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Hydroponik versus Erde. Welche Methode ist besser?

02.03.2020
grow! Magazin
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Growing

Die ersten Bauern wussten nicht, was Mineralien sind oder dass Pflanzen Mineralien verbrauchen. Sie verstanden das Konzept der Bodendüngung noch nicht, um das Wachstum der Pflanzen gezielt zu verbessern. Vor ungefähr 8000 Jahren begannen sie, den Boden mit Mist zu düngen, nachdem Tierhirten festgestellt hatten, dass die Pflanzen dort besser wuchsen, wo Tiere ihren Kot auf den Boden fallen ließen. Auch dass Tierknochen gemahlen auch als Düngemittel verwendet werden konnten, erkannten sie, denn diese enthalten viel Phosphor und wenig Stickstoff. Während fast der gesamten Menschheitsgeschichte wurden Pflanzen auf Erde angebaut. Doch es geht auch anders. Cannabis ist eine der wenigen Pflanzen, bei denen der Anbau ohne Erde mittlerweile am produktivsten und beliebtesten ist. Doch wie wurde das erdlose Growing entdeckt?

Seit wenigen Jahrhunderten, abgesehen von geringfügigen Vorläufern, die wahrscheinlich schon 2000 Jahre zurückliegen, experimentieren die Menschen mit dem Anbau von Pflanzen in Wasser statt in Erde. Anfang des 16. Jahrhunderts veröffentlichte der britische Philosoph Francis Bacon ein Buch namens Sylva Sylvarum, in dem er spekulierte, dass Pflanzenwurzeln in wasserlöslichen Nährstoffen ohne Erde gedeihen könnten. Der deutsche Chemiker Justus von Liebig veröffentlichte im 18. Jahrhundert agrarchemische Forschungen, die zur Entwicklung der modernen Düngemittelindustrie führten. Liebig entdeckte nützliche Fakten über Stickstoff, Phosphor und Kalium. Er erklärte genau, dass Pflanzen eine minimale Menge einer Vielzahl von Nährstoffen benötigen und dass Pflanzen den Boden auslaugen, sodass Nährstoffe hinzugefügt werden müssen. Sein 1840 veröffentlichtes Buch „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie“ trug dazu bei, moderne Ansätze für die Bodendüngung zu entwickeln.

Im 19. Jahrhundert haben die deutschen Wissenschaftler Julius von Sachs und Wilhelm Knop dokumentiert, dass Pflanzen mindestens neun Elemente benötigen, die dem Wasser zugesetzt werden können, um landwirtschaftliche Düngemittelprogramme mit der Bezeichnung „Lösungskultur“ zu erstellen. Moderne Hydrokultur-Anbaumethoden, wie die Deepwater-Kultur, Aeroponik und Nährstoff-Film-Technik (NFT), sind bekannte Beispiele dafür. Die Lösungskultur wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Forscher William Gericke (Universität Kalifornien) populär gemacht. Gericke wurde berühmt, nachdem Zeitungen und Zeitschriften Fotografien seiner gigantischen Tomatenpflanzen veröffentlichten, die in Fässern mit mineralisiertem Wasser, angebaut wurden. Er behauptete, dass die Lösungskultur 100 % mehr Ertrag erbringe und im Vergleich zum Wachstum in Erde eine geringere Gartengröße benötige. Gericke und ein Kollege entwickelten den Begriff „Hydroponik“, der mit „Wasser-Betrieb“ oder „Wasserlandwirtschaft“ übersetzt werden kann. Die Landwirtschaft startete eine massive Kampagne, um Gericke und seine Hydroponik zu diskreditieren. Die Industrie überzeugte die University of California, Gericke so zu behandeln, als wäre Hydroponik Betrug. Daraufhin verließ Gericke die Universität und veröffentlichte 1940 das Buch „Complete Guide to Soilless Gardening“ (Umfassende Anleitung zum erdlosen Gärtnern). Das Buch ist noch heute erhältlich und eines der nützlichsten, technisch faszinierendsten Bücher für Cannabis-Züchter, die sich für Hydrokultur interessieren. Die Hydroponik verschwand in den späten 40er Jahren größtenteils aus dem Blickfeld, erlebte jedoch eine Renaissance, als Cannabis-Grower in den 60er und 70er Jahren nach Wegen suchten, das Wachstums-Tempo, den Ertrag und die Potenz von Cannabis zu maximieren. Die hydroponische Cannabis-Industrie fand zuerst in den Niederlanden Beachtung und wurde dann in Nordamerika vorangetrieben. Der Aufstieg der Hydrokultur ging mit dem des Indoor-Anbaus unter künstlichem Licht einher.

Super-Erde: Nur Wasser hinzufügen

Cannabis-Grower sind anspruchsvoll, da ihre Ernten viel wert sind und sie zudem rechtliche Risiken eingehen. Sie entwickeln sich oft zu wahren „Nerds“, sind von Anbaumethoden und -materialien besessen. Sie lieben das schnellste Wachstum, schwere Ernten und wünschen sich die meisten Cannabinoide und Terpene in ihren Blüten. Die Debatte darüber, ob der Anbau auf Erde oder Hydrokultur die beste Anbaumethode ist, ist von dieser Besessenheit motiviert. Eines meiner Experimente zur Beantwortung der Frage besteht darin, Pflanzen auf möglichst fruchtbarer Erde zu ziehen. Ich mische mir nach einem Rezept eine Erdmischung, die Grower bei uns in den USA als „Super Soil“ (Super-Erde) bezeichnen. Dieser Erd-Mix gibt den Pflanzen alles, was sie vom frühen Wachstumsstadium bis zum Ernten brauchen. Es wird lediglich sauberes Wasser gegossen, kein zusätzlicher Dünger.

Für einen reibungslosen Start verwende ich eine Basiserde. Diese enthält nur wenige oder gar keine Nährstoffe. Das prozentuale Verhältnis von Stickstoff, Phosphor und Kalium (N-P-K) liegt deutlich unter 1-1-1. Der nächste Schritt besteht darin, die Rohstoffe zu besorgen, die die Nährstoffelemente liefern.

Hier ist mein favorisiertes Super-Soil-Rezept:

  • 0,34m³ (12 Kubikfuß) neutrale Erde. Hinzu mische ich Folgendes:
  • 1 kg Fischgrätenmehl
  • 2 kg Blutmehl
  • 1 kg normales Knochenmehl
  • 12 kg Wurmmist
  • 2 kg Fledermaus-Guano mit hohem Phosphorgehalt
  • 400 g Austernschale
  • 400 g Seetang-Mehl
  • 400 g Alfalfa-Mehl
  • 115 g Bittersalz
  • 150 g Dolomit-Kalk
  • 300 g Azomite (organisches Mineralpulver)
  • 50 g pulverisierte Huminsäure
  • 450 g nützliche Mykorrhizae (Pilze).

Wie man sehen kann, erfordert das Super-Soil-Rezept spezielle Zutaten. Die meisten sind in gut sortierten Gärtnereien erhältlich, einige habe ich jedoch im Spezialfachhandel für Gärtnereibedarf bestellt. Sobald man die Materialien parat hat, braucht es einen sauberen Ort, um sie zu mischen. Das Mischen all dieser Komponenten macht Dreck und staubt. Man sollte dies also nicht im Haus oder in der Wohnung tun und besser eine Staubmaske tragen, um vor umherfliegenden Partikeln geschützt zu sein.

Ich lege dazu eine riesige Plane auf den Boden meiner Garage und kippe alle Zutaten darauf zusammen. Dann verbringe ich eine halbe Stunde damit, die Mischung mit einer Schaufel zu mischen. Nach dem anfänglichen Mischen füge ich Perlite hinzu, mindestens 10 % und mische es erneut. Perlite verleiht der Wurzelzone Belüftung und Porosität, wodurch die Sauerstoffversorgung der Wurzelzonen erhöht wird, was den Wurzeln in mehrfacher Hinsicht zugute kommt und gleichzeitig Staunässe verhindert.

Der Prozentsatz an Perlite sollte entsprechend der spezifischen Anbausituation angepasst sein. Wenn ich beispielsweise in einem sehr heißen und trockenen Klima outdoors anbaue, reduziere ich die Perlitemenge, um die Feuchtigkeit in der Wurzelzone zu halten (Perlite erhöht die Entwässerung und Verdunstung). Wenn ich in einer sehr dunstigen, feuchten Umgebung mit starken Niederschlägen growe, erhöhe ich den Perliteanteil, um Entwässerung und Verdunstung zu erleichtern.

Nachdem ich Perlite in die Super Soil gemischt habe, schaufle ich die Mischung in 75-Liter-Fässer aus verzinktem Stahl, die an einem kühlen, dunklen Ort gelagert werden (aber nicht bei Temperaturen unter 17 oder über 30 °C). Ich gieße elf Liter reines Wasser in jedes Fass und lasse sie mindestens einen Monat, wenn nicht länger, offen stehen. Es hilft, die Fässer erneut auszukippen, um die Materialien noch einmal zu vermengen. Diese Wartezeit und das erneute Mischen sind erforderlich, damit die Mineralien „umgewandelt“ werden, sodass die darin enthaltenen Nährstoffelemente über die Wurzeln aufgenommen werden können.

Super Soil ist zu nährstoffreich, um junge Keimlinge oder neu bewurzelnde Klone hineinzusetzen. Ich starte meine Setzlinge und Klone in kleinen Behältern in der Basiserde und gebe ihnen ein bis drei Wochen, um mehrere Blattpaare zu entwickeln, bevor ich sie in den Super Soil umpflanze. Während sie in ihren kleinen Behältern sind, gieße ich sie mit einer sehr verdünnten, niedrig konzentrierten Nährlösung in einem Bruchteil der für reife Pflanzen empfohlenen Dosis. Es passiert schnell, junge Wurzeln mit überschüssigen Nährstoffen zu schädigen.

Ich teste immer jede neue Charge Super Soil mit Pflanzen wie Salat und Tomaten, bevor ich sie für Cannabis verwende. Dieser Test zeigt eines der Probleme bei der Gartenarbeit ohne Hydrokultur: Man hat keine vollständige Kontrolle über die Nährstoffbeladung oder den pH-Wert in der Wurzelzone. Wenn die Super Soil oder ein anderes Medium, mit dem man growt, die falschen Verhältnisse und/oder Mengen an Nährstoffen oder den falschen pH-Wert aufweist, kann der Boden für Cannabispflanzen ungünstig sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, zuerst die Erde an anderen Pflanzen zu testen. Wenn die modifizierte Erde zu reichhaltig ist, besteht in den meisten Fällen die Lösung darin, neutrale Erde zuzugeben, um eine ausreichende Verdünnung zu erreichen.

Wenn Super Soil richtig gemischt und gealtert ist, bietet es einen optimalen pH-Wert der Wurzelzone (zwischen 6,0 und 6,6) und ausreichend Nährstoffe, um robustes Wachstum bis zum Ende der Blütephase für Cannabissorten mit einer Blütephasendauer von 56 Tagen oder weniger zu fördern. In Super-Soil-Anlagen zeigen Cannabisblätter gegen Ende der Blütephase Herbstfarben (Rot, Gelb, Orange), was ein Hinweis darauf ist, dass der Boden keine Nährstoffe mehr enthält. Diese Änderung der Blattfarbe wird als „Verblassen“ bezeichnet. Die Nährstoffverarmung des Bodens, die das Verblassen verursacht, funktioniert genauso wie das Spülen mit Spüllösung und reinem Wasser, um Hydrokultur-Cannabispflanzen oder überschüssige Nährstoffe in der letzten Woche vor der Ernte zu entfernen. Wenn auf Super Soil gewachsene Pflanzenblätter verblassen, aber in der Blütephase noch mehr Zeit benötigen, muss man Nährstoffe für die Blütephase verwenden, um den erschöpften Boden anzureichern.

Dazu noch zwei abschließende Informationen:

Erstens, das vorgestellte Super-Soil-Rezept ist eines, mit dem ich perfekt arbeiten konnte, aber aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheiten von Erden und Ergänzungen, die erhältlich sind, kann man mit Mengen und Verhältnissen auch experimentieren, um eine Super Soil zu schaffen, die für einen persönlich funktioniert. Zweitens kann die Super Soil mindestens sechs Monate lang in sauberen Metallbehältern gelagert werden.

Andere Möglichkeiten des Cannabis-Growings

Die Super-Soil-Methode ist nur eine von mehreren Nicht-Hydrokultur-Cannabis-Anbaumethoden. Einige Grower kaufen handelsübliche Erde, die mit genügend Nährstoffen für eine ganze Cannabis-Vegetationsperiode angereichert ist. Bei diesem Ansatz gibt es mehrere Schwierigkeiten:

  • Die meisten handelsüblichen Erden sind nicht so sauber, wie man es gerne hätte, da sie Wurzelblattläuse, Milben und andere Schädlinge enthalten können.

  • Es gibt große Unterschiede bei der Qualität und den Inhaltsstoffen in vorgemischten Erden, was manchmal zu einer schlechteren Nährstoffzufuhr und einem schlechteren pH-Wert in der Wurzelzone führt.

  • Vorgemischte Erde kann teuer sein.

  • Erde, die eine Nährstoffladung enthält, die angeblich ausreicht, um Pflanzen von Anfang bis Ende zu versorgen, ist für junge Sämlinge und Klone zu reichhaltig.

  • Vorgefertigte Erde enthält häufig zu wenig Perlite. Daher ist sie zu dicht und muss meistens zusätzlich damit angereichert werden.

  • Viele handelsübliche Erdmischungen basieren auf Kokos, was zu Problemen bei der Nährstoffaufnahme führen kann, da Kokos möglicherweise Natrium enthält oder andere Eigenschaften aufweist, die die Nährstoffaufnahme und die Wurzelgesundheit beeinträchtigen.

Eine andere Methode ohne Hydrokultur für den Cannabisanbau besteht darin, in jedem Pflanzentopf verschiedene Schichten und Zonen an Erddüngung nach Maß herzustellen. Diese fortgeschrittenen Techniken werden in zwei Büchern erklärt, die jeder Cannabis-Züchter haben sollte. Eines dieser Bücher ist „The Organic Grow Book“ von Karel Schelfhout (Deutsch: Das Bio-Growbuch). Das andere Buch ist „True Living Organics“: Der ultimative Leitfaden für den Anbau von natürlichem Marijuana in Innenräumen, verfasst von „The Rev.“. Diese Bücher bieten bebilderte, schrittweise Anleitungen für fortschrittliche Erdbodenbearbeitungstechniken wie das Spicken und Schichten. Das Schichten (Laying) erfolgt, wenn verschiedene Erdkonfigurationen in einem Topf übereinandergeschichtet werden. Die untere Schicht ist so konstruiert, dass sie weniger Stickstoff und mehr Phosphor und Kalium enthält. Die oberen Schichten enthalten mehr Stickstoff und weniger Phosphor und Kalium. Die oberste Schicht ist häufig eine neutrale Erde mit einer sehr geringen Nährstoffkonzentration. Die Theorie besagt, dass die Pflanzen zunächst zarte Wurzeln haben und nur wenig Nährstoff benötigen. Während ihrer Entwicklung benötigen sie eine stickstoffreiche Bodenzone für die Wachstumsphase und später eine P-K-reiche Bodenzone für die Blütephase.

Spicken (Spiking) bezieht sich auf das Einbringen von gehärteten körnigen Düngeteilchen („Spikes“ oder „Pucks“) in den Boden oder das Hinzufügen von Taschen mit pulverförmigen nützlichen Mikroben und Nährstoffelementen an bestimmten Stellen in der Erde, wenn die Erde in den Topf gegeben wird. Gehärtete körnige Düngemittelprodukte lösen sich beim Gießen der Pflanzen langsam auf und verteilen Nährstoffe und andere Wachstumsstimulanzien in der Wurzelzone. Ich habe erfolgreich mit einem Erdverbesserungsprogramm von Karel Schelfhout experimentiert. Sein „Biotabs“-Programm umfasst körnige Pucks mit zeitabhängiger Freisetzung sowie Pulver, nützliche Mikroben und Kompost-Tees, die meine Cannabispflanzen während der gesamten Blütezeit befeuerten. Ich musste nur Wasser gießen.

Das Wort "Bio" wird in den Titeln der beiden von mir empfohlenen Bücher verwendet. Es ist jedoch schwierig, 100 % organische handelsübliche Erden oder organische Düngemittel zu finden. Viele Zutaten für die Herstellung von Super Soil und organischen Düngemitteln wie Knochenmehl und Blutmehl stammen aus der Massentierhaltung und der Fischerei. „Ökologischer Cannabis-Anbau“ bedeutet, wenn man es offiziell behördlich streng nimmt, in Erde zu growen, ohne dass Nährstoffe aus synthetischen Düngemitteln hinzugefügt werden. Das Wort „natürlich“ beschreibt es in den meisten Fällen genauer.

Hydroponische Anbau-Systeme: Die Insider-Story

Es gibt zwei Arten von Hydrokultur. Die eine verwendet feste Medien wie Steinwolle oder Kokosfaser in der Wurzelzone. Die andere Art arbeitet nur mit Luft, Wasser und Nährstoffen in der Wurzelzone. Die Systeme für feste Medien verwenden Tropfbewässerung, Ebbe und Flut, Handbewässerung oder Saugwirkung (Unterdruck), um nährstoffreiches Wasser in die Wurzelzone zu befördern. Es setzt sich in der Wurzelzone ab und überflüssiges Wasser kehrt in ein zentrales Reservoir zurück, in dem die Nährlösung gelagert, belüftet und temperiert wird.

Die Hydrokultursysteme, die kein festes Medium verwenden, sind Systeme, die im Allgemeinen Tanksystemen ähneln und bereits im frühen 19. Jahrhundert von Gericke verwendet wurden. In der Deepwater-Kultur werden Cannabiswurzeln auf einer Art Ring fixiert, sodass sie in einen Eimer baumeln, der teilweise mit kohlensäurehaltigem, nährstoffreichem Wasser gefüllt ist. In der Aeroponik werden die Wurzeln in der Luft gehalten. Verteiler sprühen dann nährstoffreiches Wasser auf die Wurzeln. Das restliche Wasser fließt zurück in ein zentrales Reservoir. Ein anderes Hydrokultursystem wird „Nährstofffilmtechnik“ oder NFT genannt. Die Wurzeln werden auch hier auf einem Ring gehalten und hängen über dem Boden eines Nährstoffbehälters, in dem ein Strom nährstoffreichen Wassers in einem umlaufenden Reservoirsystem wieder zurückfließt.

Die Handbewässerung ausgenommen, setzen alle Hydroponiksysteme auf Techniken mit Pumpen und Zeitschaltuhren sowie auf Elektrizität. Wenn Geräte oder Elektrizität ausfallen, werden den Pflanzen Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe entzogen, und sie können innerhalb weniger Stunden verenden. Professionelle Züchter wissen, dass ein Notstromgenerator, Batteriesysteme und ein permanentes Überwachen des Hydrokultursystems unerlässlich sind. Es gibt neuerdings automatisierte drahtlose Systeme, die das gesamte Fertilisationssystem überwachen und Textmeldungen an den Grower senden, wenn die Nährwassertemperatur, der pH- oder EC-Wert und andere Faktoren festgelegte Grenzwerte überschreiten. Diese Monitore senden auch Notfallbenachrichtigungen, wenn Strom- oder Bewässerungsgeräte ausfallen.

Vergleich von Cannabis-Growing in Hydroponik oder Erde

Nachdem wir nun die Methoden, Materialien, Kosten und logistischen Unterschiede zwischen Erd- Anbau und Hydrokultur untersucht haben, möchte ich herausfinden, welche der beiden Methoden für den Cannabisanbau „besser“ ist.

Beginnen wir mit der Untersuchung der nachgewiesenen Vorteile des Anbaus auf Erde:

  • Wenn Super Soil, Spicken oder Schichten zur Anwendung kommen, ist das Growen auf Erde einfacher, kostengünstiger und zeitsparender als Hydrokultur.

  • Die anfänglichen Kosten für die Beschaffung von Materialien zur Herstellung von Super Soil oder für den Kauf von hochwertigen kommerziellen Erden können erheblich sein, sind jedoch in der Regel mindestens 50 % günstiger als die Anschaffung eines Hydrokultursystems.

  • Da die Erde als Puffer, Wasserspeicher und Schutzmittel fungiert, sind in Erde angebaute Cannabispflanzen im Vergleich zu Wurzeln in Hydrokultursystemen nicht anfällig für Wasserentzug und extreme Wurzelzonentemperaturen.

  • Mit nützlichen Mikroben, Humaten, Komposttees und anderen Materialien und Strategien können die Erzeuger „lebendigen Boden“ schaffen, der die Wurzeln schützt und ihre Leistung verbessert.

Jetzt fassen wir die nachgewiesenen Vorteile des hydroponischen Growens zusammen:

  • Der Erzeuger hat die vollständige Kontrolle über die Verhältnisse und die Zufuhr von Nährstoffen zu den Wurzeln.

  • Der pH-Wert, die Sauerstoffzufuhr und die Temperatur der Nährlösung können präzise gesteuert werden, was zu einer effizienteren Nährstoffaufnahme und gesünderen Wurzeln führt. In reinen Hydrokultursystemen weist die Wurzelzone eine intensive Sauerstoffversorgung auf, wodurch ein schnelleres, robusteres Wachstum und höhere Erträge erzielt werden.

  • Hydroponik-Klonsysteme bieten im Vergleich zu Erde eine viel höhere Anwuchsrate.

  • Hydrokulturzüchter können Nährstoffarten, -verhältnisse und -mengen so anpassen, dass sie den sich ändernden Bedürfnissen von Pflanzen in verschiedenen Wachstumsphasen entsprechen.

  • Der Züchter kann die Wurzelzone im Falle von Nährstoffüberschüssen, Schädlingen, falschem pH-Wert und anderen Problemen schnell spülen und sanieren. Es ist viel schwieriger und manchmal unmöglich, dies in Erdbodenwurzelzonen hinzubekommen.

Im Laufe der Jahrzehnte, in denen Cannabis angebaut wurde, habe ich viele Tests durchgeführt, bei denen identische Klone nebeneinander in Indoor-Grow-Projekten gezüchtet wurden, wobei die eine Hälfte der Klone in einer Super Soil oder einem anderen Erdsystem und die andere Hälfte in einem Hydroponik-System aufwuchs. Mein Ziel war es, die wichtigsten Leistungsparameter der Anlage zu messen, darunter:

  • Wie schnell wachsen die Pflanzen aus Samen und Klonen zu reifen Pflanzen mit mehreren Blattpaaren und voll funktionsfähigen Wurzelsystemen?

  • Wie robust, kompakt, schädlings- und krankheitsresistent sind die Pflanzen?

  • Wie schnell zeigen die Pflanzen vorblühende Blütenstände, wie schnell entwickeln sie sich und wie zahlreich sind sie?

  • Wie groß, harzig, kompakt und schwer sind die Blüten?

  • Wie schnell endet die Blütephase, und wann sind die Pflanzen bereit für die Ernte?

  • Was ist das Gesamterntegewicht?

Die anderen Faktoren, die beim Vergleich zu messen sind, sind die Kosten in Bezug auf Zeit, Geld und Aufwand. Anbau auf Erde kostet weniger Zeit, Fachwissen und Geld. Obwohl der Zeit-, Geld- und Arbeitsaufwand für die Herstellung und Alterung von Super Soil nicht unerheblich ist, ist er immer noch geringer als der Aufwand für den Kauf, die Einrichtung, Überwachung und den Betrieb eines Hydroponiksystems.

Zum Beispiel habe ich für 675 Euro ein 8-Topf-Deepwater-Kultursystem gekauft. Ich kaufte aber auch noch eine Kältemaschine, einen Belüftungsstein und eine Pumpe, Hydrokultur-Nährstoffe, pH- und EC-Messgeräte, eine Umkehrosmose-Wasserfiltrationseinheit und andere Materialien, um die Anlage zu betreiben. Diese Vorrichtungen erhöhten die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb des Hydrosystems um 480 Euro.

Demgegenüber kostete mich die Arbeit, Super Soil in ausreichender Menge herzustellen und Töpfe zu kaufen, rund 230 Euro. Ich habe Regenwasser und Grundwasser anstelle von Umkehrosmose-Wasser verwendet. Gegen Ende der Blütephase, als die Pflanzen noch nicht zur Ernte bereit waren und die Super Soil keine Nährstoffe mehr enthielt, musste ich organische Nährstoffe im Wert von etwa 45 Euro dazukaufen und verwenden, um die Pflanzen zur vollen Blütenreife zu bringen. Die Gesamtkosten für die Bewirtschaftung der Hydrokultur sind im Vergleich zur Erde höher, insbesondere einschließlich der anfänglichen Anschaffungskosten.

Die Befürworter von Hydroponik behaupten, dass die erhöhten Kosten und die technologische Raffinesse, die für die Durchführung von Hydroponik erforderlich sind, durch das erhöhte Wachstumstempo, die Pflanzengesundheit, den Ertrag und die Potenz ausgeglichen werden. Erde- und Bio-Cannabisgrower behaupten, dass ein ökologisch bewirtschafteter Boden in diesen Ernteparametern den Hydrokulturgärten gleichwertig seien. Sie behaupten auch, dass Bio-Cannabis viel besser schmeckt und riecht als Hydrokultur-Cannabis.

In meinen Vergleich-Tests haben die Daten folgende Schlussfolgerungen ergeben:

  • Der Wachstumsfortschritt in der Wachstums- und Blütephase ist in reinen Hydrokultursystemen um 5 bis 17 % schneller als bei Anbau auf Erde.

  • Wurzelwachstum, Masse, Funktion und Gesundheit in der Hydrokultur sind denen in Erdsystemen überlegen.

  • Pflanzen in der Blütephase reifen schneller und sind 3 bis 15 % schneller zur Ernte bereit als in Erdsubstraten.

  • Ertrag und Potenz pro Watt sind in der Hydrokultur 5 bis 10 % höher als in Erde.

  • Fantastischer Geschmack und Geruch sind in den Buds vorhanden, egal ob in Hydrokultur oder in Erde, wenn richtig gegrowt wurde.

Ich hatte Situationen, in denen Pflanzen durch Schädlinge, Krankheiten oder andere Faktoren geschädigt wurden und von vorübergehenden und manchmal drastischen Änderungen im Düngeprogramm profitierten, wie dem Hinzufügen von Eisen, Magnesium, Kalzium und B-Vitaminen in die Wurzelzone für einige Tage, bis die Pflanzen sich erholten.

Abhilfemaßnahmen sind in einem Hydrokultursystem einfach und in einem Erdsubstrat viel schwieriger durchzuführen. Der Nachteil der Hydrokultur besteht darin, dass sie sich ausschließlich auf synthetische Düngemittel, Nahrungsergänzungsmittel und Technologie stützt. Es gibt ein Dutzend großer Marken, deren Qualität sehr unterschiedlich ist. Das Growen mit Hydroponik erfordert präzise und leistungsstarke Technologien. Ein Beispiel ist ein pH-/EC-Meter: Günstigere Messgeräte, die weniger als 100 Euro kosten, sind häufig schon nach wenigen Monate im Gebrauch defekt. Man muss Kalibrierungsflüssigkeit kaufen und die Messfühlersonden routinemäßig reinigen und die Messgeräte neu kalibrieren. Ich besitze drei teure pH- und EC-Messgeräte, nur um sicherzustellen, dass ich immer eines habe, das einwandfrei funktioniert.

Die gleiche Art von technologischem Ärger kann bei defekten Pumpen, Nebelsprühgeräten, Umkehrosmoseanlagen usw. auftreten, die für Hydrokultur erforderlich sind. Ich verwalte täglich mindestens eine Stunde meinen Hydrokultur-Cannabisgarten, auch wenn ich über eine Automatisierung verfüge, die einen Teil meiner Arbeit für mich erledigt. Schließlich benötigt man eine zuverlässige Stromversorgung sowie ein Bewässerungssystem, um Hydrokulturen zu betreiben, die nicht von Hand bewässert werden. Pflanzen, die in Steinwolle- und Kokosfaser-Hydrosystemen wachsen, können ein oder zwei Tage überleben, wenn Störungen auftreten, Cannabis-Pflanzen in Hydrokultur gehen jedoch sehr schnell ein, wenn das strom-/pumpengetriebene Bewässerungssystem ausfällt. Professionelle Hydrokultur-Cannabis-Grower investieren deshalb in Notstromaggregate. Nützliche Generatoren kosten mindestens 550 Euro, und die zuverlässigsten und leistungsstärksten Geräte kosten viel mehr, sind laut und umweltschädlich und werden fast immer mit Diesel und anderen schmutzigen fossilen Brennstoffen betrieben.

Im Gegensatz dazu kann man Cannabis in Erde von Hand gießen und es dauert nur ein paar Minuten pro Tag. Die Messung des pH-Werts ist nicht ganz so wichtig, da Erde generell als pH-Puffer fungiert. Man kann die Pflanzen in Töpfe mit Untersetzern oder Auto-Pot-Systeme stellen, die automatisch über mehrere Tage hinweg ausreichend bewässern. Stromausfälle verursachen Probleme mit der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Beleuchtung. Düngemittel für Erde kosten weniger als für Hydrokultur und sind einfacher zu verwenden. Beim Outdooranbau sind gedüngte Erden der einzige Weg zu growen. Im Gewächshaus oder im Freien Hydrokultur zu betreiben, bietet sich nicht gerade an.

Wenn man von mir erwartet, dass ich sage, Erde ist besser als Hydroponik oder umgekehrt – das kann ich nicht. Ich kann aber versichern, dass richtig gespültes, hydroponisch angebautes Cannabis genauso gut schmeckt, riecht und brennt wie in Erde angebautes Bio-Cannabis. Und wenn jemand viel Geld und Zeit investiert, um eine reine Hydrokultur aufzubauen, wird derjenige ein schnelleres Wachstum und höhere Erträge erzielen, als wenn er in Erde in derselben Umgebung unter denselben Lichtverhältnissen anbaut.

Wenn man über genug Geld für einen klimatisierten Indoor-Growroom mit einem Hydroponiksystem und die erforderlichen synthetischen Nährstoffe, pH- und EC-Messgeräte usw. für den Betrieb der Anlage erforderliche Betriebsmittel verfügt, sollte man hydroponisch growen. Auf der anderen Seite erhält man beim Growing auf Erde einen akzeptablen Wachstumsfortschritt, Potenz und Ausbeute. Zudem bedarf es niedrigerer Anschaffungs- und Betriebskosten. Es erfordert, nur alle paar Tage zu gießen und eine gute Erde herzustellen oder eine schwach gedüngte Erde mit passendem Dünger zu versorgen. Ich verwende Erde in meinen Outdoor-Gärten und Hydroponik in meinen Indoor-Gärten. So habe ich das Dilemma zwischen Erde und Hydroponik gelöst!

Steve Davis

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 6-2019. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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