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Wie Cannabis Leben rettet

07.12.2016
grow! Magazin
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international

von Dr. med. Franjo Grotenhermen

Cannabis kann Leben retten. Dabei stehen vor allem zwei Aspekte im Vordergrund. Erstens können Cannabisprodukte bei einigen schwer kranken Menschen Medikamente mit potentiell tödlichen Nebenwirkungen ersetzen und zweitens können Cannabisprodukte nicht selten erfolgreich gute Dienste bei Erkrankungen leisten, die mit einem erhöhten Selbstmordrisiko einhergehen. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 800.000 Todesfälle weltweit jedes Jahr auf Suizide zurückzuführen sind. Neben psychischen Erkrankungen erhöhen auch körperliche Erkrankungen wie chronische Schmerzen das Selbstmordrisiko. Eine dritte Möglichkeit ist bisher bei Menschen noch nicht in dem erforderlichen Maße erforscht, dass sich an dieser Stelle Aussagen darüber machen ließen, eine mögliche Verbesserung der Lebenserwartung bei Krebserkrankungen.

Zwangsstörungen sind mit einem zehnfach erhöhten Risiko für Selbstmord assoziiert

Im Juli 2016 veröffentlichten Wissenschaftler des renommierten Karolinska-Instituts in Stockholm (Schweden) in der Zeitschrift Molecular Psychiatry eine Untersuchung, nach der das Selbstmordrisiko bei Menschen mit Zwangsstörungen um das Zehnfache erhöht ist. Bisher sei das Selbstmordrisiko bei Menschen, die an einer Zwangsstörung leiden, wenig beachtet worden, obwohl Zwangsstörungen eine der häufigsten psychiatrischen Störungen darstellen. Etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung leiden darunter, im Allgemeinen chronisch.

Um das Selbstmordrisiko bei Menschen mit Zwangsstörungen abzuschätzen und Risikofaktoren sowie schützende Faktoren im Zusammenhang mit Suizidverhalten in dieser Gruppe zu identifizieren, analysierten die schwedischen Forscher Daten aus schwedischen nationalen Patientenregistern über einen Zeitraum von 40 Jahren.

Sie identifizierten zwischen 1969 und 2013 in diesen Registern 36.788 Patienten mit Zwangsstörungen, von denen 545 durch Selbstmord gestorben waren und 4297 einen Selbstmordversuch unternommen hatten. Das Risiko für einen erfolgreichen Selbstmord war etwa zehnmal so groß und das Risiko für einen Selbstmordversuch fünfmal so groß wie in der Allgemeinbevölkerung.

Die Studie zeigt, wie belastend Zwangsstörungen für die Erkrankten sind. Oft können sie mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden nicht ausreichend therapiert werden. Im Jahr 2008 berichteten Ärzte der Berliner Charité in einer Fachzeitschrift über zwei Fälle einer erfolgreichen Behandlung von schweren Zwangsstörungen mit THC. Eine 38-jährige Frau und ein 36-jähriger Mann, die während eines längeren stationären Aufenthaltes nicht auf konventionelle Psychopharmaka ansprachen, konnten erfolgreich mit THC behandelt werden. Nachdem die Patientin ihre Ärzte darauf aufmerksam gemacht hatte, dass das Rauchen von Cannabis ihre Symptome linderte, unternahmen diese einen Versuch mit dreimal täglich 10 mg THC zusätzlich zur Standardmedikation. Das führte innerhalb von 10 Tagen zu einer deutlichen Besserung der Symptome. Bei dem behandelten Mann, führten zweimal 10 mg THC innerhalb von zwei Wochen zu einer deutlichen Linderung der Erkrankung. Es kann heute noch nicht abgeschätzt werden, wie viele Patienten mit Zwangsstörungen von einer Therapie mit Cannabis-basierten Medikamenten profitieren und wie viele Menschenleben durch Cannabis in dieser Patientengruppe gerettet werden könnten.

Wie Cannabis leben rettet

Seit Langem ist bekannt, dass Depressionen die Hauptursache für Selbstmorde sind. Vor einigen Jahren berichtete die ZEIT anlässlich des Selbstmordes von Robert Enke, eines bekannten Fußballspielers, der sich im Alter von 32 Jahren selbst das Leben genommen hatte, über die „tödliche Traurigkeit“. In dem Artikel wurde gefragt, warum sich ein gefeierter Sportler umbringt. Obwohl es viele wirksame Antidepressiva gibt und auch wirksame psychotherapeutische Verfahren zur Verfügung stehen, hat sich bisher nichts daran geändert, dass Depressionen die häufigste Ursache für Selbstmord sind.

Depressionen sind sehr häufig – statistisch gesehen hat jeder zweite bis dritte Mensch irgendwann im Leben mit ihnen zu kämpfen. Rund 9000 Suizide werden jedes Jahr in Deutschland verzeichnet, Depressionen gelten dabei in mindestens neun von zehn Fällen als Ursache. Seit 1980 hat sich die Zahl der Selbsttötungen jedoch mehr als halbiert. Das wird von Wissenschaftlern vor allem auf bessere Medikamente zurückgeführt. Früher seien die Mittel wegen erheblicher Nebenwirkungen oft nicht ausreichend dosiert worden. Allerdings wirken die zur Verfügung stehenden Medikamente nicht immer oder werden nicht gut vertragen, sodass viele Depressive auch heute nicht ausreichend behandelt sind. Daher ist es trotz aller therapeutischen Erfolge heute immer noch Alltag, dass sich Depressive das Leben nehmen.

Ich habe einige Patienten mit einer Ausnahmeerlaubnis für die Verwendung von Cannabisblüten, die durch Cannabis ihre Depression zumindest einigermaßen im Griff haben und wieder Freude empfinden können, was mit anderen Therapieverfahren nicht gelang. Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschenleben in Deutschland durch eine effektive Cannabisbehandlung bei Depressionen vor dem Selbstmord gerettet werden könnten.

Tödliche Nebenwirkungen durch Medikamente

Jährlich sterben 25.000 bis 58.000 Menschen in deutschen Krankenhäusern an den Folgen unerwünschter Medikamentenwirkungen. Rund die Hälfte der Fälle geht auf falsch verschriebene Medikamente zurück. Darüber berichteten im Jahr 2013 mehrere deutsche Medien, nachdem eine Studie veröffentlicht wurde, die von Professor Andreas Sönnichsen, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Witten/Herdecke, schockierende Zahlen ans Licht gebracht hatte. Über 90 Prozent der Patienten bekommen mindestens ein Arzneimittel unbegründet. 37 Prozent der über 65-Jährigen nehmen Medikamente ein, die für ältere Menschen nicht geeignet sind.

Eine Studie, die fünf Jahre zuvor am Salzburger Klinikum durchgeführt wurde, zeigt, mit welch verheerenden Auswirkungen: Von 500 Patienten wurden zehn Prozent nur deshalb in kritischem Gesundheitszustand in die dortige Notfallaufnahme eingeliefert, weil ihre Medikamente gefährliche Wechselwirkungen herbeigeführt hatten. „Studien aus den Niederlanden und anderen Ländern kommen zu ähnlichen Ergebnissen“, sagt der Experte für Medikationssicherheit aus Witten/Herdecke. Der Pillencocktail, den manche ihrer Gesundheit zumuten, um sie eigentlich zu verbessern, hat im günstigsten Fall reversible Folgen für die Patientengesundheit. Doch mitunter mündet er in Krankenhausaufenthalten oder sogar im Tod.

„Die Hausärzte der betroffenen Patienten fühlen sich überfordert. Wie sollen sie die langen Medikamentenlisten kritisch durchforsten?“, wurde der Wissenschaftler, der selbst Allgemeinmediziner und Internist war, zitiert. Mit einer weiteren, durch EU-Mittel geförderten Studie, wird er in den nächsten zwei Jahren ein internetgestütztes Programm für Ärzte entwickeln, das vor allem bei der Behandlung chronisch Kranker und älterer Patienten Einsatz finden soll. Es soll zu Beginn rund 50 Substanzen und Substanzgruppen führen. Geben Mediziner weitere Informationen, wie zum Beispiel die Indikation, Körpergröße und Gewicht des Patienten sowie einige Laborwerte ein, soll das Programm dem behandelnden Arzt Vorschläge dazu machen, welches und warum ein Medikament abgesetzt werden kann.

Aspirin, Diclofenac und Co. sind für Tausende von Todesfällen verantwortlich

Nach einer Studie aus den USA, deren Ergebnisse 1997 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine von Dr. Robyn Tamblyn und seinen Kollegen veröffentlicht wurde, führen so genannte nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR), wie beispielsweise Acetylsalizylsäure (Aspirin), Diclofenac (Voltaren), Ibuprofen, Naproxen, Ketoprofen und Tiaprofensäure, jedes Jahr zu geschätzten 7600 Todesfällen in den USA. Ihre Nebenwirkungen, wie beispielsweise potenziell tödliche Magenblutungen, führen in den USA jedes Jahr zu etwa 76.000 Krankenhausaufenthalten.

Die medizinische Verwendung von Cannabis bewirkt 25 Prozent weniger Todesfälle durch Opiate

US-Staaten, die die medizinische Verwendung von Cannabis erlauben, weisen im Durchschnitt geringere Raten an Todesfällen durch Überdosierungen von Opioid-Analgetika als Staaten ohne solche Gesetze auf. Eine Studie, die gemeinsam von verschiedenen renommierten Instituten in den USA durchgeführt und in der Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde, untersuchte die Häufigkeit von Todesfällen, die zwischen 1999 und 2010 durch Opiat-Überdosierungen verursacht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die 13 Staaten, die bereits damals die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubten, durchschnittlich eine um 24,8 Prozent niedrigere jährliche Todesrate durch Opiatüberdosierungen aufwiesen, nachdem die Gesetze in den Staaten in Kraft traten, verglichen mit Staaten ohne diese Gesetze. Das bedeutet, dass die Behandlung mit Cannabis für Patienten, die an chronischen Schmerzen durch Krebs und andere Erkrankungen leiden, sicherer sein könnte.

Etwa 60 Prozent aller Todesfälle durch Überdosierungen mit Schmerzmitteln auf Opiat-Basis treten bei Patienten mit gültigen ärztlichen Verordnungen auf. Der Leiter der Untersuchung, Dr. Marcus A. Bachhuber, wies darauf hin, dass der Nachweis der schmerzhemmenden Eigenschaften von Cannabis begrenzt sei, dass jedoch einige Studien nahelegen, dass „es einigen Personen Linderung verschafft“. „Zudem können Menschen, die bereits Opiate aufgrund ihrer Schmerzen einnehmen, diese durch medizinisches Marihuana ergänzen, auf diese Weise die Dosis ihres Schmerzmittels reduzieren und damit auch das Risiko für eine Überdosis vermindern.“ Weitere Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Verbindung zwischen einer niedrigeren Anzahl von Todesfällen durch Opiatüberdosierungen und medizinischem Cannabis mit der Zeit zunahm. Die Todesfälle waren im ersten Jahr nach Inkrafttreten der staatlichen Gesetze um 20 Prozent und fünf Jahre nach Implementierung der Gesetze um 33,7 Prozent niedriger.

Ältere Patienten benötigen weniger Medikamente, wenn sie Zugang zu medizinischem Cannabis haben

Ärzte in den USA stellten älteren und behinderten Patienten weniger Rezepte für Schmerzmittel und andere Medikamente aus, wenn diese einen legalen Zugang zu medizinischem Cannabis hatten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Juli 2016 veröffentlicht wurde. Die Forscher berechneten, dass Medicare im Jahr 2013 im Distrikt von Columbia und 17 Staaten, die die Verwendung von Cannabis als Medizin erlaubten, mehr als 165 Millionen Dollar sparte. Medicare ist ein nationales soziales Versicherungsprogramm der USA. Wenn alle Staaten in den USA medizinisches Cannabis legalisiert hätten, so sagt die Studie voraus, würde das Bundesprogramm jährlich mehr als 468 Millionen Dollar an pharmazeutischen Medikamenten für behinderte Amerikaner und solche im Alter von 65 Jahren oder älter sparen.

Keine Versicherung, inklusive Medicare, erstattet die Kosten für Cannabis. Obwohl medizinisches Cannabis heute in 25 Staaten und dem Distrikt von Columbia legalisiert ist, verbietet das Bundesrecht doch weiterhin unter allen Umständen seine Verschreibung. Die neue Studie, die am 6. Juli in Health Affairs veröffentlicht wurde, fragt als erstes, ob es einen Beweis dafür gibt, dass medizinisches Cannabis als Medikament verwendet wird, erklärte der Hauptautor W. David Bradford gegenüber Reuters in einem Telefoninterview. Die Antwort ist ja, sagte Bradford, ein Gesundheitsökonom und Professor an der Universität von Georgia in Athens. „Sobald Staaten ihre medizinischen Marihuanagesetze starteten, sahen wir eine recht deutliche Abwendung von Medikamenten, die von der FDA zugelassen worden waren“, erklärte er. Alte Menschen sind besonders gefährdet, an Nebenwirkungen konventioneller Medikamente zu sterben. Es ist allerdings bisher nicht bekannt, ob die Verwendung von Cannabisprodukten in dieser Altersgruppe die Sterblichkeit reduzieren kann. Angesichts der minimalen Belastung innerer Organe, wie Magen, Leber und Nieren, im Vergleich mit vielen anderen Medikamenten, ist dies nicht unwahrscheinlich.

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