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Immer mehr kanadisches Gras in deutschen Apotheken

21.03.2017
Henrie Schnee
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Mediweed

Segen oder Fluch?

Kanada ist mit weit über 50.000 Cannabis-Patienten, über 30 Firmen und riesigen Produktionsanlagen Weltmarktführer bei der legalen Produktion von medizinischem Cannabis. Die neue liberale Regierung unter Justin Trudeau hat außerdem angekündigt, Cannabis noch in diesem Jahr zu legalisieren.

Bereits im August hatte die kanadische Firma „Canopy Growth Corporation“ angekündigt, dass vier Cannabis-Sorten ihrer Tochterfirma „Tweed“ für den Verkauf in deutschen Apotheken zugelassen wurden. Das deutsche Unternehmen „MedCann“ aus St. Leon/Roth (BW) hat den Vertrieb der vier neuen Strains übernommen. Bis Redaktionsschluss hatten mit „Argyle“ und „Princeton“ allerdings nur zwei der vier Sorten aus dem staatlichen Cannabisprogramm Kanadas die hiesigen Apotheken erreicht. Bald aber sollen mit „Penelope“ und „Houndstooth“ zwei weitere Sorten folgen. Doch bevor man die neuen Strains kaufen konnte, mussten Cannabis-Patienten ihre Ausnahmegenehmigung von der Bundesopiumstelle um die neuen Sorten erweitern lassen. In legalen US-Shops und auf dem kanadischen Schwarzmarkt, der bald keiner mehr ist, kennt man die vier Sorten unter “Nordle“, “Ghost Train Haze“, “CBD Skunk Haze“ und “Super Lemon Haze“.

Im Oktober wurde dann bekannt, dass der Arzneimittel-Großhändler „Pedanios“ medizinisches Cannabis vom kanadischen Produzenten „Peacenaturals“ importieren wird, das zu Redaktionsschluss jedoch auch noch nicht in deutschen Apotheken angekommen war.

Das Berliner Unternehmen hat den Import von fünf Sorten Medizinal-Cannabisblüten angekündigt, wobei zuerst die zwei Sorten „Pedanios 22/1“ sowie „Pedanios 14/1“ zu kaufen sein werden. Hierbei steht die erste Ziffer für die prozentuale Konzentration des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) sowie die zweite Ziffer für die Konzentration des Wirkstoffs Cannabidiol (CBD). Bei „Pedanios 22/1“ handelt es sich um einen Indica-lastigen Hybriden (70/30), die andere Sorte ist Sativa-lastig (60/40). Keine der in 10-Gramm Dosen angebotenen „Peacenaturals“-Sorten ist gammabestrahlt. Pedanios plant nach Aussage des Geschäftsführers Patrick Hoffmann die Einführung fünf weiterer Sorten, zudem soll jede Sorte langfristig als Sativa- oder Indica-lastige Variante zu haben sein. Das kanadische Unternehmen baut nach Aussage von Pedanios spezielle Strains für den Export an, die derzeit nicht auf dem kanadischen Markt angeboten werden. Die ersten beiden Sorten sollten Ende November 2016 in Apotheken zu haben sein.

Tweed Cannabis gibt es bereits. Als registrierter Cannabis-Patient habe ich mir Ende August fünf Gramm und fünf Gramm „Princeton“ sowie die gleiche Menge „Argyle“gekauft. Das „Argyle“ hat 6,3 Prozent THC und 8,9 Prozent CBD. Ich finde es weitaus leckerer als die vergleichbare CBD-Variante von Bedrocan, das „Bediol“. Es riecht und schmeckt sehr fruchtig und macht wirklich „agil“. Anders als bei unseren bislang registrierten CBD-Sorten fehlt das Nutzhanf-Aroma, was ich persönlich gar nicht vermisse. Aber als Schmerzpatient brauche ich davon mehr als meine normale Dosis von 3 Gramm/Tag, weil ich zur Schmerzlinderung viel THC brauche. Von dem „Argyle“ müsste ich sicher fünf statt wie bisher drei Gramm pro Tag rauchen, um meine Symptome ausreichend zu lindern.

Das „Princeton“ hat 16,2 Prozent THC und 0,07 Prozent CBD und entspräche schon eher meinen Bedürfnissen und sieht auch sehr lecker aus. Aber schon beim Öffnen der Dose kam mir ein modriger, unangenehmer Geruch entgegen, den ich sonst nur von schlecht getrocknetem oder falsch gelagertem Weed kenne. Die Buds waren zwar gut getrocknet, aber ziemlich dunkelgrün, viel dunkler als andere, hochpotente Sativa-Sorten. Ein Sativa-Aroma mit Zitrus-Einschlag, wie es viele Erfahrungsberichte aus Übersee beschreiben, war definitiv nicht vorhanden. Beim Rauchen das gleiche, der erste Zug hat meinem zugegeben subjektiven Empfinden zufolge wie ein Abstieg in einen feuchten Kartoffelkeller geschmeckt. Allerdings muss ich auch sagen, dass Rückfragen bei anderen Cannabis-Patienten oft ein anderes Feedback ergaben und viele Inhaber einer Ausnahmegenehmigung mittlerweile auf „Princeton“ schwören. Ich bleibe vorerst beim „Bedrocan“.

Hoffnung für deutsche Patienten?

War die Auswahl an Cannabis-Sorten bislang noch sehr gering, wird das Angebot in deutschen Apotheken jetzt um elf Sorten erweitert, weitere könnten womöglich bald folgen. Auch soll nach Angaben von „Pedanios“ der Preis für ihre Produkte niedriger sein und unter den bisherigen 15 Euro/Gramm liegen. Sollte die Firma dann die Ankündigung, langfristig alle verfügbaren Sorten optional als Sativa- oder Indica-lastige Varietäten anzubieten, wahr machen, wäre die Sortenvielfalt zwar längst noch nicht mit der kanadischen zu vergleichen, aber mit ungefähr 20 verschiedenen Strains schon bald beträchtlich verbessert.

Wo bleiben die deutschen Medizinal-Hanfblüten?

Während bereits die zweite kanadische Firma Cannabis nach Deutschland exportiert, wissen deutsche Firmen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken anbauen wollen, immer noch nicht, wie das in der Praxis vonstatten gehen soll. Deutsche Start-Up-Unternehmen werden so bei einem Markteinstieg mit bereits etablierten und finanzkräftigen kanadischen Produzenten konkurrieren müssen, weil es die Bundesregierung jahrelang versäumt hat, die Regelversorgung von Cannabis im eigenen Land sicherzustellen. Anstatt die längst überfällige Cannabis-Agentur zu gründen und ein medizinisches Cannabis-Programm auf die Beine zu stellen, hat man über Jahre hinweg versucht, beides zu umgehen. Denn anders als für ein medizinisches Cannabis-Programm waren die Ressourcen, Patienten mit aussichtslosen Klagen zu überziehen und wegen ein paar Pflanzen vor Gericht zu zerren, bislang immer vorhanden.

Die im letzten Jahr durch die Regierung angekündigte Gesetzesänderung ist immer noch nicht realisiert und die geplante Cannabisagentur, die für die Vergabe von Anbaulizenzen zuständig sein wird, wird frühestens im Sommer 2017 die Arbeit aufnehmen (Das „Cannabis-Gesetz“ wurde mittlerweile verabschiedet und ist seit März 2017 gültig -Anm. d. Red.). Neu gegründete Firmen werden seit Mitte 2016 nicht mehr beraten und haben keinerlei Investitionssicherheit. Tweed, der größte Produzent von medizinischem Cannabis, hat gegenüber dem Deutschen Hanfverband bereits geäußert, man könne sich vorstellen, auch in Deutschland Gras anzubauen.

Michael Knodt

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