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Wasser: Worauf es beim Gießen ankommt

13.02.2018
grow! Magazin
(Kommentare: 1)
technik
Mel Thomas gibt Tipps für den besten Umgang mit Wasser beim Anbau von Cannabis und anderen Pflanzen

Dass Pflanzen zum Wachsen und Gedeihen Wasser brauchen, dürfte auch denen bekannt sein, die nicht gerade mit einem „grünen Daumen“ gesegnet sind. Dass aber Wasser nicht gleich Wasser ist und es dabei einiges zu beachten gibt, ist nicht unbedingt jedem klar. Dabei ist gerade der Punkt der Bewässerung von entscheidender Bedeutung, denn, wenn hier Fehler passieren, kann das im schlimmsten Fall das Aus für die Pflanzen bedeuten – zumindest aber für einen optimalen Ertrag, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Unser Autor Mel Thomas beschäftigt sich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Anbau von Pflanzen. Dementsprechend hat er sich auch mit Wasser, seinen Inhaltstoffen und Besonderheiten auseinandergesetzt. In diesem Artikel hat er für euch einige der wichtigsten und interessantesten Fakten zusammengestellt. Die sollte nach Mels Meinung jeder Pflanzenfreund unbedingt kennen und auch berücksichtigen!

Pflanzen – und dazu zählt auch Cannabis – nutzen einen Prozess, der als Osmose bezeichnet wird, um Wasser und die darin gelösten Nährstoffe über ihre Wurzeln aufzunehmen. Als Osmose wird die Tendenz von Flüssigkeiten bezeichnet, durch eine semipermeable Membran zu wandern, bis auf beiden Seiten der Membran dieselbe Konzentration herrscht. Im Falle von Cannabispflanzen findet dieser Vorgang in den feinen Wurzelhärchen statt. Durch sie gelangen das Wasser und damit die gelösten Nährstoffe in die Pflanze. In den Wurzelhärchen befindet sich eine Lösung aus organischen Säuren, die die Nährlösung regelrecht durch die semipermeable Membran zieht.

Grundsätzlich gilt, so empfiehlt Mel, dass sowohl organisch als auch hydroponisch gedüngte Cannabispflanzen es vorziehen, wenn das Gießwasser auf etwa 30° C erwärmt wurde. Das lässt sich relativ einfach erreichen, indem eine Aquarienheizung im Wassertank installiert wird.

Wasserhärte

Ein Gärtner sollte wissen, welche „Härte“ sein Wasser hat. Denn viele Düngerhersteller, insbesondere die von hydroponischen Nährstoffen, entwickeln ihre Produkte für ganz bestimmte Wasserhärten. Mit Wasserhärte ist gemeint, ob das Wasser „hart“ oder „weich“ ist. Wenn man hartes Wasser hat, dann zeigt sich das oft schon an verkalkten Wasserkochern, Duschköpfen und Wasserhähnen. Die Wasserhärte deutet an, wie hoch die Konzentration von Kalzium und Magnesium im Wasser ist. So würde man eine Wasserprobe mit 150 mg/Liter von Bikarbonaten (HCO3) als „hart“ bezeichnen. Wasser, das zwischen 100 und 150 Milligramm Kalzium (CaC03) pro Liter enthält, eignet sich gut für die Bewässerung von Cannabispflanzen. Als „weich“ bezeichnet man ein Wasser, dem diese Karbonatkonzentrationen fehlen. Bei „weichem“ Wasser, das weniger als 50 Milligramm Kalzium (CaC03) pro Liter enthält, sollten Magnesium und Kalzium ergänzt werden. Hartes Wasser hat in der Regel einen hohen pH-Wert, der durch das gelöste Bikarbonat verursacht wird. Das Bikarbonat muss erst neutralisiert werden, wenn sich der pH-Wert dauerhaft senken lassen soll.

Wenn organisch angebaut und mit hartem Wasser gegossen wird, müssen die meisten Erde-/Kompost-basierten Substrate von Zeit zu Zeit gespült werden, um einer „Versalzung“ entgegenzuwirken. Dabei reicht es völlig, das Substrat ausgiebig mit klarem Wasser zu wässern und es direkt ablaufen zu lassen. So werden überschlüssige Nährsalze, aber auch Kalk und andere Mineralien ausgewaschen.

In hydroponischen Systemen wird mit Hilfe von Phosphorsäure der pH-Wert (H3PO4) gesenkt. Dadurch wird dem Gießwasser außerdem eine nicht unerhebliche Zusatzdosis an Phosphor verabreicht. Hohe Dosen Phosphor können jedoch einen schlechten Einfluss auf die Aufnahme anderer Nährstoffe haben, wodurch es zu ernsthaften Unausgewogenheiten bei der Nährstoffversorgung der Pflanzen kommen kann.

Leitungswasser

Leitungswasser, direkt aus dem Wasserhahn gezapft, ist häufig zu alkalisch. Es wird auch oft mit Chlor behandelt, in einigen Gegenden auch mit Fluoriden und Natrium. Bevor man es verwenden kann, so rät Mel, sollte es für einige Zeit in Behältern abstehen. Dabei können zumindest einige der schädlichen Stoffe entweichen. Bevor das Wasser in die Behälter gefüllt wird, ist es ratsam, das Wasser die ersten Minuten in den Abfluss laufen zu lassen, denn im stehenden Leitungswasser können sich unerwünschte Stoffe und Sedimente angereichert haben. Das heimische Wasserwerk sollte mit einer Analyse der Inhaltstoffe des Leitungswassers weiterhelfen können. Ansonsten kann auch so mancher Growshop oder Düngerhersteller bei der Ermittlung der Wasserwerte hilfreich sein. Diese Werte erlauben es, den Dünger optimal auf das verwendete Wasser einzustellen. Die im Wasser enthaltenen Stoffe und Elemente können mit denen des Düngemittels reagieren. Das kann dazu führen, dass bestimmte Nährstoffe für die Pflanze nicht mehr zur Verfügung stehen, obwohl sie eigentlich im Dünger enthalten waren. Dies kann auch bei der Verwendung von Brunnenwasser passieren, oder wenn das Leitungswasser sehr hart ist. Wasser, das mehr als 50 Teile pro Millionen (ppm) an Kalzium und Magnesium (bzw. einen EC-Wert von über 0,5) aufweist, kann zu ernsthaften Problemen führen. Andere Elemente, die sich in hartem Wasser finden lassen, sind Natrium, Eisen, Schwefel, Bor und verschiedene Karbonate.

Heißes Leitungswasser

Warmes Leitungswasser enthält eine hohe Konzentration an Natrium und Kalzium, das vom Boiler abgegeben wurde. Solches Wasser sollte – wenn überhaupt – nur sehr sparsam verwendet werden, um zum Beispiel die Temperatur von Nährlösungen schnell zu erhöhen.

Regenwasser

Mel hält Regenwasser für ideal, sowohl für hydroponische wie auch organische Growsysteme. Es enthält kleine Mengen an gelöstem CO2 und sollte - wann immer möglich - gesammelt werden.

Mineralwasser

Wenn es nur darum geht, ein paar Pflanzen in einem erdbasierten Medium zu gießen, kann Mineralwasser eine (teure) Alternative sein. Es kann verschiedene Spurenelemente enthalten, und wenn es sich um sprudelndes Mineralwasser handelt, auch CO2. Mineralwasser sollte nicht für das Herstellen von hydroponischen Nährlösungen verwendet werden.

Quell- /Brunnenwasser

Dieses Wasser ist oft besonders hart (sehr alkalisch) und voller Kalzium und Magnesium. Um es zu verwenden, sollte es zuerst auf seine Inhaltstoffe analysiert werden. Andernfalls ist es eher eine Art Glücksspiel, das wenig mit dem ernsthaften Anbau von Pflanzen zu tun hat. Heutzutage lassen sich solche Analyselabors über das Internet finden. Eine kleine Probe reicht in der Regel, und schon ist klar, womit man es zu tun hat.

Umkehrosmose Filtration

In Gegenden, wo das Wasser besonders hart ist, also einen hohen EC-Wert aufweist, kann es sinnvoll sein, in eine Umkehrosmoseanlage zu investieren. Diese Anlagen sind in der Lage, gelöste Stoffe aus dem Wasser zu filtern, indem eine semipermeable Polymermembran eingesetzt wird. Die gelösten Stoffe sind chemisch im Wasser gebunden, so dass herkömmliche Wasserfilter sie nicht entfernen können. Solche Filter können lediglich Schwebstoffe erfassen. Eine Umkehrosmoseanlage ist dagegen in der Lage, absolut reines bzw. destilliertes Wasser (EC-Wert gleich Null) zu produzieren, Mel empfiehlt, entweder Dünger einzusetzen, der speziell für destilliertes Wasser entwickelt wurde, oder aber dem destillierten soviel Leitungswasser zuzugeben, bis ein EC-Wert von 0,3 erreicht wird.

Messen des pH-Werts

Der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregrad bzw. für die Alkalität. Auf einer Skala von 1 bis 14 steht die 7 für einen neutralen Wert. Je weiter die Werte darunter liegen, desto saurer ist die Lösung.

  • 1 bis 7 = „saure“ Lösung
  • 7 bis 14 = alkalische Lösung

Mikronährstoffe können für Pflanzen unzugänglich werden, sollte der pH-Wert über 7 steigen. Andererseits können einige der Hauptnährstoffe in einer sauren Umgebung von Pflanzen nicht gut aufgenommen werden. Bei Werten von unter 5 wird es kritisch. Allgemein ausgedrückt, werden Mikronährstoffe (Fe, Zn, Mn, Cu) bei einer zu alkalischen (pH-Wert über 7) und die Hauptnährstoffe (N, P, K, Mg) bei zu saurer Lösung (unter 5) schlecht für die Pflanzen verfügbar.

Deshalb rät Mel:

  • Bei hydroponischen Systemen: optimaler pH-Wert bei 5,5
  • Bei organischen Systemen (Erde, Kompost): optimaler pH-Wert bei 6,5

Extreme pH-Werte können genauso schädlich für die feinen Wurzeln sein, wie zu hohe EC-Werte (= zu hohe Salzkonzentration). Deshalb ist es wichtig, den pH-Wert regelmäßig zu kontrollieren. In organischen Substraten, wie Erde und Kompost, ist es am einfachsten, einen entsprechenden Tester im Fachhandel zu besorgen. Es kann auch ein Messgerät aus der Hydroponik verwendet werden, jedoch muss dazu die zu testende Erde in neutralem Wasser aufgelöst werden. Erst dann kann etwa mit einem digitalen pH-Messgerät der pH-Wert des Wasser-Erde-Gemischs bestimmt werden, der damit einen Rückschluss auf den pH-Wert des Substrats erlaubt. Diese Methode ist jedoch relativ ungenau.

Es gibt auch PH-Teststreifen, die in die zu messende Flüssigkeit getaucht werden. Durch eine chemische Reaktion verändert sich die Farbe, über die sich der pH-Wert – mehr oder weniger genau – bestimmen lässt.

Einstellen des pH-Werts

Um den pH-Wert von Wasser oder einer hydroponischen Nährlösung einzustellen, werden bestimmte Chemikalien eingesetzt:

  • Phosphorsäure, Schwefelsäure oder weißer Essig = zum Senken des pH-Werts
  • Natronlauge, Kalilauge oder Natriumbikarbonat (Backpulver) = zum Anheben des pH-Werts

Von Phosphorsäure oder Natronlauge muss deutlich weniger eingesetzt werden als Essig oder Backpulver, um denselben Effekt zu erzielen. Oft reichen schon wenige Tropfen, um eine Änderung des pH-Werts zu bewirken. Nach Zugabe des pH-Plus bzw. Minus sollte ein paar Minuten gewartet werden, bevor der pH-Wert erneut gemessen wird, um Messfehler zu vermeiden. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, wie viel pH-Minus oder -Plus zugegeben werden muss, um einen bestimmten Wert zu erreichen.

Beim Umgang mit den Chemikalien sollte immer Vorsicht walten, denn diese Substanzen können giftig und ätzend sein. Auf das Tragen von Handschuhen und Schutzbrille sollte im eigenen Interesse nicht verzichtet werden.

Mel Thomas 

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 4-2013. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop.

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Kommentare

Kommentar von Jonny |

Ich bin jetzt 33. growe seit meinen 13 Lebensjahr.
Gießwasser sollte niemals unter 15 grad haben , 24 maximal , da ist die sauerstoffkonzentration schon auf Minimum
. Man hat ja einen Sprudelstein im Tank.
Der Rest des Artikels steht als dreizeiler auf jeder düngerflasche.
Mit 30 Grad

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