wahrnehmung von Cannabis als Lifestyleprodukt vor allem darum, ein weiteres Mal ihre ewige Furcht vor einer Verharmlosung des in ihren Augen so gefährlichen Rauschmittels zum Ausdruck zu bringen. Dass es längst eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Cannabiskonsumenten gibt, welche unser aller Lieblingspflanze zum zentralen Inhalt ihrer Lebensführung gemacht haben, wollen Frau Mortler und Konsorten nicht sehen.

 

Doch dem nicht zuletzt durch die internationale Entwicklung in Sachen Cannabis als Medizin, aber auch als Genussmittel zuzuschreibenden Imagewandel, welcher sich bezüglich Cannabis in der jüngeren Vergangenheit langsam aber sicher vollzieht, vermag die Angst vor Bagatellisierung einer Drogenbeauftragten nicht allzuviel entgegensetzen. Das Thema Hanf ist gegenwärtig nicht nur in den USA auf dem Weg, ein alltägliches und massentaugliches zu werden. Längst bieten Unternehmen verschiedenster Branchen unterschiedlichste Hanfprodukte an. Trotz der nicht von der Hand zu weisenden Qualitäten und positiven Eigenschaften, welche z.B. diverse aus der Hanfpflanze hergestellte Nahrungsmittel, Textilien oder Kosmetika haben können, kommen viele Hanflebensmittel, Kleidungsstücke und die schweizerische CBD-Hanfzigarette ohne Frage auch als Lifestyleprodukte daher, welche bestimmten Zielgruppen gezielt angeboten werden. Nicht nur an letzterem Beispiel ist klar zu erkennen, dass diese Angebote auch angenommen werden.

 

Während Frau Mortler – mutmaßlich auch angesichts der internationalen Entwicklung – vor der Wahrnehmung von Cannabis als Lifestyleprodukt warnt und ihre ewige Mahnung vor Verharmlosung und falschen Signalen wie eine Fahne vor sich her trägt, gewinnt es im Zuge des voranschreitenden Imagewandels nicht nur Schritt für Schritt seine Reputation als Rohstoff, Arznei und Genussmittel zurück, sondern ist in vielen Bereichen längst auf dem Weg zum Lifestyle- und Mainstreamprodukt. Ein Paradebeispiel lieferte das „Schönheit Spezial“ des Magazins der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im April. Darin erfuhr die ja durchaus nicht gerade kleine FAZ-Leserschaft: „Die Beauty-Branche entdeckt die Cannabis-Pflanze“. Wer je auf einer Hanfmesse war, weiß, dass Hanfkosmetik keine neue Erfindung ist, doch der Artikel hält darüber hinaus noch einmal fest: „Hanf hat zur Zeit einen richtigen Lauf, auch abseits der Kifferszene.“

 

 

Was heißt denn hier Lifestyle?

 

Bevor man sich über das Für und Wider eines cannabisbezogenen Lifestyles unterhält, sollte zunächst einmal der Begriff geklärt werden. Soziologen und andere wissenschaftliche Forscher unterscheiden diesbezüglich zwischen verschiedenen Begriffen, doch im Allgemeinen meint „Lifestyle“ nichts anderes, als sich aus dem Wort direkt ableiten lässt. Gemeint ist der Lebensstil, die Lebensart – die Weise, auf welche Individuen, Familien und Gesellschaften ihr Leben führen. Viele der zahlreichen verschiedenen Stile sind eng mit entsprechenden Subkulturen verbunden (z.B. Punks, Hippies und Rocker). In der Regel drückt sich der jeweilige Stil nicht nur dadurch aus, welche Aktivitäten und Inhalte in der Freizeit des Einzelnen präferiert werden, sondern schlägt sich natürlich auch in der bevorzugten Kleidung, dem Sprachgebrauch, der Einrichtung und weiteren Faktoren nieder. Während zahlreiche Lebensstile durch eine bestimmte Ernährung, einen speziellen Genuss oder ähnliches zum Ausdruck gebracht werden, können andere Entwürfe auch eine politische Dimension beinhalten.

 

Doch die Rede war und ist im Cannabis-Kontext ja nicht von einem Lebensstil, sondern mit dem oft synonym verwendeten Lehnwort Lifestyle. Dies ist zwar nicht konkret vom deutschsprachigen Pendant abzugrenzen, lässt sich jedoch zumindest teilweise auf ähnliche Weise unterscheiden wie die Begriffe „Stil“ und „Style“. So bezeichnet Lifestyle üblicherweise tendenziell eher jene Lebensstile, welche generell dem Bereich der Jugendkultur zugeordnet werden können. Jedoch geht es auch hier nicht nur um den Style bzw. das Styling im Sinne eines bestimmten Erscheinungsbildes, sondern ebenso um Verhalten und Gewohnheiten.

 

 

Cannabis-Lifestyle vs. Klischeekiffer

 

Wovor sich die Gegner eines vermeintlich zu ungezwungenen Umgangs mit Hanf fürchten, sind letztlich die in verbreiteten Klischees transportierten Bilder von dauerkiffenden Loserfiguren am Rande der Gesellschaft. Der Lifestyle, dessen positive Darstellung sie so dringend zu vermeiden suchen, ist ein Zerrbild, geschaffen durch lange Jahre tendenziöser Berichterstattung, Filme und den übertriebenen Fokus auf die selbstverständlich ebenfalls existenten, aber keineswegs repräsentativ für den Durchschnitt der Konsumenten stehenden Fälle übertriebenen Konsums bzw. Missbrauchs und dessen negativen Folgen. Doch auch, wenn Frau Mortler und Konsorten es nicht sehen wollen, gibt es sehr wohl ebenfalls einen Lebensstil mit einem großen Fokus auf Hanf, dessen Anhänger weit von jenem Klischee des apathischen und arbeitsscheuen Dauerkonsumenten entfernt sind. Wer sich mit der Verbreitung des Cannabiskonsums beschäftigt, welcher sich bekanntlich quer durch sämtliche gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen zieht, weiß, dass der überwiegende Großteil vom Bild des Klischeekiffers weit entfernt ist.

 

Neben besagten Klischeekiffern bzw. jenen traurigen Fällen, in welchen missbräuchlicher Konsum entsprechende Folgen zeitigt und, nicht zu vergessen, der steigenden Anzahl von Patienten, welchen Cannabis bei der Linderung verschiedenster Leiden hilft, gibt es natürlich noch den gewöhnlichen Genusskonsumenten. Von den vielen Hanfnutzern, die einem geregelten Alltag nachgehen, ist in den Medien selten bis nie die Rede. Doch hier finden sie sich, die Anhänger des gesuchten Lifestyles, für die Hanf einfach zu einem angenehmen Leben dazugehört. Analog zu jenen Gourmets, Genießern und Lebemenschen, für welche die gesellschaftlich akzeptierte Droge Alkohol einen nicht zu verachtenden Anteil der Lebensqualität ausmacht. Abseits der nicht zu vergessenen Fans und Nutzer jener schier endlosen Reihe von Produkten mit „420“-Aufschrift, Hanfblättern und ähnlichen Verzierungen (welche freilich ebenfalls auf gewisse, profanere Weise als Lifestyle-Produkte betrachtet werden können) existieren längst ausgereifte Varianten hanfbetonter Lebensgestaltung. In vollem Bewusstsein der gesetzlichen Situation nutzen unzählige, meist vollständig in die Gesellschaft integrierte Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit gelegentlich oder regelmäßig Cannabis und betrachten dies auch als wichtigen Punkt, wenn es um Lebensqualität und -gestaltung geht.

 

 

Ein Phänomen der Hanfszene?

 

Wie bereits erwähnt, haben diverse Lebensweisen und -stile auch eine politische Dimension. Worin diese bei einer Ausrichtung der Lebensinhalte auf das Thema Hanf besteht, ist offensichtlich. Allerdings ist der Cannabis-Lifestyle nicht mit der Hanfszene oder gar mit Aktivismus zu verwechseln. Mit Sicherheit finden sich unter jenen, welche sich aktiv für die Legalisierung einsetzen, ebenso wie unter den Mitarbeitern der legalen Hanfbranche, besonders zahlreiche Beispiele, doch ist natürlich nicht jeder Anhänger dieses Lifestyles Teil der Szene. Wer verantwortungsbewussten, maßvollen Cannabiskonsum betreibt und dies auch als Teil seines alltäglichen Lebens betrachtet, muss nicht zwangsläufig auch in der Legalisierungsbewegung unterwegs sein – wenngleich der Großteil wohl wenig Verständnis für das sinnlose Verbot des von ihnen präferierten Rauschmittels und die sich daraus ergebene permanente unterschwellige Bedrohung durch Kriminalisierung aufbringen dürfte.

 

Wer fortgeschrittene bzw. ausgeprägte Beispiele für Menschen sehen will, welche zweifellos einen wie auch immer gearteten Cannabis-Lifestyle pflegen, kann auch in die USA schauen, wo Erwachsene in mittlerweile neun Bundesstaaten Cannabis legal zu Freizeitzwecken erwerben und konsumieren dürfen. Für die meisten Budtender beispielsweise, welche beruflich kompetente Beratung zum stetig wachsenden Angebot an Cannabissorten, deren unterschiedlichen Wirkungen und zur medizinischen Nutzung bieten, stellen die Pflanze und ihre Verwendung in zahlreichen Aspekten einen mindestens ebenso großen Anteil des individuellen Lebensstils dar wie bei deren Stammkundschaft. Dort und andernorts ergibt sich die Handhabung und Wahrnehmung von Cannabis als jenes gefürchtete „Lifestyleprodukt“ aus der Verfügbarkeit und Möglichkeit des legalen Erwerbs und Konsums.

 

 

Ein im Stillen gepflegter Lebensstil

 

Doch auch hierzulande gibt es genug Konsumenten mit langjähriger Erfahrung, großer Begeisterung oder ausgeprägter Leidenschaft, für die der Umgang mit Cannabis nicht jener mit einem besonders gefährlichen Rauschmittel ist, sondern viel mehr einen, je nach Ausprägung, mehr oder weniger wichtigen Bestandteil der gefühlten Lebensqualität darstellt. Nicht selten steckt hinter einer entsprechenden Haltung genau das, woran es in den Augen der Legalisierungsbefürworter im Allgemeinen mangelt, nämlich eine ernsthafte, realistisch aufgeklärte Haltung. Zwar kann man natürlich beileibe nicht bei jedem Hanfgenießer von einer solch reflektierten Haltung ausgehen, doch dies ist auch bei den vielen Freunden des Alkoholkonsums bekanntlich nicht immer der Fall. Dennoch ist das Feierabendbier oder der gute Rotwein zum feinen Abendessen letztlich für viele, wenn nicht die meisten Konsumenten, ebenfalls nichts anderes als ein Lifestyleprodukt.

 

Die von Frau Mortler als auf jeden Fall zu vermeidendes Szenario gefürchtete Wahrnehmung von Cannabis als ebensolches ist in zahlreichen Fällen längst Realität. Jedoch wird dieser Lebensstil aufgrund der Gefahr von Repressionen und Kriminalisierung meist im Stillen und ohne viel Aufheben gepflegt. Eine echte Entkriminalisierung oder gar eine Legalisierung würde es all den vielen verschiedenen Menschen aus sämtlichen Schichten ermöglichen, ein ihnen längst wichtig gewordenes Lifestyleprodukt nicht länger im Verborgenen genießen zu müssen. Egal wie sehr sich die Gegner einer aufgeklärten Drogenpolitik dem auch widersetzen mögen – die Zeichen der Zeit stehen auf Wandel. Und so wird die Zahl der freudigen Abnehmer hanfiger Lifestyleprodukte in Zukunft wohl kaum sinken.

 

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 4-2018. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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