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Growing - Der pH-Wert im Fokus

12.09.2018
grow! Magazin
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Messen, Regeln und Ermitteln

Messen sind etwas für fromme Kirchgänger, mit Regeln haben es Grower in Deutschland auch schwer
und mit dem Ermitteln haben versteckte Gärtner auch weniger gute Erfahrungen gemacht - mit einer Ausnahme.
Denn geht es um den pH-Wert des Wassers, sind genau diese drei Dinge der Garant des wachsenden Erfolges.
Die Abkürzung „pH“ steht für pondus Hydrogenii oder potentia Hydrogenii und bedeutet so viel wie
Wassergewicht oder Wasserkraft (lat. pondus = Gewicht; potentia = Kraft; hydrogenium = Wasserstoff).
Er gibt Auskunft darüber, wie sauer oder wie basisch/alkalisch das Wasser ist.

 

Der pH-Wert im Fokus

Ist der pH-Wert niedriger als 7, so spricht man von saurem Wasser. Liegt der Wert über 7, spricht man von basischem oder alkalischem Wasser, das in mitteleuropäischen Breitengraden oft einen hohen Kalkgehalt aufweist. Stark kalkhaltiges Leitungswasser hat einen hohen Härtegrad, was nicht unbedingt förderlich für die Vitalität der Pflanzen ist. Der Härtegrad lässt sich als Folge des hohen Kalkgehalts allerdings, anders als der pH-Wert, nicht durch Zusätze ausgleichen. Je nach Aufbereitungsanlage des heimischen Wasserwerks oder Förderorts des Wassers gibt es erhebliche Schwankungen des pH-Wertes. Informationen zum Härtegrad und dem pH-Wert des eigenen Wassers gibt es bei den örtlichen Wasserwerken.
Leitungswasser besitzt in der Regel einen leicht alkalischen pH-Wert zwischen 7 und 8, weshalb ein/e Heimgärtner/in diesen nachregulieren sollte. Der richtige pH-Wert ist entscheidend für die Nährstoffaufnahme. Unterschiedliche Mikro- und Makro-Nährstoffe können abhängig vom pH-Wert des Gießwassers unterschiedlich gut aufgenommen werden. Da die Pflanzen jedoch einen Mix aus den verschiedensten Nährstoffen benötigen, darf das Wasser weder zu sauer noch zu basisch sein. Deshalb gibt es, abhängig vom Medium, einen relativ kleinen Bereich, in dem die Pflanzen alle wichtigen Nährstoffe aufnehmen können.

Der richtige pH-Wert hängt vom Medium ab

Legale Grower in den USA und Kanada nutzen auf Erde einen pH-Wert zwischen 6,1 und 6,5, damit ihre Pflanzen Nährsalze besser aufnehmen können, die mit dem Dünger in das Erdreich gelangen oder bereits in einem vorgedüngten Substrat vorhanden sind. Doch Erde „verzeiht“ einen falschen pH-Wert noch am ehesten, weil das Medium Erde an sich sehr gut puffert, also den pH-Wert dem des Mediums angleicht. Auch zur Bestimmung des pH-Werts der Erde gibt es im Fachhandel spezielle pH-Sonden, die zum Messen in die Erde gesteckt werden. Wer den pH-Wert seiner Erde selbst messen möchte, gibt 100 g einer Bodenprobe in ein leeres Einmachglas und vermischt dies anschließend mit 100 ml destilliertem Wasser. Nach gutem Schütteln und zehn Minuten Warten kann der pH-Wert mit einem Lackmusstreifen oder einem pH-Messgerät (s.u.) bestimmt werden.
Beim Anbau auf hydroponischen Medien wie Steinwolle oder Hydrokorrels ist eine pH-Kontrolle unabdingbar. Dort sollte der pH-Wert zwischen 5,5 und 5,8 liegen und täglich kontrolliert sowie gegebenenfalls reguliert werden, denn im Gegensatz zu Erde puffern diese Medien den pH-Wert nicht durch die unzähligen Mikroorganismen und einzigartige Bodenflora. Beim Anbau auf Kokossubstrat wählen erfahrene Heimgärtner meistens einen pH-Wert zwischen 5,7 und 6,0: Kokosfasern sind zwar eigentlich auch ein hydroponisches Medium, doch anders als bei Steinwolle oder Hydrokorrels fühlen sich Mikroorganismen hier wohl. Erfahrene Grower verbessern die Bodenflora von Kokossubstrat gerne mit Trichoderma-Pilzen und anderen, nützlichen Mikroorganismen, die auch zur Stabilisierung des pH-Werts beitragen.

Wer mit Leitungswasser gießt, sollte zudem darauf achten, dieses in einem offenen Behältnis 24 Stunden stehenzulassen, damit sich das im Wasser gelöste Chlor verflüchtigt. Als Alternative zum Leitungswasser nutzen viele Indoor-Gärtner mittlerweile Osmosewasser. Hier darf der pH-Wert erst nach Zugabe des Düngers reguliert werden, da das Zugeben von pH-senkenden oder auch steigernden Zusätzen mit reinem Osmosewasser nicht funktioniert – das Messgerät geht dann sozusagen nach dem Mond, die angezeigten Werte springen ständig und stabilisieren sich nicht.
Ein falscher pH-Wert kann eine Kettenreaktion verursachen

Ist der pH-Wert zu hoch oder zu niedrig, können die Pflanzen einige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen. Das führt einerseits zu spezifischen Mangelerscheinungen und andererseits zu einem Überangebot von Nährstoffen im Substrat. Als Kettenreaktion verbrennen die Wurzeln der Pflanzen aufgrund des Dauerkontakts mit den Nährsalzen regelrecht und weitere Blattschäden sind die Folge. Deshalb ist es von Vorteil, bei der Indoor-Zucht selbst auf Erde stets ein Auge auf den pH-Wert zu werfen. Zudem schädigen extreme pH-Werte die Pflanzenorgane auch beim Sprühen ähnlich wie saurer Regen.

 

Growing - Der pH-Wert im Fokus

Den pH-Wert messen

Um den pH-Wert zu ermitteln, sind im Handel die verschiedensten Geräte erhältlich. Von preisgünstigen Einweg-pH-Messstreifen bis hin zu teuren elektronischen Messgeräten gibt es eine Vielzahl an Produkten. Bei den günstigen Messgeräten ist die Elektrode fest verbaut und lässt sich nicht austauschen. Hochwertigere Geräte haben meist eine austauschbare Elektrode oder eine externe Messsonde, die im Schadensfall relativ kostengünstig ausgetauscht werden kann. Die Preisspanne liegt hier zwischen 30 und 300 Euro.

Den pH-Wert erhöhen

Zum Erhöhen des pH-Werts kann man neben dem im Growshop als pH+ angebotenen Kaliumhydroxid-Lösungen verschiedene Produkte oder auch Mittel, die man oftmals in Muttis Küche findet, verwenden. Backpulver oder auch Kaiser-Natron a.k.a. Natriumhydrogencarbonat (bzw. Natriumbicarbonat) haben einen stark pH-steigernden Effekt. Landwirte und Gärtner nutzen zu pH-Steigerung Dolomitkalk, den es in großen Gebinden in jedem Gartencenter oder Growshop gibt.

Den pH-Wert senken

Zum Senken des pH-Werts gibt es ebenfalls altbewährte Hausmittel, die sich in jeder gut sortierten Küche finden sollten. Zitronensäure, die im Handel als Ascorbinsäure (Vitamin-C-Pulver) oder einfach als Zitronen- oder Limettensaft verkauft wird, eignet sich bestens zum Senken des pH-Werts. Ist die gerade nicht zur Hand, tut es ein wenig Essigessenz.
Im Growshop werden Salpetersäure für die Wuchs- und Phosphorsäure für die Blütephase sowie Zitronensäure in Bioqualität für den organischen Anbau angeboten. Einige Düngerfirmen bieten neben dem Düngersortiment Produkte zum Erhöhen oder zum Senken des pH-Werts an. Beim Hantieren mit den Säuren und Basen sollten immer Gummihandschuhe und gegebenenfalls eine Schutzbrille getragen werden, da diese Lösungen zu Hautreizungen führen können.

 

Das Aufbewahren eine pH-Messgeräts

Elektroden müssen in Kalziumchlorid (Kcl)-Lösung, jedoch niemals in destilliertem Wasser aufbewahrt werden, da eine Elektrode in wässrigen Lösungen wie Osmose- oder destilliertem Wasser auf dem Sensor eine unsichtbare Schmutzschicht bildet, der die Messgenauigkeit beeinflusst.
Bei der Aufbewahrung der Elektrode über mehrere Wochen oder Monate kann man wählen, ob sie trocken oder feucht gelagert werden soll. Bei der Feuchtlagerung kann die Elektrode sofort wieder verwendet werden. Allerdings ist die Messgenauigkeit nach der langen Lagerung erneut zu kontrollieren. Bei Modellen, die kein KCl-Reservoir zur Lagerung der Elektrode haben, kann man ein Stückchen eines mit KCl-Lösung getränkten Schwamms in die Verschlusskappe der Elektrode legen. Eine trocken gelagerte Elektrode muss vor Verwendung mehrere Stunden gewässert und neu kalibriert werden. Das Kalibrieren von pH-Messgeräten ist, je nach Modell, kinderleicht bis hoch komplex. Die einzelnen Schritte müssen hierbei haargenau beachtet werden.

Das Reinigen eines pH-Messgeräts

Wenn das Messgerät nicht mehr genau misst und sich auch mithilfe der dafür vorgesehenen Kalibrierlösungen (bitte „pH4“ und „pH7“ verwenden, das oft mit angebotene pH10 ist beim Indooranbau irrelevant) nicht mehr genau einstellen lässt, hilft eine gründliche Reinigung der Elektrode oft. Hierbei gibt es zwei Arten von Reinigungslösungen, die beim Indooranbau von Pflanzen zum Einsatz kommen:
- Verdünnte Salzsäure (HCl) gilt als Standardreinigungslösung für pH-Elektroden und ist die Basis aller im Fachhandel angebotenen Produkte.
- Einige Hersteller bieten eine Mischung aus verdünnter Salzsäure und Pepsin an. Während die Salzsäure anorganische Verschmutzungen löst, beseitigt das Pepsin anorganische Anhaftungen.
Zur Reinigung muss die Elektrode etwa eineinhalb Stunden in die Reinigungslösung gegeben werden, danach mit destilliertem Wasser abgespült und noch eine Stunde in die KCl-Aufbewahrungslösung gestellt werden. Bei nachfüllbaren Elektroden muss vor der Wässerung auch das Elektrolyt gewechselt werden. Im Anschluss muss das Messgerät neu kalibriert werden.

Nie wieder ohne

Der richtige pH-Wert ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Hobbyzucht, der zweifellos höhere Aufwand und die Mehrkosten, die die pH-Kontrolle mit sich zieht, wird mit gesunden Pflanzen und einer Ertragssteigerung belohnt. Wer um den Unterschied weiß, will den pH-Wert seines Grows nie wieder dem Zufall überlassen.

Günter Gras

 

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 4-2018. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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