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Haschisch: Teil 2 - Herstellungsmethoden und Sorten

15.01.2013
grow! Magazin
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Herstellungsmethoden und Sorten

In der letzten Ausgabe haben wir mit einer Reihe zum Thema Haschisch begonnen, die wir nun fortsetzen. Wie angekündigt, beschäftigen wir uns diesmal mit den traditionellen Herstellungsmethoden und den dabei entstehenden Sorten. Haschisch wird schon seit Urzeiten vom Menschen als Rauschmittel und Medikament verwendet. Über die Entstehung der ersten Haschischsorten ist aber nur noch wenig bekannt. Funde in Jahrtausende alten Gräbern belegen, dass schon frühe Kulturen die Wirkungen des Haschisch zu nutzen wussten.

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass das erste Haschisch aus der Himalaja-Region kommt. Vermutlich waren es Sammler, die es eigentlich auf die nahrhaften Hanfsamen abgesehen hatten, denen das klebrige Harz an ihren Fingern interessant vorkam und es probierten. In den alten Cannabis-Kulturen wie Nepal oder Nordindien wird noch heute das Harz mit den Händen von den Blütenständen der weiblichen Hanfpflanzen gerieben. Diese Methode gilt deshalb als die älteste Art der Haschisch-Herstellung. Für sie ist kein besonderes Werkzeug oder eine längere Vorbereitung vonnöten. Das Einzige was gebraucht wird, sind frische, blühende Cannabispflanzen. Jedoch ein Kriterium muss noch erfüllt sein, auf das der Mensch nur bedingt Einfluss hat: Die Luftfeuchtigkeit muss relativ hoch sein. Denn nur dann sind die Harzkristalle klebrig genug, um beim Abreiben an den Händen haften zu bleiben.

Das Reiben selber hört sich einfacher an als es ist. Es darf nicht zu fest gedrückt werden, sonst bleiben zu viele andere, unerwünschte Pflanzenteile kleben, die zu einer Verunreinigung und Qualitätsreduzierung führen würden. Wird zu sacht gerieben, bleiben nur sehr wenige Harzkristalle kleben und der ganze Aufwand lohnt sich kaum. Schon für erfahrene Haschisch-Reiber ist es sehr schwer, mehr als 25 Gramm an einem Tag zu sammeln. Der durchschnittliche Sammler sollte bereits mit 10 Gramm zufrieden sein. Nicht nur die Menge, auch die Qualität hängt stark von den persönlichen Fähigkeiten ab. Diese arbeitsintensive Methode ist zwar ohne großen Aufwand zu betreiben, braucht aber viel Ausdauer und Geduld. Beim Abreiben können nur die äußeren Harzkristalle erreicht werden. Harztropfen, die sich auf innen liegenden Blütenblättern befinden, bleiben unberührt. Es fallen viele reife Harztropfen durch die mechanische Beanspruchung einfach ab und gehen verloren. Es sind also relativ viele reife Blütenstände notwendig, um einen halbwegs ergiebigen Ertrag erzielen zu können.

Kein Wunder, dass es handgeriebene Haschisch-Sorten nur selten auf den kommerziellen Markt schaffen. Sorten wie echte »Temple Balls« kennt man eigentlich nur aus Erzählungen von Nepal-Reisenden. Nur sporadisch nutzen Einheimische diese Methode, um sich so relativ einfach etwas Geld durch den Verkauf von Handgeriebenem an Touristen zu verdienen. Die meisten Bauern, die sich diese Mühe machen, stellen das Haschisch nur für den Eigenbedarf her. In Indien zum Beispiel sind es oft die Sadhus, die im späten Sommer nach Nordindien in die Berge wandern, um dort für einige Wochen zu bleiben und ihren Bedarf selbst herzustellen. Derartiges Haschisch wird oft als »Charas« bezeichnet. Die Qualität kann stark variieren, besonders wenn es zu feucht hergestellt wurde. Dann besteht die Gefahr der Schimmelbildung, die das Haschisch ungenießbar machen kann.

Die wesentlich gängigere Methode zur Herstellung von Haschisch ist das Sieben. Gesiebtes Haschisch wird in Europa immer noch in erster Linie mit Marokko in Verbindung gebracht, dabei wird diese Technik dort erst seit Ende der sechziger Jahre intensiv praktiziert.

Über die genauen Ursprünge des gesiebten Haschischs herrscht Unklarheit. Sowohl im Libanon als auch in Afghanistan lassen sich Bauern finden, die diese Erfindung ihren Vorfahren zuschreiben und auf eine lange Tradition verweisen.

Eigentlich alle Haschischsorten, die sich in Europa auf dem Schwarzmarkt oder in den niederländischen Coffeeshops finden lassen, wurden durch Siebung hergestellt.

Auch wenn es gewisse Unterschiede gibt, ist die grundsätzliche Vorgehensweise überall auf der Welt weitgehend gleich. Reife Cannabispflanzen werden geerntet und ausgiebig getrocknet. Erst dann werden sie über einem feinen Tuch oder Sieb ausgeschlagen oder ausgerieben.

Das Ziel ist auch hier, die Harze vom restlichen Pflanzenmaterial zu trennen, um so eine möglichst hohe Konzentration an Wirkstoffen zu erhalten. Die Harze enthalten aber nicht nur die für Cannabis typischen und in der Natur einmaligen Wirkstoffe, die Cannabinoide, sondern auch viele der ätherischen Öle.

Ursprünglich wurden auch Teppiche und feine Seidentücher für den Siebungsvorgang verwendet. Die grob gewebten Teppiche wurden benutzt, indem die getrockneten Pflanzen in den Teppich eingeschlagen oder -gewickelt wurden. Anschließend durfte die ganze Familie eine halbe Stunden darauf herumspringen. Danach wurden die groben Pflanzenreste entfernt, die Harzkristalle selber brauchten nur noch aus den Teppichfasern herausgeklopft und aufgesammelt werden. Diese Methode ist aber eher traditionell und wich im Zuge der Kommerzialisierung der Verwendung von feinen Tüchern und Sieben, die auf Holzrahmen gezogen werden.

Um besonders gute Qualitäten herzustellen, wurde das Gesiebte manchmal noch einmal mit einem Seidentuch gereinigt. Kleine und unreife Harztropfen sowie feiner Staub fallen durch das feinmaschige Gewebe, übrig bleiben nur die dicken reifen Harztropfen.

Richtig angewendet, lässt sich durch die Siebtechnik sehr hochwertiges und reines Haschisch produzieren. Es lassen sich Qualitäten erzielen, an die selbst beste handgeriebene Sorten nicht herankommen.

Oft wird davon ausgegangen, dass handgeriebenes Haschisch besser als gesiebtes sei. Dieser Irrtum entstand offensichtlich durch die massenhafte Produktion von kommerziellem Haschisch. Durch das Sieben ist es möglich, große Mengen Haschisch in vergleichsweise kurzer Zeit herzustellen. Im Vergleich zu der Reibemethode per Hand kann die Ausbeute beim Sieben um den Faktor 50 höher sein. Jedoch nimmt bei der Produktion großer Mengen die Gefahr zu, dass mindere Qualitäten entstehen. Je länger und rauer der Siebungsvorgang ist, desto mehr unerwünschtes Pflanzenmaterial gelangt durch das Sieb. So lässt sich zwar die Menge steigern, aber das geht zu Lasten der Qualitä.

Die Methoden zur Siebung unterscheiden sich ein wenig von Land zu Land. In Afghanistan wird zuerst das grobe Pflanzenmaterial wie Samen, Stängel und größere Blätter abgesiebt. Dann erfolgt eine zweite Siebung, bei der, je nach verwendeter Siebgröße, sehr reine Harzmengen entstehen können.

Im Libanon benutzt man ein Reihe von Sieben mit unterschiedlicher Körnung. Zuerst werden die Pflanzen zerkleinert und durch mindestens drei Siebe bis auf »Staubgröße« reduziert. Zum Schluss werden mit dem feinsten Sieb die Harzkristalle ausgesiebt.

In Marokko werden Siebe, oder einfach Nylonstrümpfe, über Eimer oder ähnliche Behälter gezogen. Darauf kommt ein Bündel getrockneter Hanfpflanzen. Das Ganze wird mit einer Plastikfolie abgedeckt und mit einem Stock bearbeitet.

In allen Ländern werden die Pflanzen vor dem Sieben ausgiebig getrocknet. Das Sieben selbst findet frühmorgens an einem Wintertag statt, wenn die Kälte die Harzkristalle richtig hart und brüchig werden lässt.

Durch das Sieben erhält man das Ausgangsmaterial für die Haschischproduktion. Die Harzkristalle müssen noch gepresst oder geknetet werden, um wirklich gutes Haschisch zu erhalten. Im ungepressten Zustand verbrennen die Harztropfen sehr schnell und mit einer zu hohen Temperatur, was beim Inhalieren zu einem starken Hustenreiz führen kann. Durch das Pressen öffnen sich die Harztropfen und die Öle treten aus. Es entsteht eine schwarze Masse, die sich bei Raumtemperatur kneten lässt. So sollte das Haschisch aussehen, wenn es von hoher Qualität ist. Je mehr Verunreinigungen sich eingeschlichen haben, desto weniger schwarz und weich wird es sein. Haschisch selbst brennt deutlich langsamer und bei niedrigeren Temperaturen, als die ungepressten Harzkristalle. So können auch die ätherischen Öle verdampfen und zur Geltung kommen, die ansonsten nur verbrennen würden.

Durch die unterschiedlichen Herstellungsmethoden, aber auch bedingt durch die verschiedenen regional angebauten Cannabissorten und klimatischen Bedingungen, entstehen unterschiedliche Arten und Qualitätsstufen von Haschisch. Oft stand der Herkunftsname Pate bei der Benennung einer Haschischsorte. Namen wie »Nepali«, »Afghani« oder »Türke« machen klar, woher das Haschisch gekommen ist. Auch das Aussehen wird zur Kategorisierung verwendet. Im Libanon wird zwischen »Gelbem« und »Rotem« Libanesen unterschieden. In Afghanistan wird von »Schwarzem« gesprochen. Oft wird bestimmten Haschisch-Sorten eine höhere Qualität als anderen unterstellt, doch bei genauerem Hinsehen stimmt das nur bedingt. So gilt der »Rote« Libanese als potenter als der »Gelbe«. Dabei hat die Farbe weniger etwas mit dem Wirkstoffgehalt, als viel mehr mit Verunreinigungen durch roten Staub zu tun.

Natürlich gibt die Farbe von vielen Haschischsorten Aufschluss über die Qualität. Doch es muss nicht immer zwangsläufig cremig schwarz sein, im nur leicht gepressten Zustand sind hochwertige Sorten eher bräunlich. Zu diesen gehört die als »Pollen« bekannte marokkanische Haschischsorte, die zwar nichts mit männlichen Pflanzen zu tun hat, dafür aber viel mit qualitativem Haschisch. Es wird aber immer wieder empfohlen, derartiges Haschisch vor dem Konsum zu kneten, bis es wie »Schwarzer« aussieht, denn sonst kann`s im Hals kratzen.

In vielen traditionellen Haschischanbaugebieten haben Kriege und Verfolgung dazu geführt, dass die Haschischproduktion mittlerweile stark zurückgegangen ist. Viele der früher legendären Sorten sind bereits völlig vom Markt verschwunden, und von anderen gibt es nur noch Imitate, die lediglich vom Namen her an die ursprüngliche Sorte erinnern. Heute sind es vor allem marokkanische Haschischsorten, die noch in den Coffeeshops oder auf dem Schwarzmarkt zu finden sind.

Ab den Achtzigern kam Haschisch in Europa in Verruf, da es immer öfter gestreckt und verunreinigt verkauft wurde. Oft war es Henna, aber auch Schuhcreme und selbst Gummi, was zusätzliches Gewicht und damit Profit bringen sollte. Kein Wunder, dass sich immer mehr Hanffreunde für die unbehandelten Marijuanablüten interessierten und das Rauchen von Gras zu einem Boom werden ließen. Heute macht der Verkauf von Haschisch nur noch 10 bis 20 Prozent des Umsatzes eines Coffeeshops aus.

Doch es gibt sie immer noch, die Haschischliebhaber. Mittlerweile sind aber viele von ihnen dazu übergegangen, ihr Haschisch selbst herzustellen. Die Möglichkeiten des modernen Indoorgrowing in Kombination mit relativ neuartigen Haschisch-Extraktionsverfahren haben dazu geführt, dass noch reinere und potentere Qualitäten erzielt werden können, als jemals zuvor. Das ist offensichtlich auch eine Folge der repressiven Drogengesetze, die in vielen Ländern immer noch gängige Praxis sind. Das Risiko, mit Freiheitsentzug bestraft zu werden, schreckt immer weniger Menschen davon ab, ihren Eigenbedarf selbst herzustellen. Denn andernfalls müssten sie weiter auf dem illegalen Schwarzmarkt die hohen Preise und zweifelhafte Qualität in Kauf nehmen, oder auf den Konsum verzichten. Und letzteres ist offensichtlich nur manchmal eine Alternative.

Oliver Becker

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