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Einblick in die Welt der Trichome

15.12.2017
grow! Magazin
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cannabis
Trichome Cannabis

Sie sind klein und doch so wichtig: die Trichome von Cannabispflanzen. Wie glitzernder Schnee überziehen sie Blüten und Blätter und lassen sie in einem besonderen Glanz erscheinen. Dass Trichome u.a. die Cannabinoide enthalten und somit für die besondere Wirkung von Cannabis verantwortlich sind, dürfte bekannt sein. Doch warum die Pflanzen sie bilden und welche Funktionen sie haben, ist weit weniger bekannt. Was ihr über die Trichome wissen solltet, lest ihr im folgenden Artikel.

Die Bezeichnung Trichom leitet sich vom griechischen Wort „Tríchōma“ ab und bedeutet soviel wie „Haar“ oder „Wuchs von Haaren“. Dabei ist die Bezeichnung etwas irreführend, kann sie doch zu Verwechselungen mit den Blütenhärchen führen. Trichome sind sogenannte Drüsenhärchen, die nicht nur von Cannabispflanzen gebildet werden. Auch Pflanzen wie der Sonnentau bilden Trichome, allerdings in anderer chemischer Zusammensetzung und Funktion als dies bei Cannabis der Fall ist. Nur die Trichome von Cannabis sind in der Lage, die einzigartigen Cannabinoide zu bilden, die die Pflanze so interessant machen. Aber nicht nur Cannabinoide sind in den Trichomen zu finden, auch diverse Terpene und Flavonoide sind darin enthalten.

Es stellt sich die Frage, warum Cannabis Trichome mit derartigen Inhaltsstoffen produziert? Botaniker gehen davon aus, dass die Trichome bei Cannabispflanzen verschiedene Aufgaben übernehmen. Zum einen bieten sie einen Schutz gegen Insekten und Fraßfeinde. Insbesondere die Terpene sorgen für einen bitteren, unangenehmen Geschmack, der so manchem gefräßigen Feind den Appetit verderben kann. Aber nicht jedes Tier lässt sich davon abschrecken, das wissen alle Outdoorgrower, deren Pflanzen über Nacht verschwunden waren.

In den Trichomen können Substanzen enthalten sein, die das Pilzwachstum hemmen und dadurch eine gewisse Resistenz gegenüber Schimmel bilden. Neben der Abwehr von Insekten und Pilzen bieten die Trichome den Pflanzen einen Schutz gegen die Witterung. Besonders in den Hochlagen des Himalaja, wo natürlicherweise die Indica-Landrassen beheimatet sind, können die Temperaturen extrem sein: Tagsüber wird es sehr warm, und nachts kühlt es stark ab. Die öligen Trichome können bei den hohen Tagestemperaturen zu schmelzen beginnen, wobei sie Wärmeenergie aufnehmen und die Blüten und Samen kühlen. Fallen die Temperaturen in der Nacht, kehrt sich der Effekt um, das Öl der Trichome härtet wieder aus und gibt dabei die tagsüber gespeicherte Energie in Form von Wärme an die Blüten und Samen ab.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Trichome ist der Schutz vor UV-Licht. In den hohen Lagen des Himalaja, aber auch in Äquatornähe, kann die Sonneneinstrahlung sehr stark sein. Um ihre Art zu erhalten, schützt die Cannabispflanze ihre wertvollen Samen mit Hilfe der Trichome, die das UV-Licht absorbieren können. Wie genau sie das machen und welche „Nebenprodukte“ dabei entstehen, wird noch thematisiert.

Festzustellen ist, dass die Trichome eine wesentliche Rolle für das Überleben und den Erhalt von Cannabis in freier Natur spielen.

Cannabis Trichome Gras

Wie viele Trichome auf einer Pflanze zu finden sind und um welche Art es sich handelt, hängt von der Genetik und den Umweltbedingungen ab. Auch die Trichome selbst können auf einer Pflanze stark variieren. In der Literatur wird von drei Haupterscheinungsformen gesprochen:

Knollen-Trichome
Dieser Trichom-Typ ist mit einer Größe von nur 15 bis 30 Mikrometern der kleinste. Er besteht nur aus wenigen Zellen, die einen kleinen „Fuß“, den „Stiel“ und den „Kopf“ formen.

Trichome mit Kopf, ohne Stiel (Capitate-Sessile)
Die zweite Art von Trichomen ist mit 25 bis 100 Mikrometern größer und kommt zudem häufiger vor als das Knollen-Trichom. Sie bestehen aus einem sehr kurzen Stiel und einem kleinen Kopf und enthalten vergleichsweise wenige Cannabinoide.

Trichome mit Kopf und Stiel (Capitate-Stalked)
Der dritte Typ von Trichomen ist mit 150 bis 500 Mikrometern der größte und kann mit dem bloßen Auge gesehen werden. Er wird in erster Linie während der Blüte gebildet und tritt in besonders hoher Konzentration an den Blütendeckblättern auf, die für den Schutz der Samen entscheidend sind.

Alle drei Trichom-Typen können Cannabinoide produzieren, doch am effektivsten und reichhaltigsten geschieht dies beim dritten Typ, nicht zuletzt aufgrund seiner Größe.

Entgegen mancher Meinung, dass männliche Pflanzen keine Trichome ausbilden würden, ist es so, dass männliche Pflanzen nur deutlich weniger Trichome bilden, besonders jene vom dritten Typus. Auch weisen die vorhandenen Trichome ein anderes Cannabinoidprofil auf, als es bei weiblichen Cannabispflanzen der Fall ist. Das ist einer der Gründe, warum die meisten Grower männliche Pflanzen umgehend entfernen – es sei denn, sie brauchen den männlichen Pollen, um neue Samen zu züchten.

Wie genau die Produktion der Cannabinoide funktioniert, war lange nicht klar. Anfangs wurde vermutet, dass in den Drüsenzellen der Blattoberfläche sämtliche Inhaltsstoffe der Trichome entstehen und in den Trichomen nur „eingelagert“ werden.

Mittlerweile hat die Forschung herausgefunden, dass Cannabispflanzen sogenannte Vacuolen und Plastiden produzieren. Die Vacuolen enthalten Phenole, das sind Alkohol-ähnliche chemische Verbindungen, während die Plastiden Terpene enthalten. Beide gelangen über den Stiel in den Kopf des Trichoms, wo sie sich vermischen und eine Art „Belag“ im oberen Bereich des Kopfes bilden. Wird dieser Belag von UV-B-Licht getroffen, setzt ein chemischer Prozess ein, bei dem die Energie der UV-B-Strahlung zur Bildung von Cannabinoiden führt.
Je länger ein Trichom dem UV-B-Licht ausgesetzt ist, desto mehr Cannabinoide werden gebildet, was zu einer Verfärbung des Trichoms führt. Ist es anfangs noch klar und fast durchsichtig, trübt es sich zunehmend ein und kann bis zu Bernsteinfarben hin abdunkeln.

Diesen Umstand machen sich Grower zu nutze, wenn es um die Bestimmung des optimalen Erntezeitpunkts geht. Sie beobachten die zunehmende Verfärbung der Trichome mit Hilfe eines 30-fachen Handmikroskops, und können so vergleichsweise zuverlässig einschätzen, wann die optimale Reife erreicht ist. Sind etwa 20 Prozent der Trichome dunkel verfärbt, kann geerntet werden.

 


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Da die gebildeten Cannabinoide mit der Zeit in andere Stoffe zerfallen können, bringt es wenig, auf noch mehr reife Trichome zu warten. Das Endergebnis wäre qualitativ schlechter, und das bei mehr Aufwand.

Allerdings sollte auch immer klar sein, dass jede Cannabissorte ihre Besonderheiten aufweist und nicht jede Regel immer zutrifft. Unterschiedliche Sorten können ihre Reife durch unterschiedliche Symptome zeigen. Insbesondere durch die Hybridisierung, das Mischen von Genetiken unterschiedlicher Landrassen aus ganz unterschiedlichen Regionen, ist eine Vielzahl von kombinierten Eigenschaften entstanden, die sich auch auf die Trichome auswirken.

So hat sich der Gehalt und das Cannabinoid-Spektrum in den Trichomen stark verändert. In einigen Sorten sind Cannabinoide wie das psychoaktive THC fast völlig verschwunden („CBD-Gras“), in anderen Sorten hingegen wurde bei der Züchtung gerade ein hoher THC-Wert verfolgt – mit entsprechendem Ergebnis.

Die Vielzahl an modernen Cannabissorten spiegelt die Vielzahl an unterschiedlichen Wirkstoffzusammensetzungen in den Trichomen wider. Und wie erwähnt, können selbst bei Pflanzen einer Sorte unterschiedliche Cannabinoidprofile entstehen, wenn sie unterschiedlichen Umweltbedingungen, insbesondere UV-B-Licht, ausgesetzt sind.

Da die Trichome die einzigen Bestandteile einer Cannabispflanze sind, die Cannabinoide enthalten, ist man schon früh auf die Idee gekommen, die Trichome von den anderen Pflanzenteilen zu trennen und so zu konzentrieren. Es entstand ein Produkt, das als traditionelles Haschisch bezeichnet wird. Vor einigen Tausend Jahren sollen bereits Einheimische im Hindu Kush und den Himalaja-Hochtälern an den Blüten der dort wild wachsenden Cannabispflanzen gerieben haben, bis die Trichome platzten und ihre Öle an den Handflächen kleben blieben. Später wurden in anderen Kulturen auch weniger anstrengende Methoden eingeführt, etwa mit Hilfe von Sieben.

Heute gibt es eine Vielzahl von Konzentraten, auch modernes Haschisch genannt, die sich durch besondere Reinheit und hohen Wirkstoffgehalt auszeichnen. Solche Konzentrate bestehen fast ausschließlich aus den Trichomen und entstehen mit Hilfe von Lösungsmitteln wie Butangas oder CO2. Oder mit lösungsmittelfreien Methoden wie der Eiswasser-Methode. Gerade der Einsatz von Lösungsmitteln zur Konzentrat-Herstellung kann bei unsachgemäßer Handhabung zu ernsten Problemen wie Explosionen und damit zum Tod führen und sollte deshalb den Fachleuten vorbehalten sein.

Ein Blick in die Dispensaries in US-Bundesstaaten wie Colorado zeigt, welche Vielzahl von unterschiedlichen Produkten mit unterschiedlichen Effekten – von medizinisch bis psychoaktiv – sich aus den Trichomen herstellen lassen.

Trichome Cannabis

Die Trichome sind quasi das Gold des Cannabis. Sie enthalten die Wirk- und Aromastoffe, die Cannabiskonsumenten so schätzen.

Für Cannabis-Grower bedeutet dies, dass sie ihre Schätze mit größter Sorgfalt behandeln müssen. Denn die winzigen Trichome sind sehr fragil und empfindlich, insbesondere gegen physische „Gewalt“. Bereits leichte Berührungen mit den Fingern oder Handflächen können zum Abbrechen der Trichome führen. Auch hohe Temperaturen, starkes Licht und die Reaktion mit Sauerstoff führen mit der Zeit zu einer Verschlechterung der Qualität und Quantität der Trichome.

Deshalb ist eine korrekte Trocknung und Lagerung sehr wichtig, sollen die Qualität und das Wirkstoffprofil der Trichome auch nach der Ernte erhalten bleiben. Das gilt sowohl für getrocknete Blüten (Marijuana), als auch für Cannabis-Konzentrate wie Haschisch oder Öl.

In Trichomen können über Hundert verschiedene Cannabinoide produziert werden, viele davon sind wenig bis gar nicht erforscht. Die bekanntesten Cannabinoide THC, CBD und CBN sind zwar auch die häufigsten, aber ihre Wirkung unterliegt dem Wechselspiel mit den anderen Cannabinoiden, Terpenen, Flavonoiden und weiteren Inhaltsstoffen (Alkaloide etc.). Der THC- bzw. CBD-Wert alleine erlaubt noch keinen Rückschluss auf die tatsächliche Wirkung – die zudem von jedem Menschen in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Allein vom Cannabinoid THC existieren diverse Unterformen und Vorstufen, deren Effekte unterschiedlich sein können.

Das macht Cannabis zu einer mächtigen Substanz, die sowohl Gutes als auch Schlechtes bringen kann. Erfahrene Cannabiskonsumenten wissen, dass gerade beim Probieren von neuen Sorten und Produkten weniger oftmals mehr ist...

 

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 6-2017. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Leseproben, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet.

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