Österreich: Obmann des CSC-Salzburg endlich wieder frei

Anfang November berichteten wir euch, wie außergewöhnlich hart die österreichische Polizei gegen den Cannabis Social Club Salzburg in Henndorf am Wallersee vorging. Am 27. Februar war der 58-jährige Wilhelm „Willi“ Wallner, Obmann des um die medizinische Versorgung von 190 schwerkranken Menschen bemühten Clubs, dann ein weiteres mal verhaftet worden, nachdem bei einer erneuten Durchsuchung seiner Wohnung 37 Hanfpflanzen, getrocknete Blüten und Cannabisöl gefunden worden waren. Weil er während einer Berufungsverhandlung Ende Februar angekündigt hatte, auch weiterhin Cannabis anbauen zu wollen, saß Wallner seither in Untersuchungshaft. Zu Beginn seiner Haft befand sich Wallner aus Protest zunächst tagelang im Hungerstreik.

Wie der ORF berichtet, wurde in dem Fall gestern endlich das Urteil verkündet. Der ehemalige Kraftfahrer, der seit einem Arbeitsunfall 2004 an chronischen Schmerzen leidet, wurde zu neun Monaten teilbedingter Haft verurteilt, davon drei Monate unbedingt. Diese hat Wallner durch die lange Untersuchungshaft aber bereits abgeleistet – was bedeutet, dass er seit gestern wieder ein freier Mann ist. Weitere, ebenfalls angeklagte CSC-Mitglieder kamen mit ebenfalls geringen Hanfstrafen von fünf bzw. drei Monaten auf Bewährung davon, in einem Fall gab es eine Diversion. In zwei Verfahren stehen die Urteile noch aus, die anderen sind allerdings bereits rechtskräftig.



Während des gestrigen Verfahrens erklärte Wallner, dass er anfänglich ab 2010 mit Cannabis experimentiert hatte, weil er das gegen seine Schmerzen verordnete Morphium nicht vertrug: „Mir war klar, dass das verboten ist“, räumte er ein. „Aber es hat mir wegen der muskelentspannenden Wirkung einfach geholfen.“ Allerdings wurde ihm auch vorgeworfen, Cannabis weitergegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn beschuldigt, diverse aus eigener Ernte hergestellte Cannabisprodukte wie Öl, Butter, Tropfen etc. „gewinnbringend“ an 47 Leidensgenossen verkauft zu haben. Zu dem Vorwurf des gewinnbringenden Handels erklärte sein Verteidiger Franz Essl : „Er wollte sich nicht bereichern, sondern nahm sich um das Schicksal anderer schmerzgeplagter Patienten an. Er hat einen Verein ins Leben gerufen und Cannabisprodukte zum Selbstkostenpreis weitergegeben.“ Wallner hat über sämtliche Aktivitäten des Vereins Buch geführt und von 2014 bis 2016 genau 715,50 € „Gewinn“ gemacht. Da Richter Günther Nocker dies einsah, verhängte er die letztlich recht geringen Strafen.

Auf die Frage des Richters, was nun werden soll, versicherte Wallner, sich in Zukunft an die Gesetze halten zu wollen.„Ich muss mir Alternativen suchen“, kommentierte er. Auf die Erklärung, dass er mit dem, was er getan habe, lediglich ärztliche Empfehlungen umgesetzt habe, entgegnete Richter Nocker: „An solche Tipps werden Sie sich in Zukunft nicht halten.“ Auch wenn es mühsam sei, der 58-jährige werde nun wohl etwas anderes probieren müssen, denn: „Die Legalisierung von Cannabis mag für manche wünschenswert sein, aber es ist hierzulande nun einmal verboten.“

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