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Outdoor: Wie gut funktionieren Bauernregeln im Outdoor-Anbau?

26.07.2023 12:03
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Growing

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt ...“, heißt es in einem alten Volkslied. Und weiter: „Er ackert, er egget, er pflüget und sät ...“. Genau das ist es, was Outdoor-Grower bis heute ab März tun. Das vergangene Jahr mit seinen extremen Hitze- und Dürre-Ereignissen hat bei mir die Frage aufkommen lassen, inwieweit man sich heute noch an tradiertem Wissen und den entsprechenden Handlungsanleitungen orientieren kann. Richtwerte, auf die sich die Menschen in der Landwirtschaft über Jahrhunderte hinweg verlassen haben. Warum? Weil es nichts anderes gab.

 

Veränderte Vorzeichen, geänderte Regeln?

Heute ist die Lage scheinbar eine komplett andere – zumindest teilweise. Mithilfe von Kunstlicht, künstlicher Wärme und modernen Saatgut-Züchtungen sind Gärtner und Bauern in der Lage, den Zeitpunkt ihrer Frühkulturen um zig Wochen nach vorne zu verschieben. Davon konnten die „Grower“ in früheren Jahrhunderten nur träumen. Vertaten sie sich bei der Umsetzung der jeweils in Betracht kommenden Regel, oder hielt sich das Wetter einfach nicht daran, konnte dies den Hungertod für ganze Familien bedeuten. Dass im Großen und Ganzen jedoch Verlass auf die eingängigen Bauernregeln war, beweist ihre bloße Existenz. Ansonsten hätten sie sich nicht über solch einen langen Zeitraum etabliert.

Wenn heute ein Bauer oder auch Grower seine Kultur anlegt, macht er dies in der Gewissheit, dass ihm neben frei verfügbarem Wissen auch zahlreiche praktische Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Geht etwas schief, existieren meist Problemlösungen. Mit diesen scheinbar mächtigen Helfern im Hintergrund haben wir die bäuerlichen Regeln verändert. Doch trotz all dieser Bemühungen und Optimierungsversuche müssen wir immer wieder einsehen, dass unserer Kontrolle Grenzen gesetzt sind. Mal abgesehen von reinen Indoor-Kulturen, ist es nicht nur der Mensch, der die Regeln bestimmt, sondern immer auch die Natur. Auch das hat das vergangene Jahr gezeigt. Ich habe mir einige der alten Weisheiten einmal angeschaut und versucht, sie mit meinen Outdoor-Growschemen zu vergleichen.

Vorbereitungen

Wer später im Jahr eine erfolgreiche Ernte einfahren möchte, muss zeitig mit der Arbeit beginnen. Wochen, bevor der erste Samen eingepflanzt wird, beginnen die Vorbereitungen für einen ertragreichen Outdoor-Grow. Den Anfang macht die Herstellung des Kultursubstrats. Es ist nicht einfach damit getan, Erde, Perlit und Dünger zu mischen und das Ganze danach in Pötte zu füllen. Vielmehr braucht es mindestens vier bis sechs Wochen Zeit, ehe aus den zusammengemischten Einzelkomponenten eine nährstoffreiche und locker-krumige Komposition wird, die den Plants ein optimales Wachstum beschert. Ich bin vor einiger Zeit dazu übergegangen, einen gewissen Anteil alter Substratreste aus dem Vorjahr für den Folge-Grow wieder zu verwerten. Neben einer gewissen Kostenersparnis hat dies auch Nachhaltigkeitsgründe. Warum einen durchaus recyclebaren Rohstoff wegwerfen, nur um ihn danach wieder für teures Geld neu einzukaufen?

Die alte Erde verbleibt während des Winters locker auf einen Haufen geschüttet im Freien. Dort können die noch vorhandenen Düngerreste ausgewaschen werden. Im März erfolgt dann die Vermengung der Komponenten miteinander, ehe die fertige Substratmischung auf ihre Bestimmung wartet. Es ist noch frisch um diese Jahreszeit. „Säst du im März zu früh, ist’s oft vergeb’ne Müh“, weiß eine alte Regel, die man auch heute noch guten Gewissens unterschreiben kann. Zwar verschiebt sich infolge der Klimaerwärmung der Beginn des Frühjahrs stetig weiter nach vorne (also in Richtung Winter), aber trotz einzelner, warmer Tage ist der Boden noch zu kalt und die Sonne zu schwach, um erfolgreich Cannabis zu säen. Die Kleinen würden erfrieren. Allerdings gibt es für Freunde der Früh-Aussaat eine kleine Hoffnung. Sie lautet: „Siehst du im März gelbe Blumen im Freien, magst du getrost deinen Samen streuen“. Damit könnte die Wiesenschlüsselblume gemeint sein. Sie war früher integraler Bestandteil der Natur, mittlerweile ist sie jedoch fast verschwunden. Anders als der „Winterling“ benötigt die Wiesenschlüsselblume einen relativ warmen Boden. Das machte sie einst vermutlich zum allseits beliebten Frühlingsboten. Zwar ist die Zahl warmer Märztage im Verlauf der letzten dreißig Jahre gestiegen ist, dennoch bleibt dieser Monat vor allem eins: Ein unsicherer Kantonist, der jederzeit mit Frost und Schneefall aufwarten kann.

Anzucht

Ernst wird es bei mir um den Monatswechsel vom März auf April. Es ist die Zeit der Aussaat und Anzucht. Anders als heutzutage, wurde dieser Vorgang in früheren Zeiten komplett im Freien durchgeführt. Das war für die Bauern ein durchaus riskantes Unterfangen, denn auch der April kann jederzeit noch mit Nachtfrösten und Gewittern aufwarten. Aber er kann auch mollige dreißig Grad im Gepäck haben. Entsprechend sybillinisch heißt es daher: „Der April kann rasen, nur der Mai hält Maßen“. Was es hingegen heißt, sich bereits in diesem Monat mit Trockenheit auseinandersetzen zu müssen, wussten auch unsere Vorfahren bereits. „Wenn vor Georgi (Ende April) Regen fehlt, wird man hernach damit gequält“.

Blieb der ersehnte Niederschlag nach der Aussaat aus, verdorrten die Setzlinge auf dem Feld oder die Pflanzen produzierten zu wenig Ertrag – in jedem Fall eine Katastrophe für den Bauern. Ich selbst habe vor nicht allzu langer Zeit den Versuch unternommen, Anfang April ein paar Seeds einer Afghani-Landrasse auf dem heimischen Balkon (im Freien) vorzuziehen und sie bei einer Größe von rund zwanzig Zentimetern im Freiland auszupflanzen. Als Datum hatte ich ungefähr den 20. April gewählt. Das Wetter war zuvor schön warm und ausreichend feucht gewesen. Doch nun sollte ich eine kleine Lektion in Sachen „Gültigkeit alter Regeln“ erhalten. Nach dem Auspflanzen folgte eine kühle, trockene Woche mit kalten Nächten. Am Ende der Woche waren alle meine Setzlinge tot. Daraus habe ich zwei Lehren gezogen: Läute nicht zu früh die Outdoor-Phase ein und wenn, dann unter permanenter Kontrolle. Konkret bedeutete dies für mich erstens, dass ich meine Anzucht unter eine Leuchtstoffröhre verlege, wo warme und kontrollierte Verhältnisse herrschen. An sonnigen Tagen dürfen die Setzlinge auf den Balkon ins Freie, um sich dennoch an die Witterungsbedingungen zu gewöhnen. Während dieser Zeit lasse ich meine Jungpflanzen probeblühen, um etwas später ausschließlich Exemplare ins Freie zu setzen, deren Geschlecht bekannt ist. Das schont Ressourcen. Auch das erste Topping findet noch vor dem Auspflanzen statt. Als Resultat meiner zweiten Erkenntnis setze ich meine Anzucht-Plants nunmehr erst Mitte Mai aus, wobei ich von Beginn an auf zwei Dinge achte: eine ausreichende Bewässerung und einen sonnigen, windgeschützten Standort.

Der Mai und der Umzug ins Freie

„Servatius’ Mund der Ostwind ist – hat manches Blümlein totgeküsst“.

Die sogenannten „Eisheiligen“ markieren seit Jahrhunderten den Zeitpunkt im bäuerlichen Wirtschaftsjahr, nach dem Freilandkulturen problemlos möglich sind. Hintergrund sind arktische Luftströmungen, die bis heute relativ zuverlässig Mitte bis Ende Mai einmal längs von Norden nach Süden durch Deutschland ziehen. Bayerische Landwirte haben diese Erkenntnis treffend zusammengefasst: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie“. Im Gepäck haben die Herrschaften: Schnee, Schneeregen, Schneegewitter und Nachtfröste. Wenngleich ich mich nicht bewusst an diesen Bauernregeln orientiere, so habe ich deren Folgerungen auch für mein eigenes Handeln akzeptiert. Flexibilität lautet mein Zauberwort. So landen meine Plants bei drohenden Nachtfrösten oder sich andeutenden Schlechtwetterperioden für den entsprechenden Zeitraum in einem kleinen Glashaus aus dem Baumarkt. Ideale Ausweichmöglichkeiten, welche den Menschen in früheren Tagen nicht zur Verfügung standen.

Wenn die Kleinen schließlich in ihr neues Quartier umziehen, kommt endlich die zwischenzeitlich abgelagerte Erdmischung zum Einsatz. Gleichzeitig erfolgt die erste großzügige Düngung, um das Wachstum anzukurbeln. Im Freien ist es meiner Erfahrung nach gerade während dieser Phase wichtig, auf eventuelle „Fraß-Besucher“ zu achten, die meinen Jungpflanzen den Garaus machen könnten – Schnecken, Marder, Waschbären. Doch in den letzten Jahren sind die Folgen des Klimawandels ein weit größeres Problem geworden, als es einzelne Schädlinge je sein könnten. Wer sein Gras im Freien anbaut, der wird bemerkt haben, dass es mit schöner Regelmäßigkeit bereits im Mai zu echten Hitzeereignissen kommt. Bleibt dann auch noch der für das Pflanzenwachstum dringend benötigte Regen aus, hat man als Grower unter Umständen gut zu tun. Dass dieses Phänomen auch unseren Vorfahren nicht fremd war, zeigt die Weisheit: „Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken“. Ein Szenario, welches auch bei uns Heimgärtnern die Ohren klingeln lässt. Hat man diese Bedrohungen jedoch im Griff oder meint es der Wettergott gut mit dem Grow-Projekt, lassen sich im Mai die erweiterten Grundlagen für einen erfolgreichen Grow realisieren. Mitte bis Ende Mai ist übrigens eine gute Zeit, um mit dem Anbau von Outdoor-Automatics loszulegen. Mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von rund 60 Tagen ist mit einem Erntedatum schon zwischen Mitte bis Ende Juli zu rechnen. Zwar benötigen Automatics grundsätzlich keinerlei photoperiodische „Initialzündung“, um mit der Blüte loszulegen. Nichtsdestotrotz fördern die langen Tage um die Sommersonnenwende herum natürlich das Wachstum der Buds.

„Ist der Juni warm und nass, gibts viel Korn und noch mehr Gras“.

Das bringt meines Erachtens schön auf den Punkt, worauf es im Juni – auch beim heimischen Cannabis-Anbau ankommt. Viel Sonne und (wenn möglich nachts) ein gesundes Maß an Niederschlag. Stimmen diese beiden Parameter, können Ackersleute und Grower gleichermaßen ihren Kulturen beim Explodieren zusehen. Allerdings sorgen in den letzten Jahren hierzulande immer wieder massive Hitzewellen dafür, dass Natur und Mensch übermäßig gestresst werden. Ein Problem, das sich potenziell von Mai bis September hinzieht. Da bleibt mir regelmäßig nichts anderes übrig, als Regenwasser zu sammeln. Denn sind die Regentonnen leer, muss ich mühsam Leitungswasser in Kanistern herbeischaffen. Gegenüber früher ist dies eine durchaus privilegierte

Position, aber nicht ideal. Um Blattbildung und Masse-Zuwachs zu unterstützen, erhalten die Plants nach dem Umzug in ihre endgültigen Töpfe großzügig bemessene (aber nicht übertrieben hohe) Düngergaben. Je nach Sorte und gewünschtem Wuchsverhalten steht eventuell ein zweiter Beschnitt der Spitzen an. Mit all diesen Maßnahmen bin ich persönlich meist ganz gut beschäftigt.

Juli

„Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten“. Die vergangenen Jahrhunderte waren erwiesenermaßen im Schnitt deutlich kühler als heute. Ich denke nicht, dass man damals in unseren Breiten allzu häufig – wenn überhaupt – die 40-Grad-Marke geknackt hat. So betrachtet, muss man den Begriff „vor Hitze braten“ ein wenig relativieren. Vielmehr dürfte es sich hierbei um erwünschte Temperaturen von um die 30 Grad Celsius gehandelt haben – ein „klassischer“ Hochsommertag eben. Es ist dies die Zeit, in der die ersten Feldfrüchte mit dem Abreifen begannen. Auch heutiges Cannabis verträgt eine kräftige Portion Sonne, solange für das nötige Nass gesorgt ist. Zumindest in Maßen, denn ein weiteres Datum, welches potenziell von Bedeutung sein kann, ist der „Siebschläfertag“. Eine alte Regel besagt nämlich, dass „das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag“. Durch die Umrechnung vom julianischen auf den gregorianischen Kalender fällt „Siebenschläfer“ ungefähr auf den 7. Juli. Laut Deutschem Wetterdienst trifft diese Bauernregel für Süddeutschland immerhin auf 60 bis 70 Prozent der betreffenden Zeiträume zu. Auch ich kann mich an vergangene Julimonate erinnern, während derer ich missmutig im Garten durch den Regen gestapft bin. Nur fünf oder sechs Jahre später ist die Welt scheinbar eine ganz andere.

„Was der August nicht vermocht, kein September mehr kocht“.

So lautet eine Weisheit, die nach wie vor gilt. Während man als Landwirt früher im August quasi „auf die Zielgerade einbog“ und auf gutes Wetter angewiesen war, spielt der August für den modernen Grasbauern vor allem eine Rolle als Vorbereiter auf den nahenden Beginn der Blüte. Insekten- und Nährstoffkontrolle stehen auf dem Plan. Höhenbegrenzung durch Herunterbinden, wo dies nötig ist. Da ist mir persönlich jedes Wetter – mit Ausnahme der benannten Wetterextreme – recht. Insbesondere die Winzer erhoffen sich bis heute eine August-Wetterlage mit warmen Tagen und wiederkehrenden Regenschauern. „Stellt im August sich Regen ein, so regnet's Honig und guten Wein“. Für mitteleuropäische Maisbauern wäre im vergangenen Jahr dieser Zeitpunkt freilich bereits um Wochen zu spät gekommen. Sie konnten ihren Feldern nur noch beim Vertrocknen zuschauen – die Grenzen der Technik wurden deutlich. Mit meinen Mitteln konnte ich damals den worst case verhindern, mehr aber auch nicht.

September

„Ist Regine warm und sonnig, bleibt das Wetter lange wonnig“.

Der September war und ist ein wichtiger Monat in der Landwirtschaft. Es stehen die letzten Getreide-Ernten an. Nüsse, Äpfel und Birnen gelangen zur Reife. Da bringt jede Sonnenstunde einen Zuwachs an Zucker und Geschmack. Gleiches gilt für Weintrauben, die nun langsam in ihre finale Phase gehen. Spätestens Mitte September erblicken auch deutsche Homegrower die ersten Boten der ersehnten Blüte: die sogenannte Vorblüte. Ab diesem Zeitpunkt ändern sich einige Dinge für den Cannabis-Gärtner. Das Dünger-Verhältnis wechselt von Stickstoff-betont zu Phosphor-/Kalium-lastig. Die benötigte Wassermenge reduziert sich. Dafür beginnt die Anfälligkeit für Schimmel im Außenbereich kontinuierlich zu steigen. Je dichter und kompakter die Buds werden, desto höher ist das Schimmel-Risiko. Da ist sonniges und trockenes Wetter Gold wert. Neben dem Frühjahr ist der Herbst die Anbauphase, welche dem Homegrower die höchste Aufmerksamkeit abverlangt. Mit der abnehmenden Sonnen-Intensität und steigenden Tag-und-Nacht-Temperaturunterschieden wird die Luftfeuchtigkeit eventuell zum Problem. Dauerregen ist ab jetzt maximal unerwünscht. Da sind sich alte Bauern und moderne Grower einig.

Oktober – Ausreizen bis zur Ernte

Im Oktober sind die meisten Acker- und Baumfrüchte geerntet. Am ersten Sonntag des Monats steht das Erntedankfest an. Den wenigen verbleibenden Kohlarten oder Mohrrüben ist das Wetter quasi egal. Nur Winzer und Outdoor-Grower spekulieren noch auf einige sonnige Tage, um ihre Produkte zur optimalen Reife zu bringen. „Hilft der Oktober nicht mit Sonne, hat der Winzer keine Wonne“. Es ist ein Drahtseilakt, der schon so manch nahende Ernte zunichte gemacht hat. Ein Platzregen zu dieser Zeit kann einen ganzen Hügel voller Weintrauben ruinieren. Zu wenig Sonne schadet dem Zuckergehalt. Als Grower könnte man es so formulieren: „Der Oktober zu nass, vergammelt das Gras“. Zwei, drei Tage der Unaufmerksamkeit können genügen, um aus kaum sichtbaren Botrytis-Spuren an den Cannabisblüten großflächige Zerstörungen anzurichten. Auch hier droht ein Totalausfall. Drei Wochen vor der geplanten Ernte stelle ich das Düngen ein. Nun wird nur noch mit reinem Wasser gegossen, um später keine Düngerreste zu schmöken. Ich entferne die großen Deckblätter sowie gelbe Blätter. Damit gelangt mehr Licht an die Buds. Den Reifegrad meines Weeds bestimme ich anhand zweier Parameter: erstens an der Farbe der Trichome, und zweitens an der Farbe der Blüten-Narben oder -Stempel. Wenn die Mehrzahl der Trichome milchig und einige bereits bernsteinfarben sind, schreite ich langsam zur Tat. Im Idealfall sind dann auch die Blüten-Narben von dunkel-orangener Farbe. Auf ein, zwei Tage hin oder her kommt es mir dabei nicht an.

Was den Erntezeitpunkt betrifft, da geht es mir wie den Menschen in früheren Zeiten. Ich wähle, wann immer möglich, einen trockenen, idealerweise sonnigen Tag, um das Arbeitswerk eines ganzen Gartenjahres zu einem guten Ende zu bringen. Ich schnappe mir Pflanze für Pflanze und stelle sie an ein frei zugängliches Plätzchen, wo ich unbehindert rund um die jeweilige Plant herumlaufen kann. Dann schnipple ich alle großen Blätter ab. Es folgen alle anderen, die nicht mit Trichomen behaftet sind. An den Stielen der Pflanzen verbleiben nur die eigentlichen Blüten sowie die sogenannten „Zuckerblätter“, also die kleinen, silbrig schimmernden Blätter, welche die Blüten unmittelbar umschließen. Ist das erledigt, zerlege ich die Pflanze in ihre Einzelteile, und zwar so, dass ich möglichst gleich lange Zweige erhalte. Diese kann ich später bequem zum Trocknen an einer Leine aufhängen. Außerdem erleichtert eine solche Vorgehensweise den Transport des Weeds. Die geernteten Äste werden vorsichtig in Zeitungspapier gewickelt – Pflanze für Pflanze. Dabei ist Vorsicht angesagt, denn die wertvollen Harze sollen nicht an der Verpackung landen. Das ganze Ernte-Sammelsurium wird ebenso vorsichtig in zwei übereinander gestülpte 60-Liter-Müllsäcke gesteckt und dicht verknotet, damit kein verräterischer Geruch austritt. Dann wandert das Ganze am Ende in einen großen Rucksack. Die Ernte zieht sich regelmäßig über Stunden hin und beinhaltet eine Menge Handgriffe. Ganz wie in der historischen Landwirtschaft. Da ist das Wetter nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit. Kein Getreide, kein Obst und kein Weed sollte in nassem Zustand eingepackt werden, auch wenn es später zum Trocknen ausgebreitet oder aufgehängt wird. Das Schimmel-Risiko wäre einfach zu groß. Was für die Menschen früher überlebensnotwendig war, um nicht zu verhungern, ist für uns Grower heute bestenfalls ein Luxusproblem. Trotzdem möchten natürlich auch wir den Lohn für unsere Mühen einfahren. Daher schaue ich für meinen Teil, dass ich möglichst bis Ende Oktober mit allen Arbeitsschritten durch bin, ehe das Wetter im November richtig nasskalt werden kann. Nicht zu Unrecht lautet die letzte Bauernweisheit des Jahres für heute: „Novemberschnee auf nassem Grund bringt gar schlechte Erntestund“.

Fazit:

Betrachtet man die sogenannten Bauernregeln, dann zeigen sich zwei Kategorien. Relative und absolute Regeln. Da sind einmal solche, die sich monatsbezogen auf eine bestimmte Wettersituation beziehen. Also beispielsweise: „Trockenheit im März, wird das Wachstum kein Scherz“, oder so ähnlich. Und dann sind die sogenannten „Lostage“. Das sind gewisse Tage im Kalender, die durch die langjährige Beobachtung der Menschen zu einem wichtigen Faktor bei ihrer Wetterprognose wurden. Die „Eisheiligen“ wären so ein Beispiel. Oder „Siebenschläfer“. Auch „Sankt Martin“ zählt dazu. Hier wird nicht das Wetter für den Tag X angekündigt, sondern wärmere oder kühlere Großwetterlagen zu einem späteren Jahreszeitraum. Beide Kategorien hatten nur ein Ziel: den Menschen Handlungssicherheit zu geben. Das hat in der Vergangenheit erstaunlich gut funktioniert. Überraschend hierbei ist, dass es dies noch immer tut. Nicht ganz zufällig tauchen die Namen der prominentesten Lostage immer wieder in den Wetternachrichten auf – als Bezug zu den jeweils aktuellen Wetterbedingungen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) attestiert einigen der Lostage sogar Trefferquoten von bis zu 75 Prozent. Entscheidend war und ist, dass man sich nicht sklavisch an eine Regel bindet. Man sollte sie als Richtungsweiser verstehen. Quasi als „Gratis-Tool“ mit Wetter-Infos für jeden Outdoor-Grower, der sich neben moderner Vorhersagetechnik auch auf tradiertes Wissen verlassen möchte. In diesem Sinne: Respect da elders!

Euer Ali

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 02-2023.

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