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Begrenzter legaler Cannabis-Anbau für die holländischen Coffee-Shops?

02.05.2019
grow! Magazin
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International

Die Niederlande erwägen die Legalisierung eines begrenzten legalen Cannabis-Anbaus für die holländischen Coffee-Shops

1987 habe ich angefangen, die Niederlande zu besuchen und dort zu leben. Zu der Zeit hat die Regierung des Landes ihre „Weiche-Drogen-Toleranz-Politik“ eingeführt. Cannabis und andere Drogen waren im Rahmen der Politik nicht völlig legalisiert, aber sie waren leicht verfügbar. Dies machte Holland zum internationalen Urlaubsziel für Cannabis-Liebhaber. Nirgendwo sonst auf der Welt konnte man in ein Café gehen und Gras oder Haschisch oder erstklassige Cannabis-Samen kaufen. Man konnte auch in „Smart Shops“ gehen, um halluzinogene Psilocybin-Pilze und andere Leckereien zu kaufen.

Als ich die größtenteils gut getarnten führenden Schwarzmarkthändler der niederländischen Cannabis-Branche kennen lernte, entdeckte ich auch die berüchtigte Cannabis-Coffeeshop "Hintertür". Die "Hintertür" ist ein umgangssprachlicher Begriff für den Prozess des Landes wie Cannabis-Läden Gras und Haschisch beziehen, da es für niederländische Bürger illegal war, Cannabis anzubauen oder daraus Haschisch herzustellen. Die Geschäfte konnten ihre Produkte nicht offen beschaffen. Sie mussten auf dem Schwarzmarkt einkaufen und ihre Schmuggelware durch die Hintertür hereinbringen.

Ich hatte das Glück, Zugang zu versteckten Lagerhäusern, verlassenen Eisenbahnwaggons, getarnten Gewächshäusern, abgelegenen Farmen und unterirdischen Anlagen zu erhalten, in denen das meiste niederländische Cannabis angebaut wurde und noch immer angebaut wird. Eines fand ich heraus: Die Niederländer waren bei der Hydrokultur indoors schon immer weit vorne. Ich liebe es, nachts zum Flughafen Schiphol in Amsterdam zu fliegen, hinabzuschauen und zu sehen, wie Tausende von Hochdrucknatrium-Lampen orange leuchten, wenn in Nicht-Cannabis-Gewächshaus-Plantagen Paprika, Tomaten und andere legale Kulturen produziert werden. Was sie beim Kultivieren von Gemüse gelernt haben, wurde auf den Anbau von Cannabis übertragen.

Cannabis-Grower und -Händler, die von der Polizei und dem konservativen Teil der niederländischen Gesellschaft als gefährliche Schwarzmarktgangster betrachtet werden, bauen das Gras heimlich an und liefern es den Geschäften. Einige dieser Schwarzmarkthändler importieren auch Haschisch aus Marokko, Indien und sogar aus dem Libanon. Der größte Teil des Haschischs ist Müll, aber gelegentlich stößt man auf nepalesisches „Temple Ball“ oder „Roten Libanesen“ und diese bieten ein würziges Cannabis-Konzentrat der alten Schule. Die niederländische Polizei hat lange Zeit Katz und Maus mit Schmugglern und Anbauern gespielt. Manchmal machen sie besonders auffällige Verhaftungen im Zusammenhang mit Cannabis, um Exempel zu statuieren, dass man sich nach wie vor im illegalen Bereich bewegt.

Inzwischen generiert das niederländische Cannabis-Coffeeshop-System jedes Jahr hunderte Millionen Euro, vor allem von Touristen. Bevor die berühmte Veranstaltung von der niederländischen Polizei geschlossen wurde, strömten jeden November hunderte Cannabis-Fans zum „High Times Cannabis Cup“ in die Niederlande. Oder sie besuchten die Niederlande im Frühling und Sommer, kauften reine Sativa-Sorten, um berauscht durch die Tulpengärten zu wandern, das Van-Gogh-Museum zu bestaunen, um sich bei Trance-Events wie Dance Valley auszutoben oder um die DJ-Bars und Hippie-Pavillons in der Nähe von Zandvoort zu besuchen.

Dann passierten zwei Dinge, die die niederländische Cannabis-Industrie schwer getroffen haben. 1996 verfasste der mutige kalifornische Marijuana-Aktivist Dennis Peron, mit Zustimmung der Wähler, die Proposition 215, ein einfaches Gesetz, das unregulierten persönlichen Cannabis-Anbau für jeden Kalifornier legalisierte, der eine ärztliche Empfehlung erhalten konnte. Innerhalb weniger Jahre hatten andere amerikanische Staaten Cannabis legalisiert. Letztes Jahr legalisierte Kanada den Verkauf von Freizeit-Marijuana. Heutzutage gibt es in Kalifornien, Oregon, Washington, Nevada und Colorado einen stabilen Markt für Freizeit-Cannabis. Einige europäische und britische Cannabis-Liebhaber reisen immer noch nach Holland, weil es für sie nicht so weit entfernt liegt wie die USA und keine Flugreise erforderlich macht, die zusätzliche Kosten und Sicherheitsrisiken verursacht, aber tendenziell zieht es immer mehr Cannabis-Touristen nach Amerika statt nach Holland.

Ein weiteres schlechtes Ereignis für die niederländische Cannabis-Industrie war 2001 die Wahl der rechtsgerichteten katholischen konservativen Partei CDA als die Mehrheitspartei in der niederländischen Politik. Die CDA wollte die Cannabis-Coffeeshop-Industrie zerstören und sie waren ziemlich erfolgreich. In den Niederlanden gab es Tausende von Cannabis-Läden - heute gibt es weniger als 800. Zur gleichen Zeit erhöhten die CDA und ihre verbündeten politischen Parteien die Finanzmittel für Polizeiüberwachung, Spitzel und andere Taktiken gegen niederländische Cannabis-Grower und -schmuggler und erhöhten auch die strafrechtlichen Sanktionen für das Growen und Verkaufen in großem Stil.

Trotz dieser Angriffe erzielt die niederländische Cannabis-Industrie nach wie vor erhebliche Einnahmen. Cannabis-Coffeeshop-Besitzer und Tourismusförderer haben argumentiert, dass die Regierung die Prominenz der holländischen Cannabis-Industrie gestört hat. Jetzt haben die Minister zweier niederländischer Regierungsbehörden – Medizinische Versorgung und Sport sowie Justiz und Sicherheit - den niederländischen Gesetzgebern mitgeteilt, dass sie ein Experiment planen, um einen begrenzten legalen Cannabis-Anbau zuzulassen, der die Cannabis-Shops versorgen soll.

In dem Experiment wird vorgeschlagen, maximal zehn professionelle Cannabis-Grower zuzulassen, von denen jeder einen vorgeschriebenen Satz von zehn verschiedenen Cannabisprodukten herstellt, die mit Cannabinoid-Gehalt, einschließlich THC, CBD und weiteren Angaben, gekennzeichnet sind. Dieselben staatlich zugelassenen Grower würden für die Herstellung konzentrierter Cannabisprodukte wie Haschisch verantwortlich sein. Das Experiment sieht vor, dass 6-10 Gemeindeverwaltungen und alle Coffee-Shops im Land an dem Programm teilnehmen, das vier Jahre andauern soll und ständig überwacht und ausgewertet wird, um die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Cannabis-Industrie zu sehen. Zu den Zielen des Programms gehören:

  • Sabotieren des Cannabis-Schwarzmarkts

  • Gewährleistung der Sicherheit und der Wirksamkeit von legal verkauftem Cannabis

  • Entfernen von illegal hergestelltem und/oder verunreinigtem Cannabis vom Markt

  • Gewährleistung einer einheitlichen Preisgestaltung und Qualitätskontrolle der Cannabisproduktion

  • Überwachung der Geschäftspraktiken, Gewinne, Beschaffungsaktivitäten und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften in Cannabis-Coffeeshops

  • Sammeln der Daten zur öffentlichen Gesundheit in Bezug auf den Cannabiskonsum

  • Reduzierung des Cannabiskonsums

  • Sicherstellen, dass sich das Geld der Cannabis-Industrie in der legalen Wirtschaft und nicht in der Schwarzmarktwirtschaft befindet

Um diese Ziele zu erreichen, erfordert das staatliche Experiment, dass die beteiligten lokalen Regierungsstellen alle Cannabis-Verkäufer loswerden, außer denjenigen, die die legalen Cannabisprodukte herstellen. Lokale Beamte in Großstädten wie Amsterdam, Haarlem und Rotterdam haben gegen die Anforderung Einspruch erhoben, da sie der Ansicht sind, dass sich Dutzende Cannabisläden in ihrer Gerichtsbarkeit an dem Experiment nicht beteiligen wollen oder es nicht können. Sie fürchten, dass viele Geschäfte aufgeben würden. Sie befürchten außerdem, dass die 6-10 bevorzugten Grower der Regierung möglicherweise nicht gut genug sind, um ausreichende und zuverlässige Mengen an marktfähigem Cannabis herzustellen. Die Einrichtung und Durchführung hochwertiger Cannabis-Anbaubetriebe und Cannabis-Konzentrat-Anlagen erfordert viel Zeit, Planung und Geld. Zunächst werden viele Probleme auftauchen, die zu einem unzureichenden Cannabisangebot und wirtschaftlichen Verwüstungen führen, so die Kritiker. Schlimmer noch: Am Ende der vierjährigen Versuchsperiode müssten die am Experiment teilnehmenden Cannabis-Einzelhändler wieder Cannabis vom Schwarzmarkt beziehen!

Der Vorschlag trägt auch nicht dazu bei, die geografische Diskriminierung der Besitzer von Cannabis-Coffeeshops in niederländischen Städten in der Nähe von Deutschland und Belgien zu mildern. An diesen Orten werden Cannabis-Verkäufer bestraft oder aus dem Business vertrieben, wenn sie dabei erwischt werden, dass sie Cannabis an ausländische Touristen abgeben.

Das experimentelle Programm zum legalen Cannabis-Anbau wurde noch nicht vollständig genehmigt und könnte noch gekippt werden, bzw. nicht vollständig in der geplanten Form durchgesetzt werden, wenn es überhaupt umgesetzt wird. Hollands konservative politische Parteien sind dagegen und der größte Teil der niederländischen Cannabis-Interessengemeinschaft ist entweder neutral oder dagegen. Regierungsvertreter, die für das Programm werben, möchten, dass das Programm spätestens Mitte nächsten Jahres oder früher startet.

Trotzdem kann man darauf wetten, dass Schwarzmarkt-Blüten, niederländisches Haschisch und importiertes Haschisch noch viele Jahre in den niederländischen Cannabis-Läden erhältlich sein werden, unabhängig davon, wie sich dieses „Legaler-Cannabis-Anbau-Experiment“ entwickelt.

Autor: Karl Vogel

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