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Ethnobotanik - San Pedro-Kakteen selber anbauen

06.07.2020
grow! Magazin
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Basiswissen

Ethnobotanik

San Pedro - Eine Kulturanleitung für die Anzucht in den eigenen vier Wänden

Trichocereus (Echinopsis) pachanoi, besser bekannt als San Pedro oder Huachuma, gehört zu den bekanntesten Kakteen mit geistbewegender Wirkung und wird in seiner Heimat seit etlichen Generationen als rituelles Entheogen eingesetzt. Obwohl das im Kaktusmaterial verfügbare Alkaloid Meskalin in Deutschland unter die Bestimmungen des BtMG fällt, ist die Anzucht dieser und anderer meskalinhaltiger Kakteen von keiner Reglementierung betroffen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Kaktus nicht zu Rauschzwecken weiterverarbeitet wird. Aus ethnobotanischem Interesse, einem Faible für hobbygärtnerische Tätigkeiten oder schlicht zur Betrachtung seiner ausgesprochenen Schönheit können wir diesen Kaktus also auch in Deutschland bedenkenlos kultivieren.

Pflanzensteckbrief

Botanischer Name: Echinopsis pachanoi

Synonyme: Trichocereus pachanoi

Familie: Cactaceae (Kakteengewächse)

Trivialnamen: Rauschgiftkaktus, San Pedrillo, San Pedro, Huachuma

Aussehen: Säulenförmig, dornig und zumeist sechs Rippen. Wuchshöhe drei bis sechs Meter.
Die Blüte ist weiß und trichterförmig. Die drei bis vier Zentimeter großen Früchte sind grün, länglich und oval.

Vorkommen: Peru, Ecuador

Inhaltsstoffe: Meskalin, Anholidin, Tyramin, Hordenin u.v.m.

Wirkung: niedrige Dosis → stimulierend, tonisierend /
mittlere Dosis → empathogen /
hohe Dosis → psychedelisch

Ethnobotanisches Hintergrundwissen

In Peru ist San Pedro eine der wichtigsten schamanischen Ritualpflanzen. Vor allem den Schamanen aus dem wüstenartigen Norden Perus dient dieser Kaktus seit vielen Jahrhunderten als diagnostisches Werkzeug sowie als spiritueller Türöffner. Eingesetzt wird er beispielsweise im Rahmen von Divinationsritualen, wenn wichtige Entscheidungs- oder Zukunftsfragen gestellt werden. Gleichzeitig ist San Pedro eine spirituelle Medizin, wozu der Kaktus üblicherweise als Trank zubereitet wird. Trinkt der Schamane diesen in ausreichenden Mengen, kann er das leuchtende Energiefeld seines Patienten erkennen, mögliche Energieblockaden ausmachen und entsprechende Behandlungsschritte einleiten. Nicht selten wird der San-Pedro-Trank aber auch vom Patienten selbst eingenommen, worauf sich diesem die üblicherweise verschlossenen Tore zum Unterbewusstsein öffnen. Schreitet er hindurch, hat er die Chance, sehr viel über sich selbst, seine Krankheitsursachen und seine Position im Universum zu erfahren. Nicht von ungefähr kommt es, dass dieser Kaktus von den indigenen Stämmen als ein ausgezeichneter Lehrmeister bezeichnet wird. Die gängigste traditionelle Einnahmeform ist ein Trank respektive ein Dekokt, wozu der in Scheiben geschnittene Kaktus über eine Zeitspanne von 2 bis 7 Stunden in Wasser eingekocht wird. Um die Wirkintensität zu erhöhen kochen einige Schamanen bisweilen auch weitere psychoaktive Pflanzen mit, so zum Beispiel aktive Pflanzenteile der Engelstrompete. Allerdings sei an dieser Stelle betont, dass derart potente und möglicherweise auch toxisch wirkende Getränke nur von erfahrenen Schamanen eingenommen werden sollten. Für den experimentierfreudigen Laien könnte eine solche Zubereitung mit dem Tod enden.

Ein weitere Applikationsform ist das Schlucken eines San-Pedro-Pulvers. In diesem Fall wird der Kaktus zunächst entdornt, in Scheiben geschnitten und vollständig getrocknet. Anschließend werden die getrockneten Scheiben zu einem feinen Pulver gemahlen und aufgrund des von den meisten Konsumenten als fürchterlich wahrgenommenen Geschmacks zumeist in Kapseln gefüllt oder Essen und Getränken zugefügt.  

Kultur- und Pflegeanleitung

San Pedro gehört zu solchen Kakteen, die ein schnelles Wuchsverhalten zeigen (pro Jahr 20 bis 30 cm) und deren Pflege vergleichsweise sehr unkompliziert ist. Für eine erfolgreiche Anzucht werden im Grunde genommen keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Vorausgesetzt, dass man den Kaktus nicht vertrocknen, verbrennen, erfrieren oder in anhaltender Staunässe ertrinken lässt.

Samen ausstreuen

Bei erstmaliger Kultur empfiehlt sich eine Anzucht durch Saatgut, das über den ethnobotanischen Fachhandel unkompliziert bezogen werden kann. Benötigt werden entweder ein Zimmergewächshaus oder es wird alternativ auf verschließbare Einmachgläser zurückgegriffen. Wer beides nicht zur Hand hat, kann die kleinen Samenkörner auch in Saatschalen streuen, die er dann zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit mit einer Plastikfolie umspannt. Befüllt wird das Anzuchtbehältnis mit eigens hergestellter oder handelsüblicher Kakteenerde, über die sinnvollerweise Weise noch eine dünne Schicht Quarzsand gegeben wird. Dies hat den Vorteil, dass die Samen einerseits vor Schimmel und Fäulnis geschützt werden, auf der anderen Seite bleiben sie durch den Sand an der Oberfläche und verschwinden nicht versehentlich im Substrat. Schließlich handelt es sich bei San-Pedro-Samen um sogenannte Lichtkeimer.

Zum Befeuchten wird keine Gießkanne verwendet, da hierdurch die potenzielle Gefahr einer Überwässerung besteht. Desweiteren kann es im Falle einer unebenen Substratoberfläche passieren, dass die Samen alle in eine Ecke gespült werden. Es ist daher besser, die Samen ein bis zweimal täglich mit einer Sprühflasche gründlich einzusprühen. Bei einer kontinuierlichen Substratfeuchte und Temperaturen von etwa 20 °C zeigen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen die ersten Keimlinge.

Obwohl die jungen Keimlinge viel Licht benötigen, sollten sie keiner andauernden direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sie verbrennen. Sobald die Keimlinge etwa 1 cm groß sind, werden sie vorsichtig pikiert (= vereinzelt), was am einfachsten durch die Zuhilfenahme eines kleinen Löffels o.ä. gelingt. Optimalerweise bekommt jeder Kaktus einen eigenen Topf.

Stecklinge schneiden

Befinden sich bereits einige Pflanzen in erfolgreicher Kultur, kann die Vermehrung auch auf vegetativem Wege erfolgen, sprich durch das Schneiden von Stecklingen. Dazu wird der Trieb in einer Länge von 10 bis 20 cm mit einer scharfen Klinge von der Mutterpflanze abgeschnitten, worauf dieser zunächst mit einer Schnur vorsichtig aufgehängt wird, damit die Schnittstelle vollständig trocknen kann. Häufig bilden sich in dieser Zeit bereits die ersten Wurzelfasern entlang des Leitbündels aus. Steckt man den geschnittenen Trieb hingegen gleich in Erde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Kaktus zu schimmeln beginnt. Daher sollte der Steckling erst dann in Erde gepflanzt werden, wenn die Schnittstelle trocken ist. Infolge einer mäßigen Wasserzufuhr sollte der Kaktus innerhalb weniger Wochen angewurzelt sein.

Standort

Als Standort bietet sich ein heller Platz in der Wohnung an. Sobald kein Frost mehr zu erwarten ist, können die San-Pedro-Töpfe in den Garten, auf die Terrasse oder den Balkon gestellt werden. Allerdings sollten sie im Hochsommer etwas geschützt vor der heißen Mittagssonne platziert werden. Im Sommer sollte täglich mäßig gegossen und gelegentlich gedüngt (biologischer Kakteendünger) werden – beides dankt der Kaktus mit einem schnellen Wuchsverhalten.

Überwinterung

In frostempfindlichen Regionen dürfen die San-Pedro-Töpfe von Oktober bis März/April nicht im Freiland verbleiben, sondern müssen im Haus untergebracht werden. Es sollte ein Standort ausgewählt werden, wo tagsüber ausreichend viel Licht einfällt und die Temperaturen nie unter 0 °C fallen. Die Idealtemperatur liegt in der Überwinterungsperiode bei konstanten 10 °C.

Es ist zu beachten, dass der Kaktus in der Winterzeit keiner Wasser- und Nährstoffzufuhr bedarf. Nur bei strikter Einhaltung der Ruhepause ist es möglich, dass er im Folgejahr seine hübschen Blüten entfaltet. Bei optimaler Haltung reifen möglicherweise auch Früchte heran, was in der Praxis – zumindest in Europa – aber sehr unwahrscheinlich ist.

Umtopfen

Umgetopft wird sinnvollerweise gleich nach der Ruhephase. Kleine Kakteen lassen sich mit Hilfe eines Löffels oder mit anderen Utensilien noch recht unproblematisch in einen größeren Topf befördern. Hingegen gestaltet sich das Umtopfen bei großen Exemplaren aufgrund des Gewichtes und der Stacheln deutlich schwieriger. Dann sollten unbedingt dicke Handschuhe getragen und der Kaktus nur behutsam in den Bereichen zwischen den Stacheln angefasst werden, gegebenenfalls ist eine zweite Person vonnöten.

San Pedro als Propfunterlage

Als schnell wachsender Stangenkaktus ist San Pedro hervorragend zum Pfropfen geeignet. Dazu wird seine Spitze glatt abgeschnitten und ein anderer Kaktus daraufgesetzt und festgebunden. Besonders beliebt ist die Kombination aus San Pedro und dem ebenfalls meskalinhaltigen Kugelkaktus Peyote. Letztere muss zuvor über der Wurzel abgeschnitten werden, worauf man ihn so auf den San Pedro setzt, dass die sogenannten Leitbündel verbunden sind; anschließend wird er mit Gummibändern fixiert. Nach rund einer Woche sollte der aufgepfropfte Kaktus angewachsen sein.

Interessant ist, dass sich der aufgepfropfte Kaktus in vielen Fällen der Wuchsgeschwindigkeit seiner „Unterlage“ anpasst. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich durch Pfropfen ein an Wurzelfäulnis erkrankter Kaktus retten lässt.  Es ist jedoch ein Mythos, dass ein auf San Pedro aufgepfropfter Kaktus irgendwann dessen Wirkstoffe aufnimmt. Der aufgepfropfte Kaktus enthält nur dann Meskalin, wenn es auch eine meskalinhaltige Art ist, ansonsten nicht!

San-Pedro-Cristata bzw. Crested

Hierbei handelt es sich um eine ungewöhnliche Wuchsform des San-Pedro-Kaktus‘, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Pflanze eine abgeflachte Spitze mit zahlreichen Falten ausbildet. Der Kaktus wächst in diesem Fall also nicht vertikal nach oben, sondern er nimmt stattdessen eine gänzlich andersartige Gestalt an. Die genaue Ursache für die sogenannten „Cristaten“ ist bis heute ungeklärt. Spekulativen Theorien zufolge könnte es sich um Bakterieninfektionen oder um Genmutationen handeln.

Literaturtipps

Kevin Johann (2016): Der Schamanengarten.
Über die Anzucht und Verwendung geistbewegender Ritualpflanzen.
Solothurn: Nachtschatten Verlag.

Markus Berger (2013): Alles über psychoaktive Kakteen. Arten, Geschichte, Botanik, Anwendung.
Solothurn: Nachtschatten Verlag.

- Kevin Johann -

Dieser Artikel stammt aus der grow! Ausgabe 2-2020. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle.

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