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Grow Report: Sudden Flower

20.07.2017
grow! Magazin
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growreport

Automatiksorten liegen ja im Trend, weil sie innerhalb eines relativ klar definierten Zeitraums geerntet werden können. Und der ist deutlich kürzer als bei herkömmlichen Pflanzen. Dabei spielt die Dauer des Lichts keine Rolle für die Einleitung der Blüte. Nach durchschnittlich zwei, drei oder vier Wochen Wachstum fangen die Teile einfach damit an, hören nicht mehr auf, und nach rund 70 bis 90 Tagen ist in der Regel alles vorbei. Diesen Umstand machen sich pfiffige Outdoorgrower zunutze. Sie nutzen einfach die längste (und meist wärmste) Zeit des Jahres, gönnen ihren Schätzchen auch während der Blütephase bis zu 16 Stunden Licht und ernten noch im Sommer. Rechtzeitig zur diesjährigen Freilandsaison erreicht uns ein Growbericht über eine Automatiksorte, die freilich ein wenig anders zu ticken scheint …

Hey, zusammen! Ich habe mich im vergangenen Jahr mal an eine Auto-Sorte gewagt, von der ich anfangs nicht so recht wusste, was ich davon halten soll. „Sudden Flower“ von „Earth Seeds“ hatte mein Interesse geweckt. So richtig viele Infos habe ich damals nicht über die Sorte gefunden, und auch über die Seedbank war darüber kaum etwas herauszufinden. Was mich angesprochen hat, waren diese Punkte:

  1. Die Sorte solle auch für Anfänger gut geeignet sein. Gut, weil meine Erfahrungen in diesem Bereich zwar vorhanden, aber überschaubar sind.
  2. Sie erbringt hoffentlich einen höheren Ertrag als die üblichen Erntemengen im Automatikbereich, mit denen man häufig gequält wird.
  3. Der Samenkauf würde mich nicht arm machen, und die Sorte solle (aufgrund der Anfänger-Kompatibilität) nicht die exklusivsten Ansprüche an Dünger und Boden stellen.

Alles in allem wollte ich eine indicadominante Sorte, die einen nicht komplett in den Sessel drückt, aber trotzdem einen gewissen „Eindruck“ im Körper hinterlässt. Zu viel verlangt? Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau? Cool fand ich schon mal, dass man laut Händlerangabe bei entsprechender Topfgröße mit einer Höhe von 1,20 Meter bis 1,80 Meter rechnen könne. Meine bisherigen „Autos“ haben eigentlich niemals die 1-Meter-Marke geknackt, trotz großer Töpfe und sonnigem Standort. Deswegen habe ich für diesen Grow auf eine etwas größere Erntemenge gehofft. Mit ein wenig mehr als drei Euro pro regulärem, nicht-feminisierten Seed fand ich den Preis fair. Auch deswegen am Ende meine Entscheidung für diese Sorte.

 

Keimung und Aufzucht

Für den Beginn meines Grows habe ich mir Mitte Juni ausgesucht. Auf diese Weise sollte die Blütezeit in die wärmste Zeit des Jahres fallen und die herbsttypische Schimmelgefahr bannen. Nach einer Vorkeimung von 24 Stunden zwischen feuchten Zellstofftüchlein, habe ich die Seeds in Anzuchttöpfchen mit entsprechender Erde gepflanzt. Nach weiteren rund 36 Stunden in einer Keimbox haben sieben von zehn Sämlingen ihre Köpfe gezeigt. Ein weiterer folgte ein wenig verspätet. Unmittelbar nach erfolgtem Auflaufen ging es für die Kleinen unter eine Leuchtstoffröhre. Dort blieben sie für eine Woche bei einer täglichen Beleuchtungsdauer von 20/4. Am sechsten Tag wurde in größere Töpfchen gepflanzt, und ab dem siebten Tag ging es tagsüber ins Freie. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die Pflänzlein eine erste, stark verdünnte Düngergabe. Lediglich ein Drittel der empfohlenen Dosiermenge wurden dafür verwendet. Ich habe mit den beiden „Terra“-Düngern „Vega“ (Wuchs) und „Flores“ (Blüte) gute Erfahrungen gemacht. Deswegen kamen sie auch hier zum Einsatz.

Nach vierzehn Tagen hatten die Jungpflanzen Wuchshöhen zwischen zehn und gut fünfzehn Zentimetern erreicht und mehrheitlich drei Blattpaare. Schon jetzt zeigten sich einzelne Unterschiede im Wuchsverhalten. Einige Exemplare wiesen klare Indica-Eigenschaften auf, vereinzelt traten jedoch auch sativatypische Merkmale hervor. Das überraschte mich ein wenig, aber in diesem frühen Stadium konnte das auch einfach nur eine Momentaufnahme sein, kein Hinweis auf ein Phäno-Muster. In der dritten Woche kamen die nun kräftigen Pflanzen an einen sonnigen Standort im Freien. Vier Exemplare wurden in 12- bis 15-Liter-Töpfe gepflanzt. Die drei übrigen kamen gemeinsam in einen Bottich mit gut 45 Litern Volumen. Entscheidend hierfür war ihre gleiche gemeinsame Wuchshöhe. Gängiger Blumenerde aus dem Gartenmarkt wurden hierfür ein Viertel Perlit (Bei 12-Liter-Töpfen heißt das 9 Liter Erde und 3 Liter Perlit) sowie ein Prozent Gesteinsmehl beigemischt. Außerdem gab es nun eine zweite Gabe Wachstumsdünger. Wir schrieben nun den 22. Tag.

Die Wachstumsphase

Das Wetter gestaltete sich im Verlauf des vergangenen Julis zunehmend positiv. Das wirkte sich günstig auf das Wachstum meiner Schätzchen aus. Allerdings bestätigte sich nun langsam mein Verdacht, es mit unterschiedlichen Phänotypen zu tun zu haben. Die Größendifferenz zwischen der größten und der kleinsten Pflanze betrug rund fünf Wochen nach erfolgter Keimung und der dritten Düngung fast dreißig Zentimeter. Zwischen 0,5 Metern und 0,8 Metern lag die Spanne. Zusätzlich unterstrichen wurde der Unterschied durch die Blattformen und die Abstände der Internodien. Auch war es nicht so, dass die kleineren Exemplare im Gemeinschaftstopf gestanden hätten, im Gegenteil. Alles passte ins Muster.

Ende Juli, in der siebten Woche, begann ich, darüber nachzudenken, wann denn wohl der „Automatik“-Charakter dieser Sorte zum Tragen kommen würde. Schließlich war einer meiner Gedanken ja gewesen, mit der Blütephase nicht in die feuchtkalte Zeit des Herbstes zu gelangen. Obwohl mich diese späte Entwicklung ein wenig in Sorge versetzte, erfüllten mich der gesundheitliche Zustand und die Größe der Pflanzen mit Freude. Die vergangenen zwei Wochen hatten einen massiven Schub gebracht. Zwischen 75 Zentimetern und einem knappen Meter hoch waren sie nun.
Anfang August offenbarten zwei Indica-Phänos der insgesamt acht Exemplare ihr männliches Antlitz und wurden entsorgt. Drei Tage, an denen ich nicht an den Töpfen war, hatten den Pflanzen genügt, um fette männliche Buds zu produzieren. Daher war ich froh, dass die weiblichen noch ein wenig hinterherhinkten. Bei zwei bis drei Plants waren die kleinen Top-Blätter mit einer Vielzahl kleinster Härchen übersät. Das ließ hoffen. Nun konnte es nicht mehr lange dauern.

Die Blütephase

Kurz darauf war es dann schlagartig so weit. Die Vorblüte setzte ein. Den Anfang machten die kompakten Pflanzen. Zwei, drei Tage zaghaft und fragil, legten sie danach richtig mit der Trichomproduktion los. Die Sativa-Verdächtigen folgten eine halbe Woche später. Es war der 10. August und damit ungefähr der 55. Growtag. Erfreulicherweise hatte der Sommer beschlossen, die Versäumnisse des Frühlings auszubügeln. Daher standen meine Lieblinge die meiste Zeit in der Sonne. Sie erhielten zweimal pro Woche ausreichend Wasser und den ersten Blütedünger drei Tage nach Sichtbarwerden der ersten weißen Narben. An feuchten Tagen ging es in ein gut gelüftetes Tomatenzelt.

Den Pflanzeninformationen hatte ich in der Recherchephase entnommen, dass diese Sorte auch während der Blüte kräftig weiterwachsen werde, ohne sich zu strecken. Tatsächlich legten die Pflanzen im Verlauf der Blühphase durchschnittlich nochmals um 30 bis 40 Prozent an Höhe zu. Dies geschah größtenteils, wie versprochen, ohne „Stretch“. Ende August, also gut drei Wochen nach Beginn der Blüte, begannen bei den Indica-Phänos aus den einzelnen Buds zusammenhängende Kolben zu werden. Ein wunderbarer Anblick. Die sativalastigen Pflanzen lagen blütetechnisch zwei, drei Tage hinterher, aber auch bei ihnen brachten die vierte und fünfte Blühwoche einen deutlich sichtbaren Masse- und Trichomzuwachs.

In der fünften Blütewoche habe ich zwei Exemplare mit ganz unterschiedlicher Blütencharakteristik fotografiert. Die Unterschiede sind deutlich zu erkennen. Während die eine voll im Saft steht, ständig neue Trichome bildet und mehr oder weniger aus einem einzigen massiven Blütenkolben zu bestehen scheint, weist die andere bei fast gleicher Blühdauer viel kleinere Buds auf. Das sollte sich am Ende jedoch durch die längere Blühdauer relativieren.

Die Ernte

Für die kompakten Indica-Phänos kam der Erntezeitpunkt gegen Ende der sechsten Blühwoche.
Seit der Keimung waren etwa 90 Tage vergangen. Ihre Endhöhe lag nun bei einem guten Meter. Die Harzdrüsen waren hellgelb und die Blütennarben zeigten einen rötlichen Ton an. Das Wetter war in den vergangenen Tagen trocken und sonnig gewesen, so dass der Zeitpunkt für die Ernte ideal schien. Sicherlich hätte ich noch eine Woche herausreizen können, aber so war es mir lieber. Ich war gespannt auf das Ergebnis. Ihre aufgeschossenen Schwestern benötigten hingegen noch weitere vierzehn Tage, ehe ich an eine vernünftige Ernte denken konnte.
Es ging nun deutlich auf Ende September zu, und insgeheim fragte ich mich, wie lange der Spaß eigentlich dauern würde, wenn ich den Dingen ihren Lauf ließe. Mit bislang knapp über 100 Tagen hatte ich den Zeitrahmen meiner bisherigen „Autos“ bereits deutlich geknackt. Vielleicht hätte ich bereits im Mai mit dem Grow anfangen sollen. Dann hätte es vermutlich für Ende August gereicht. Schließlich wählte ich den letzten Septembertag für die Ernte. Es war ein Witterungsumschwung vorhergesagt, und so war kein substanzieller Zuwachs in puncto Blüten mehr zu erwarten. Die Pflanzen hätten bestimmt noch ein bis zwei Wochen volle Sonne vertragen können, um komplett zu reifen. Aber auch zu diesem Zeitpunkt waren die oberen Drittel der nun etwa 1,50 Meter langen Stängel mit harzigen Buds übersät. Die Blütennarben zeigten eine leicht ockerfarbene Tönung. Und der Duft … süß, aber nicht zu aufdringlich. Einhundertfünf Tage nach der Keimung war mein Sudden-Flower-Grow beendet. Nun freute ich mich auf die Früchte meiner Arbeit.

 

Resultat und persönliches Fazit

Meine Ernte habe ich auf dem Dachboden einer Scheune getrocknet. Ein idealer Ort, weil es dort dunkel, trocken und luftig, aber nicht zugig ist. Täglich habe ich den Trocknungsprozess überprüft, um nicht in letzter Minute einen Fehler zu begehen, aber alles ging gut. Jeweils sechs Tage später konnte ich mit dem Trimmen der Blüten beginnen. Aufgrund der unterschiedlichen Erntezeitpunkte geschah dies auf zwei Mal, und erst nach dem Ende des zweiten Trimms wusste ich, ob sich die Sache mengenmäßig gelohnt hatte. Ich fand, dass dies der Fall war. Alle sechs geernteten Exemplare zusammengenommen, brachten mir schließlich 135 Gramm auf der Habenseite ein. Das entsprach ungefähr 22,5 Gramm trockener Blüten pro Pflanze. Dabei lagen die Erträge der Indicas durchschnittlich 30 Prozent über denen der Sativas. Das war eine schöne Steigerung der Erntemenge gegenüber früher. Und der Turn? Der fiel ganz unterschiedlich aus. Geschmacklich waren alle Buds eher auf der dezenten Seite mit einem leicht fruchtigen Touch. Die indicalastigen schmecken vielleicht ein wenig erdiger. Davon abgesehen, unterschieden sie sich nicht so wahnsinnig von anderen Automatik-Sorten, wenngleich sie durchaus okay waren, vereinzelt sogar wummsten. Richtig überzeugt haben mich freilich die größeren Exemplare. Klar im Geschmack, befriedigte der Turn Körper und Geist gleichermaßen. Ab und zu hatte ich eine Blüte, deren High fast trippig rüberkam. Aufgrund der vergleichsweise hohen Erntemenge und des stellenweise wirklich überzeugenden Turns kann ich diese Sorte guten Gewissens weiter empfehlen – für diejenigen Automatik-Grower, die etwas Geduld aufbringen können.

ali

Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 3-2017. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel - erst als Snippets, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet. 
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