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Der Mythos Einstiegsdroge

13.06.2013
grow! Magazin
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cannabis

Wer Cannabis raucht, greift später auch zu anderen Drogen. Über den Dealer, der einem das Marihuana verkauft, entsteht der Kontakt zu XTC, Speed und Co. „Ich kiffe nur: Mache ich etwas falsch?“, ist Jens erste spontane Reaktion auf diese Behauptungen. Die Antwort lautet natürlich: nein! Der 19-Jährige kifft, seitdem er 17 ist. Noch nie hat er eine andere illegale Droge, geschweige denn Alkohol oder Zigaretten, ausprobiert. „Mein Joint reicht mir“, sagt er. Das Vorurteil, Cannabiskonsum ist der Einstieg zum Gebrauch der verschiedensten Substanzen, ist längst widerlegt. Der häufige Genuss eines Joints ist nicht der Strudel, der einen in eine langjährige problematische Drogenkarriere herabzieht. 

„Als Erstes wird Alkohol konsumiert, als Zweites Zigaretten und als Drittes Cannabis. Zu behaupten, Alkohol führt zum Rauchen und Rauchen führt zum Kiffen, ist genau so falsch wie zu behaupten, Kiffen führt zu anderen Suchtmitteln“, empört sich Dr. Raphael Gassmann, stellvertretender Geschäftsführer der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, über eine These, die er für allgemein widerlegt hält.

Die Geschichte dieses Mythos geht bereits auf die Anfänge des Cannabis-Verbots zurück.

Gerade mal ungefähr 75 Jahre ist die internationale Ächtung von Cannabis her. Gesundheitliche oder soziale Gründe gab es nicht für das Verbot. Amerikanische Lobbyisten, Politiker und Wirtschaftskonzerne, die lediglich offensiv ihre eigenen Interessen vertraten, waren die maßgeblichen Auslöser für die Prohibition. Im Mittelpunkt dieser Anti-Marihuana-Kampagne stand der Commissioner des Federal Bureau of Narotics, Harry J. Anslinger. Seit 1930 war er Chef dieser Behörde, die zur Aufgabe hatte, die Alkoholprohibition durchzusetzen und den Opiumhandel in den Vereinigten Staaten zu kontrollieren. Als das Ende der Prohibition absehbar wurde, drohte seine Einrichtung in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Es gäbe mit dem Ende des Alkoholverbots keinen Grund mehr für die amerikanische Regierung, den aufgeblähten Verwaltungsapparat weiter zu unterhalten.

Aus dieser Notlage heraus startete er seinen Feldzug gegen Cannabis. Damit wollte Anslinger der fehlenden Bedeutung seiner Institution begegnen und darüber hinaus ihre Stellung noch weiter heben. Er bediente sich dazu unter anderem der Boulevard-Presse. Mit ihrer Hilfe verbreitete der, um seine Position fürchtende, Behördenleiter manipulative und teils sogar erfundene Horrormeldungen über Cannabis. Im American Magazine erschien ein Artikel von Anslinger, in dem er Cannabis als „Mörderkraut“, „Kraut der Verrücktheit“ oder „Mörder der Jugend“ bezeichnete. Im Zuge dieser fanatischen Hetze, die ihren Höhepunkt in der UN-Single Convention von 1961 fand, entstand auch die Theorie, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist.

1944 erschien der nach seinem Auftraggeber, dem damaligen Bürgermeister von New York benannte LaGuardia-Report. Die Ergebnisse bestätigten die Annahme, dass kein Zusammenhang zwischen Marihuana und dem Konsum von Heroin und Kokain existiert. Als Reaktionen beschnitten die Cannabisgegner die Rechte der autonomen Cannabisforschung in den USA. Wer ohne Genehmigung forschte, dem drohte Anslingers Behörde mit Gefängnis.

In der modernen Cannabis- und Suchtforschung gibt es keinen Boden mehr für die Einstiegsdrogentheorie. Dank objektiver und unabhängiger Studien ist heute klar: Wer Marihuana raucht, greift nicht selbstverständlich zu Opiaten und Partydrogen. Der Handel von Haschisch und den so genannten härteren Drogen läuft auf zwei unterschiedlichen Schwarzmärkten ab.

Zwar wurde der Lüge von der Einstiegsdroge durch die Erkenntnisse der Wissenschaft ein Bein gestellt. Trotzdem hält sie sich immer noch hartnäckig im Vokabular einiger deutscher Politiker.

Ende 2005 gebrauchte Frank Henkel, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Senat, den Begriff der Einstiegsdroge in einer Stellungnahme zum Drogenbericht. Dort heißt es: „SPD und PDS haben durch ihre liberale Haltung Cannabis erst zur Einstiegsdroge und damit salonfähig gemacht.“ „Fast jeder Junkie hat mit Hasch oder Marihuana begonnen“, äußerte sich CSU-Generalsekretär Markus Söder vorletztes Jahr in einem Kommentar in der „Bild am Sonntag“.

Dabei hat der im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung erstellte Cannabisreport von Henk Righter und Margriet van Laar bereits 2002 festgestellt: „Es gibt keinen neurobiologischen Beweis für die Theorie, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist.“

Die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Maerk, weißt in ihren Reden stets auf die Falschheit der Einstiegsdrogen-Theorie hin. Aber trotzdem bedient sie sich einiger Argumente dieser fehlerhaften Behauptung: „Wenn insbesondere die Partyszene dadurch auffällt, dass sie jedes verfügbare Suchtmittel konsumiert, ist es dann überhaupt noch gerechtfertigt, ein einzelnes Suchtmittel isoliert zu betrachten?“, fragte die heutige Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, anlässlich der Fachkonferenz im Dreiländereck „Zum Umgang mit Cannabis“. Dr. Raphael Gassmann ist anderer Meinung: Er weiß, dass wir die Drogen getrennt betrachten müssen, weil die Beschaffungsmärkte ebenfalls getrennt sind.

Obwohl die wissenschaftlichen Beweise die Einstiegsdrogen-Theorie für falsch erklärt haben, muss die Forschung weiterhin Missionarsarbeit leisten, um den letzten Anhänger dieses Aberglaubens zum rationalen und analytischen Denken der Moderne zu bekehren.

David Huth

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