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Interview: Wu Tang Clan

02.03.2018
grow! Magazin
(Kommentare: 0)
international

Anfang der 90er etablierte sich der Wu-Tang Clan aus New York und wurde schnell zu einer der berühmtesten Hip-Hop-Gruppen in den USA. Mit ihrem Debütalbum „Enter The Wutang (36 Chambers)‟ haben sie schlagartig weltweiten Erfolg feiern können. Lieder wie Gravel Pit, C.R.E.A.M und Protect Ya Neck, kennen viele Hip-Hop-Fans in- und auswendig. Am 13. Oktober dieses Jahres hat der Wu-Tang Clan nun sein neues Album veröffentlicht, auf dem unter anderem Features von Streetlife, Sean Price und natürlich Redman zu hören sind. Produziert wurde die Platte diesmal nicht vom bisherigen Produzenten RZA, sondern vom DJ der Gruppe, Mathematics. Er ist seit Gründung des Clans verantwortlich, wenn es ums Thema Scratching und Mixing geht. Das bekannte W-Logo des Clans wurde ebenfalls von ihm entworfen.

Was plant der Clan in Zukunft? Wie stehen die Jungs zum Thema Cannabis?

Wir haben RZA und Mathematics in Berlin zum Interview getroffen, um diese und viele andere Fragen zu klären.

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (1)

grow! Dass es in euren Songs auch mal um Marijuana geht, ist ja kein Geheimnis. Kifft ihr noch?

(Kleine Pause breites Grinsen)

Mathematics: Ja, ich habe gerade eben erst einen gekifft, um mich auf das Interview vorzu-„breiten“.

(Alle fangen an zu lachen)

RZA: Ich pausiere im Moment.

Mathematics: Ich verlasse das Haus nie, ohne was zum Drehen dabeizuhaben. Sobald ich etwas geraucht habe, bin ich gleich viel entspannter. Ich hänge in meiner Freizeit öfter mit Method Man und Redman rum, wir sind gute Freunde. Wer ihren Film „How High“ gesehen hat, weiß, dass sie leidenschaftliche Kiffer sind. Diesen Lebensstil setzen wir bis heute zusammen fort. Man kann sagen, ich kiffe eigentlich nur, um Spaß daran zu haben.

 

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (2)

grow! Wie steht ihr zum Thema Cannabis in der Gesellschaft?

RZA: Man sollte mit dem Kiffen nicht zu früh anfangen. Erst ab dem Alter von 25 Jahren ist der Körper voll entwickelt.

Mathematics: Wie RZA schon gesagt hat, braucht man ein gewisses Verantwortungsgefühl im Umgang mit Marijuana. Es ist aber ein Heilmittel für viele Krankheiten, wo andere Medikamente nicht helfen oder schwere Nebenwirkungen mit sich bringen. Dieser Nutzen wurde jahrelang unterschätzt.

grow! Wir haben in Deutschland mit einer schwierigen Drogenpolitik zu kämpfen. Ihr könnt euch glücklicher schätzen, da in einigen US-Staaten Cannabis bereits legalisiert wurde. Was haltet ihr von der Legalisierung?

Mathematics: Ich bin für die Legalisierung. Die Staaten haben durch die Legalisierung viel höhere Steuereinnahmen. Mit diesem Geld konnten Schulen und Wohnraum finanziert werden. Das hatte zur Folge, dass die Obdachlosen- und Kriminalitätsraten rapide zurückgegangen sind. Das Stadtbild von Denver hat sich um ein Vielfaches verbessert. Dort sieht es jetzt komplett anders aus. Und das alles dank der Legalisierung.

RZA: Ich bin auch für die Legalisierung. Als Jugendlicher habe ich mein Geld mit dem Verkauf von Gras verdient. Ich hatte regelmäßig Probleme mit der Polizei. Heutzutage hat man es viel leichter, man geht in ein Geschäft und kauft sich legal sein Gras. Die Shopbesitzer verdienen natürlich nicht schlecht und machen eigentlich nichts anderes als ich früher. Das ist für mich schon irgendwie merkwürdig, aber ich finde es gut.

grow! Probleme mit der Polizei? Inwiefern?

RZA: Mir sind die verrücktesten Sachen passiert. Ein eher lustige Geschichte: Als Jugendlicher war ich gerade dabei, einen richtig dicken Blunt zu rauchen. Anscheinend war die Wirkung besonders stark, weil ich nicht mitbekommen habe, dass sich ein Cop näherte. Es war natürlich zu spät, um es zu leugnen, als er plötzlich vor mir stand. Was der Bulle dann gemacht hat, damit hätte ich nicht gerechnet. Er nahm meinen Blunt und hat ein paar richtig starke Züge genommen. An sich eine lustige Aktion, aber den Blunt und das Gras, das ich dabei hatte, habe ich nie wieder gesehen. Solche Cops hatte ich aber letztendlich lieber, als jene, die dir das Gehirn rausprügeln, weil du ein paar Gramm dabei hast. Das ist mir leider öfter passiert.

 

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (3)

grow! Da bekommt man ja Gänsehaut. Da kann man ja fast schon von Glück sprechen, dass unsere Polizei vergleichsweise friedlich ist. Zu eurer Musik: Euer Album hat sich in der ersten Woche bereits über 25.000 mal verkauft, wenn man Musikstreamingdienste mit einbezieht. Freut es euch, dass ihr über eine so treue Fanbase verfügt?

RZA: Es ist ein unfassbar gutes Gefühl, das unsere Fans uns geben. Das wissen wir sehr zu schätzen. Wir machen schon seit mehr als 25 Jahren Musik und deswegen ist der Altersunterschied unserer Zuhörer riesig. Auf Konzerten feiern Jugendliche neben Rentnern. Wir verbinden mit unserer Musik sozusagen Generationen.

grow! Erinnert ihr euch noch daran, wie es war, als ihr das erste Mal gekifft habt?

Mathematics: Das werde ich wohl nie vergessen. Wie alt ich war, kann ich leider nicht mehr sagen. Ich erinnere mich jedoch noch, dass ich eines Abends mit ein paar älteren Freunden gechillt habe. Und einer hat dann einen Joint rausgeholt. Ich hatte vollstes Vertrauen in meine Freunde, die mir auch erklärt haben, wie das mit dem Kiffen so läuft. Das Gefühl, High zu sein, will ich seitdem nicht mehr missen.

grow! Wie konsumierst du?

Mathematics: Wie ich schon sagte, verlasse ich das Haus nie, ohne was zu Drehen dabeizuhaben. Zu meinen Utensilien gehören nach dem Weed an erster Stelle Blunts, die ich vorzugsweise aus Zigarillos drehe. Ab und zu gebe ich mir auch mal eine Bong. Ich habe jetzt THC-Papers für mich entdeckt. Das sind ganz normale Longpapers, die mit THC versetzt sind. Man hat schon mal was zu rauchen, was aber nicht zu sehr burned. Diese Papers sind ein wahrer Lebensretter.

grow! Hast du eine Lieblingssorte?

Mathematics: Ich mag sehr viele Sorten, aber eine meiner Lieblingssorten ist Purple. Das hat aber einen Nachteil. Purple ist in den USA sehr schwer zu bekommen. Manchmal kommt aber ein Kollege mit etwas „Grandaddy Purple“ vorbei. Dann zittern mir die Hände beim Drehen, weil ich so scharf auf den Geschmack und die Wirkung bin.

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (4)

grow! Die letzten vier Alben wurden von RZA produziert. Das neue Album „The Saga Continues“ wurde jetzt von Mathematics produziert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mathematics: Nachdem wir unser letztes Album „A Better Tomorrow“ rausgebracht hatten, hat mich RZA gefragt, ob ich das nächste Album produzieren will. Ich war mir jedoch nicht sicher. Bin ich der Aufgabe gewachsen? Kann ich RZA das Wasser reichen? Ich habe ja persönlich miterlebt, was RZA Tag für Tag durchstehen musste, um die Alben zu produzieren. Das ist harte Arbeit. Aber viel Überzeugungskraft brauchte RZA nicht, um mich dazu zu bringen, „The Saga Continues“ zu produzieren.

grow! Hast du die kompletten Beats des Albums selbst produziert?

Mathematics: Nicht ganz. Ich habe von einer Person Hilfe bekommen, und das war mein Sohn. Er hatte gute Ideen, die wir letztendlich in einen der Beats eingebunden haben – und zwar beim Track „Why Why Why“. Sonst habe ich alle Beats eigenständig produziert.

grow! Hast du dir irgendwo Inspiration geholt?

Mathematics: Als Inspiration dienten mir an erster Stelle zwei Alben: „Enter the Wu-Tang (36 Chambers)‟ von RZA produziert und „Chronic 2001“ von Dr. Dre. Ich habe diese beiden Alben in einer Dauerschleife laufen lassen. Mein Ziel dabei war es, einen eigenen Stil zu entwickeln und nicht zu kopieren, was mir anscheinend auch gelungen ist.

(Kurze Pause)

Mathematics: Aber was war jetzt nochmal die Frage?

RZA: Haha! Das Gras fängt anscheinend an zu wirken.

 

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (5)

Mathematics: Ja, Mann. Es knallt heftig rein. Aber ich hatte eigentlich noch etwas dazu zu sagen, was ich jetzt vergessen habe.

(Alle fangen an zu lachen)

grow! Ach, kein Ding. Plant ihr eine Tour durch Europa?

RZA: Eine Europatour haben wir noch nicht geplant. Wir hoffen momentan, dass unsere Fans erst mal mit der neuen Musik zufrieden sind und sie genießen. Aber es wird sich zeigen, vielleicht werden bald einzelne Wu-Tang-Mitglieder nach Europa kommen. Ihr könnt auf jeden Fall gespannt sein.

grow! Plant ihr, noch weitere Musikvideos zu veröffentlichen?

RZA: Wenn alles so läuft, wie wir es uns vorstellen, werden wir noch mehr Videos rausbringen. Wir haben noch einige Ideen, die wir verwirklichen wollen.

grow! Was haltet ihr davon, dass Medien, wie z.B. CDs und Vinyl, immer mehr von Musikstreamingdiensten verdrängt werden?

RZA: Die Lage hat sich momentan etwas entspannt. Vor ein paar Jahren war es noch mehr zu spüren, da viele Plattenfirmen schließen mussten. Tonträger zum Anfassen wurden auch immer seltener. Zum Glück genießt Vinyl momentan ein Comeback. In einigen Ländern spielen CDs auch weiterhin eine große Rolle. Musikstreamingdienste bieten dem Nutzer aber auch viele Möglichkeiten, die man sonst nicht bekommt. Du kannst die Musik, die du willst, sofort bekommen und genießen, ohne dein Haus zu verlassen. Und für mich als Künstler ist es letztendlich das Ziel, dass meine Musik so viele Menschen wie möglich erreicht.

grow! Im Track „Why Why Why‟ hört man, dass ihr mit der aktuellen Lage in den USA nicht wirklich zufrieden seid. Was haltet ihr von der Politik des Präsidenten Trump?

RZA: Er ist ja erst ein Jahr im Amt, aber dieses Jahr war ein totales Desaster. Okay, ich kenne ihn nicht persönlich und kann deswegen nicht sagen, ob er ein netter Mensch ist. Ich kann nur seine Arbeit bewerten, die er für unser Land leistet. Und die war bis jetzt miserabel. Die Einstellung, die er gegenüber der schwarzen Bevölkerung hat, ist angsteinflößend. Ich gebe aber nicht auf. Er hat noch drei Jahre Zeit, sich zu ändern. Wenn er erneut gewählt wird, dann sogar für sieben Jahre.

Mathematics: Ich glaube, er hat schon viele seiner Wähler verloren.

RZA: Ja, genau, seine Wähler sind mit ihm auch nicht mehr wirklich zufrieden. Wir würden uns freuen, wenn Donald Trump sich zum Positiven verändern würde und der ganzen Welt zeigte, dass es nicht der richtige Weg ist, Diskriminierung und Rassismus zu unterstützen.

grow! Vielen Dank für das Interview!

 

Wu Tang Clan im Interview - über The Saga Continues, Mathematics als Produzenten und Cannabis im kreativen Prozess (6)

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 1-2018. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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