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Ernte 2020: Wie kommen die Buds gut getrocknet in die Dose?

23.12.2020
grow! Magazin
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Growing

Die Zeit der Ernte ist für alle Gärtner und Pflanzenfreunde ein besonderer Moment, denn mit ihr entscheidet sich, ob die Mühen der vergangenen Wochen Früchte tragen und sich die Arbeit und der Aufwand gelohnt haben. Dabei ist die Arbeit noch lange nicht vorbei, und auch jetzt kann noch einiges schief gehen und die sicher geglaubte Ernte zerstört werden. Deshalb sind erfahrene Grower gerade in dieser entscheidenden Phase besonders aufmerksam und sorgen dafür, dass bis zum Schluss nichts dem Zufall überlassen wird …

Es gibt eine Reihe von Dingen, die beachtet werden wollen, damit die Ernte zu einem vollen Erfolg werden kann.

Die erste Frage, die sich stellt, ist die Frage nach dem optimalen Erntezeitpunkt. Der hängt von verschiedenen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Genetik und verschiedenen Umweltfaktoren, wie z.B. der Temperatur. Unter normalen Umständen sollte eine Sorte in dem vom Samen-Produzenten angegebenen Zeitraum zur Erntereife gelangen. Das geht bei Indica-dominierten Sorten in der Regel schneller als bei Sativa-Sorten, bei denen es auch schon mal bis zu 16 Wochen dauern kann, bevor sie die Blütephase beendet haben und endlich reif sind.

Ernten – aber wann?

Um feststellen zu können, ob eine Hanfpflanze erntereif ist, sollte man sich aber nicht ausschließlich auf die Angaben des Produzenten verlassen. Sie geben zwar einen gewissen Zeitraum dafür vor, der kann in der Praxis aber durchaus variieren. Wie bei Obst oder Gemüse, zeigt zwar auch der Hanf, wann er reif ist. Doch je nachdem, was dem Grower wichtiger ist – Qualität oder ein möglichst hoher Ertrag –, verschiebt sich der optimale Erntezeitpunkt. Bei den meisten Sorten verfärben sich mit dem Ende der Blüte die anfangs weißen Blüten-Härchen und werden immer dunkler. Sie haben dann einen stetig steigenden Anteil von orange/rötlichen Blüte-Härchen. Früher hieß es immer, man solle dann ernten, wenn die Hälfte bis zwei Drittel der Blüte-Härchen sich verfärbt haben, doch heute gehen professionelle Grower anders vor, denn oftmals waren die Pflanzen bei dieser Methode schon zu reif.

Deshalb hat es sich bewährt, die Aufmerksamkeit auf die Entwicklung und Veränderung der kleinen Trichome zu lenken. Sie befinden sich vor allem auf den Blüten und den kleinen Blättern um sie herum und verleihen ihnen den „weißen Glitzer“. In ihnen sind u.a. die Cannabinoide enthalten, die Cannabis so besonders machen. Die Trichome lassen sich am besten mit einem beleuchteten Taschen-Mikroskop mit einer 30-fachen Vergrößerung untersuchen. Bei genauer Betrachtung sehen die Trichome aus wie ein „Tee“ (Abschlaghilfe beim Golf) mit einem „Golfball“ oben drauf. Sie sind anfangs glasklar und quasi durchsichtig. Doch mit zunehmender Reife ändert sich das. Sie werden immer trüber, bis sie bernsteinfarben sind. Es verändert sich dabei nicht nur ihre Farbe, auch die Zusammensetzung der Cannabionide verändert sich. Im frühen Stadium der Reife, wenn die Trichome noch klar sind, enthalten sie vergleichsweise hohe Konzentrationen an THC. Die verringern sich aber mit der Zeit und das THC wird zu CBN, das deutlich weniger psychoaktiv ist, dafür aber entspannen und müde machen kann.

Gleichzeitig werden immer wieder neue Blüten und Trichome gebildet, sodass auf der einen Seite die Menge, sprich der spätere Ertrag, immer größer wird. Andererseits degeneriert das THC, gleichzeitig nehmen CBN-Gehalt, aber auch der Gehalt an CBD immer weiter zu. Der Grower hat hier die Wahl: Möchte er Blüten mit einem möglichst hohen THC-Gehalt ernten, müsste er dafür auf etwas Ertrag verzichten. Oder ist ihm der Ertrag wichtiger, verzichtet er auf einen maximal hohen THC-Gehalt und nimmt die etwas schlechtere Qualität in Kauf? Allerdings kann es für manche Grower eher ein Vorteil sein, wenn der THC-Gehalt gar nicht so hoch ist und dafür die Effekte anderer Cannabinoide besser zur Geltung kommen. Diese Effekte, sowohl körperlich als auch psychisch, können dann je nach Erntezeitpunkt ganz anders ausfallen.

 

„Partielles“ Ernten

Deshalb nutzen einige Grower die Methode des „partiellen“ oder auch „variablen Erntens“. Bei dieser Methode werden nur bestimmte Blüten abgeschnitten, getrocknet und gut dokumentiert aufbewahrt. So können jeden Tag einige Blüten geerntet werden, bis schließlich alle Blüten ab sind. Entsprechend erhält man die Möglichkeit, den Effekt der zu unterschiedlichen Zeitpunkten geernteten Blüten und ihrer unterschiedlichen Cannabinoidgehalte zu testen und herauszufinden, wann der beste Erntezeitpunkt für die persönlichen Ansprüche gekommen ist. Dieselbe Hanfpflanze, kann so – zu unterschiedlichen Zeitpunkten geerntet – ganz verschiedene Wirkungen hervorrufen.

Wer auf solche Experimente verzichten und einfach nur gute Hanfblüten ernten möchte, wird einen Mittelweg anstreben. Für viele Grower ist der beste Erntezeitpunkt dann gekommen, wenn 20 % der Trichome bernsteinfarben sind. Die Trichome selbst können auch abbrechen und nur noch als Stängel – ohne „Golfball“ – herumstehen. Wenn das bei 20 % der Trichome zu beobachten ist, kann auch dies als Indiz für eine unmittelbare Ernte gewertet werden.

„Spülen“ nicht vergessen

Doch bevor tatsächlich geerntet werden kann, empfiehlt es sich auf hydroponischen Systemen, die Pflanzen mindestens fünf bis acht Tage mit klarem, nährstofffreiem Wasser zu gießen. Durch diesen „Spülvorgang“ wird die Pflanze dazu angeregt, überschüssige Nährstoffe aus den Blüten abzubauen.

Bei organischen Systemen, wo die Nährstoffe bereits im Boden sind und deshalb oft ohnehin nur mit klarem Wasser gegossen wird, gestaltet sich das Spülen eher schwieriger. Da hierbei aber auch meist keine hydroponischen Dünger mit Nährstoffen in Form von Salzen eingesetzt werden, ist dies auch gar nicht erforderlich.

Wenn aber gespült werden muss, dann sollte rechtzeitig damit begonnen werden, die Pflanzen genau zu beobachten und wenigstens einmal am Tag zu prüfen, ob die ersten Trichome sich zu verfärben beginnen. Es ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, und mit der Erfahrung wird es einfacher, im richtigen Moment mit dem Spülvorgang zu beginnen. Denn es soll weder zu kurz noch zu lang gespült werden.

Es kann vorkommen, dass unvorhergesehene Ereignisse zu einer vorzeitigen Ernte zwingen. Nicht selten, insbesondere beim Outdoor Growing, kann Schimmelbildung eine „Notschlachtung“ erforderlich machen, soll überhaupt noch etwas geerntet werden können. In solchen Fällen ist Schnelligkeit gefragt, denn Schimmel kann sich rasant ausbreiten und innerhalb weniger Tage komplette Ernten vernichten.

Ernten – Aber wie?

Ist der Moment der Wahrheit gekommen und die Ernte soll erfolgen, gibt es – wie so oft – unterschiedliche Methoden, um ans Ziel zu kommen. Wie heißt es doch so passend in einem chinesischen Sprichwort: Viele Wege führen auf die Spitze des Berges, doch die Aussicht ist immer dieselbe.

Bereits die Frage, ob besser am Ende der Dunkelphase oder am Ende der Beleuchtungsphase geerntet werden soll, ist unter Growern ein heiß diskutiertes Thema. Wissenschaftliche Studien legen aber nahe, dass es besser ist, am Ende der 12-stündigen Dunkelphase zu ernten, denn das intensive Licht, egal ob von der Sonne oder einer künstlichen Lichtquelle, kann sich negativ auf die Trichome und ihren Cannabinoidgehalt auswirken.

Zum Ernten schneiden viele Grower die komplette Pflanze knapp oberhalb der Wurzeln ab, entfernen die größten Blätter und hängen sie dann kopfüber in einem dunklen Raum zum Trocknen auf. Das ist erstmal relativ wenig Arbeit, geht schnell und bringt auch gute Resultate. Allerdings braucht es so vergleichsweise viel Platz im Trocknungsraum, denn die Pflanzen sollten sich nicht berühren. Und es dauert seine Zeit, bis die Feuchtigkeit aus den Stängeln, Stielen, Blättern und schließlich den Blüten entwichen ist. Doch das bedeutet auch, dass genug Zeit ist, damit das Chlorophyll abgebaut werden kann.

Soll es schneller gehen und/oder ist weniger Platz zum Trocknen vorhanden, können auch alle Blüten direkt von der Pflanze abgeschnitten und manikürt werden. So können sie viel schneller trocknen. Doch wie gesagt, zu schnelles Trocknen bringt auch nichts, denn dann ist das Chlorophyll noch nicht komplett abgebaut und kann für einen unangenehmen, kratzigen Geschmack sorgen …

Egal ob die Blüten frisch oder getrocknet von den Pflanzen abgeschnitten und manikürt werden, in jedem Fall sollte dies mit Vorsicht und Behutsamkeit erfolgen. Die Blüten sollten möglichst nicht direkt angefasst werden, sondern nur an den Stängeln. Andernfalls können die empfindlichen Trichome abbrechen und verlorengehen.

Viele Grower richten sich deshalb ihre Arbeitsstelle entsprechend ein, um mögliche Verluste beim Schneiden und Säubern der Blüten aufzufangen und dadurch kleinzuhalten. Dazu wird ein feines Sieb auf einem Holzrahmen befestigt, dass dann die Arbeitsunterlage bildet. Brechen Trichome ab, können sie durch das Sieb fallen und werden dort – getrennt vom übrigen Schnittmaterial – gesammelt. Anschließend können die so aufgefangenen Trichome direkt weiterverarbeitet, sprich verwendet werden. Auch das sogenannte „Scheren-Hasch“, das sich beim Schneiden der Blüten wie zäher Honig an den Klingen der Schere festsetzt, dürfte vielen Growern bekannt sein. Es kann zwar das Schneiden zunehmend erschweren, anderseits ist es oft die erste Kostprobe, die der Grower von der Ernte erhält.

Reste gibt‘s nicht: Verwertung von Schneideabfall

Besonders an kleinen Blättern rund um die Blüten befinden sich einige Trichome. Es sind oft zu wenige, um das Blatt an der Blüte zu lassen und es mitzutrocknen, aber zu viele, um sie einfach wegzuschmeißen. Deshalb sammeln viele Grower die Schneideabfälle und verarbeiten sie anschließend weiter.

Am einfachsten ist das wohl mit einem Pollinator oder ähnlichen Produkten anderer Hersteller, die mittels einer rotierenden Siebtrommel arbeiten, in die die Schneideabfälle gefüllt und einige Minuten gedreht werden. Dabei fallen viele der Trichome durch das Sieb und können aufgefangen und zu Skuff (Haschisch) gepresst werden. Je länger die Siebtrommel läuft, desto mehr Trichome können hindurchfallen. Aber auch die feinen Pflanzenteile gelangen zunehmend durch das Sieb, verunreinigen so die Trichome und verringern dadurch die Qualität des Skuffs.

Etwas aufwendiger in der Herstellung, dafür aber viel sauberer als Skuff, ist Bubble-Hash, das durch die Eiswasser-Extraktionsmethode gewonnen wird. Dabei werden die Schneideabfälle in eiskaltem Wasser eingeweicht und hin- und hergerührt, damit die von der Kälte erstarrten Trichome abbrechen, sprich lösen und sich im Wasser sammeln können. Das Wasser wird anschließend durch feine, spezielle Siebe gegossen und die Trichome werden so herausgefiltert. Pflanzenteile und andere Verunreinigung passen nicht durch die feinen Siebe und werden zurückgehalten.

Nur für Experten und Fortgeschrittene sind Verarbeitungsmethoden geeignet, die als Lösungsmittel auf Butan oder andere leicht entzündliche Stoffe setzen. Zwar lassen sich damit – bei sachgemäßer Anwendung – extrem hohe Reinheitsgehalte erzielen, doch wenn etwas bei der Produktion schief geht, kann es zu einer Explosion kommen – eine tödliche Gefahr für sich und andere!

Trocknen – Aber richtig

Ob an einem Stück oder bereits kleingeschnitten, beim Trocknen sollten es die Blüten bzw. Pflanzenteile dunkel, trocken und nicht zu warm haben. In Zahlen ausgedrückt: Die Temperatur sollte zwischen 18 und 21 °C liegen, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent, und das bei absoluter Dunkelheit und guter Belüftung. Dann sollte nichts mehr schiefgehen und sich nicht doch noch Schimmel bilden. Denn die Gefahr lauert permanent, sobald die entsprechenden Bedingungen gegeben sind. Wenn insbesondere die Luftfeuchtigkeit ein kritisches Maß überschreitet (das liegt bei etwa 70 Prozent), kann sich Schimmel bilden. Oft entsteht der Schimmel innerhalb der Blüten und ist von außen nicht zu sehen. Und wenn er dann zu sehen ist, ist es auch schon zu spät. Verschimmeltes Gras sollte auf keinem Fall konsumiert werden – Schimmel kann Giftstoffe enthalten, die gesundheitsschädlich sein können.

Läuft alles gut, brauchen die bereits manikürten Blüten etwa zehn Tage, die noch ungeschnittenen Pflanzenteile rund 20 Tage zum Trocknen. Der richtige Trocknungsgrad ist erreicht, wenn sich die Stängel nicht mehr mit den Fingern biegen lassen, sondern mit einem leichten Knacken brechen. Dann ist die Restfeuchte auf etwa 10 Prozent gesunken, so können sie eingelagert oder auch konsumiert werden.

Einige Grower schwören darauf, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur während des Trocknungsvorgangs immer wieder zu variieren. Ähnlich wie bei der Trocknung von hochwertigem Tabak, soll so das Chlorophyll optimal abgebaut werden und Geschmacks- und Aromastoffe sollen besonders gut zur Geltung kommen. Oder sie setzen auf die Fermentation, einen Gärungsprozess, bei dem Zucker, Stärke und Bitterstoffe abgebaut werden und sich so Aromen und Geschmack besser entfalten können.

Beide Verfahren haben ihre Tücken und können sich auch negativ auf das Endprodukt auswirken. Deshalb beschränken sich die meisten Grower auf das homogene und gleichmäßige Trocknen der Blüten – und das möglichst schonend und behutsam. Trocknen im Schnellverfahren in der Mikrowelle oder dem Backofen sind ein „No-Go“, denn dabei entweicht nicht nur die Feuchtigkeit, auch die meisten der Terpene und Cannabinoide sind dann weg. Nur das Chlorophyll ist noch da …

Lagern und konservieren

Die gut getrockneten, manikürten Blüten können in verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. Glasgefäße haben sich bewährt, aber auch gut verschließbare Kunststoffbehälter funktionieren. Wichtig ist, dass sie Luftdicht abschließen und so den kostbaren Inhalt gut konservieren. Die Behälter selbst sollten dunkel, kühl und trocken stehen.

Gerade in den ersten Tagen sollten die Gefäße täglich kontrolliert und gelüftet werden. Dabei wird nicht nur der Geruch untersucht, auch der „Knack-Test“ wird wiederholt. Ist alles okay, kann es zurück an seinen Platz. Wenn nicht, muss sofort reagiert werden und entweder nachgetrocknet oder, bei einem modrigen, muffigen Geruch, ein möglicher Schimmelherd gefunden und entfernt werden. Wenn der sich ungehindert ausbreitet, kann er den kompletten Inhalt des Gefäßes zerstören.

Werden die fein manikürten Buds richtig getrocknet, verpackt und gelagert, können diese Hanf-Blüten ihre Qualität, ihr Aroma und ihre Wirkung über Wochen halten. Allerdings nehmen die Wirk- und Aromastoffe mit der Zeit ab. In der Gefriertruhe bei minus 20 °C lässt sich dieser Vorgang noch mal verlangsamen – völlig aufhalten lässt er sich aber auch dort nicht. Pro Jahr sollen, je nach Lagerort, zwischen 10 und 25 Prozent der Wirkstoffe verlorengehen können. Aber solange dürften die wenigsten Vorräte reichen …

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 6-2020.

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