Cannabis und Meditation

Es gibt zahlreiche Mittel und Wege, einen tiefen Zustand der Entspannung zu erreichen. Die meisten unserer Leser wissen natürlich nicht nur um die manchmal erheiternde, manchmal appetitanregende Wirkung von Cannabis, sondern auch um die körperlich und geistig entspannende Komponente. Andere ziehen verschiedene Meditationstechniken vor, um herunterzukommen und Stress abzubauen. Und dann gibt es noch jene, welche beides miteinander kombinieren. Cannabiskonsum und Meditation – kann das funktionieren?

Berauscht meditieren?

Je nachdem, mit wem man über dieses Thema spricht, fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Manche lehnen die Kombination des Konsums von berauschenden Substanzen und meditativer Praxis von vorneherein kategorisch ab, andere sind aufgrund bereits vorhandener Erfahrungen oder ihrer enthusiastischen Überzeugung vom einen oder anderen Rauschmittel anderer Meinung. Tatsache ist, dass es zahlreiche Kulturen gab und gibt, in welchen die Verbindung zwischen Religion bzw. Spiritualität und Cannabis ausgelebt wurde und wird (siehe auch Hanf im Spiegel der Religionen in grow! 3/16). Am häufigsten werden in diesem Kontext die Rastafari genannt, welche Cannabis bzw. Ganja rituell nutzen, um sich Gott bzw. Jah näher zu fühlen. Die Pflanze wird in dieser Gemeinschaft als Sakrament betrachtet. In der Philosophie der Rastafari heißt es, „das Kraut ist der Schlüssel zu einem neuen Verständnis des Selbst, des Universums und von Gott. Es ist das Vehikel zu kosmischem Bewusstsein.“

Wer Erfahrungen mit Cannabis hat, kann nicht von der Hand weisen, dass es – ebenso wie diverse Formen der Meditation – zu tiefer, entspannter Versenkung und Introspektion verhelfen kann. Während einige Konsumenten durch Cannabis einen Konzentrationsverlust erleben oder gar fahrig und nachlässig werden, gibt es mindestens ebenso viele, welche das Erleben einer massiven Fokussierung auf eine einzelne Sache oder Tätigkeit beschreiben. Nicht nur so mancher Musiker oder Künstler kann davon berichten, wie er nach dem Genuss eines Joints in einen regelrechten „Tunnel“ gerät und nur noch das wahrnimmt, mit dem er sich gerade beschäftigt – mit größter Konzentration. Von ähnlichen Erfahrungen ist auch bei der Beschreibung diverser meditativer Übungen die Rede. Sowohl zahlreiche Cannabiskonsumenten wie auch viele in meditativer Versenkung geübte Menschen kennen die „absolute“ Konzentration und den Zustand eines im positiven Sinne „leeren“ Geistes.

Bei den meisten Formen der Meditation geht es vor allem darum, den Geist zu beruhigen und zugleich konzentriert und aufmerksam zu sein. Der Großteil jener Menschen, welche sich aus den unterschiedlichsten Gründen und auf verschiedenste Weise in Meditation üben, versucht letztlich vor allem eines, nämlich vollkommen gelassen im Hier und Jetzt zu sein. Nicht selten ist in Berichten und in Lehren die Rede davon, dass meditative Versenkung das Bewusstsein verändern oder erweitern kann. Oft kommen Übenden allerdings die eigenen Gedanken in die Quere. Einfach „nur Sein“ ist nicht immer einfach, so dass viele die Stille suchen und versuchen, so wenig Ablenkung wie möglich zuzulassen. Es gibt durchaus auch jene, welche die Wirkung von Cannabis als anregend empfinden und sie als eine der zu vermeidenden Ablenkungen bezeichnen würden. Zahlreiche andere finden dagegen in der Beschreibung des Zustands der Meditation ihre eigenen Erfahrungen mit Cannabis wieder.

Ganja-Yoga

In den USA, wo der Freizeitgenuss von Cannabis mittlerweile in mehreren Bundesstaaten wieder erlaubt wurde, gibt es diverse Adressen für jene, welche Gefallen am Zusammenspiel von Cannabis und spiritueller Praxis haben. Aber auch in Kanada findet man sie bereits seit Jahren: „Ganja Yoga“-Kurse. In westlichen Yoga-Kreisen wird die Verwendung von Cannabis zwar oftmals kontrovers diskutiert, doch für manche stellt der Konsum eine durchaus probate Ergänzung dar. Was von einigen belächelt und von anderen abgelehnt wird, kann sich auf eine lange Tradition berufen, denn durch Cannabis unterstützte Yogaübungen sind natürlich keine neue Erfindung.

Yoga ist eine alte indische Lehre, die diverse unterschiedliche geistige wie körperliche Übungen beinhaltet. Es existieren verschiedene Schulen, welche sich in Philosophie und Praxis voneinander unterscheiden. Wenngleich auch diverse verklärte Beschreibungen existieren, entspricht es doch der Wahrheit, dass es in Indien viele Yogis gab und gibt, die ein Leben als „Sadhu“ führen. Unter diesem Oberbegriff werden jene „heiligen Männer“ geführt, welche dem weltlichen Leben entsagt und sich aus religiösen bzw. spirituellen Zwecken der Askese verschrieben haben. Zahlreiche Sadhus praktizieren nicht nur Yoga, sondern konsumieren auch rituell Cannabis – zum Zweck der Meditation.



Der gar nicht so neue „Ganja Yoga“-Trend in Nordamerika hat zwar oft nicht viel mit den alten hinduistischen Lehren und Traditionen zu tun, doch der Hintergrund ist ähnlich: Cannabiskonsum im richtigen Maße kann die meditative Erfahrung intensivieren – auch wenn natürlich niemand erwarten sollte, durch bloßen Konsum und einige kurze Übungen Erleuchtung zu erlangen. Während es den Sadhus um mystische Erfahrung und spirituelle Entwicklung geht, dreht sich bei den meisten der inzwischen in den USA immer öfter angebotenen hanfseligen Übungen oftmals zunächst einmal um bloße Entspannung. Und dass Cannabis bei der Suche nach Entspannung förderlich sein kann, dürfte den meisten grow!-Lesern bekannt sein.

Die Einwände

Ob es nun um den Joint vor den Yogaübungen oder um andere Formen der Meditation unter Einfluss von Cannabis geht, es gibt immer wieder jene, welche als Einwand ins Feld führen, dass diese Praktiken ja eigentlich den Geist schärfen sollen, während der Konsum von Hanfblüten diesen verneble. Dazu sei gesagt, dass die Annahme, Cannabis „verneble“ oder verkläre den Geist, zu pauschal ist und wohl auch von einem gewissen Klischee über Freizeitkonsumenten unterfüttert wird. Nicht nur viele Patienten, auch zahlreiche Genusskonsumenten fühlen sich durch die Wirkung von Cannabis nämlich nicht unbedingt fahrig, zugedröhnt oder völlig abwesend, sondern zunächst erst einmal lediglich entspannt und ruhig. Selbstverständlich führt Cannabis auch zu einem Rauschzustand, allerdings ist dessen konkrete Ausprägung von der individuellen Konstitution, der konsumierten Dosis und der Sorte abhängig.

Zwar ist der Einwand, dass Cannabis auch ein Hindernis auf dem Weg zu meditativer Versenkung sein kann, nicht völlig falsch. Die Wirkung hat allerdings eine ausgeprägte individuelle Komponente. Es gibt definitiv Konsumenten, welche sich durch Cannabis nicht in einen Zustand versetzt fühlen, welcher der Meditation zuträglich ist. So sollte jeder, der diese beiden Dinge miteinander kombinieren will, zunächst genau hinschauen, in sich gehen und herausfinden, ob er/sie durch den Konsum eher dazu neigt, mit den Gedanken abzuschweifen oder sich anderweitig ablenken zu lassen – oder durch die Wirkung in einen Zustand von Gelassenheit und Konzentration versetzt wird. Die Wahl der Sorte ist hierbei auch von entscheidender Bedeutung, denn bekanntlich gibt es solche, die einen ausgeprägten körperlichen und geistigen Entspannungseffekt haben, während andere äußerst anregend sein können.

Wer noch keine Erfahrungen mit Meditation hat, sollte sich bewusst machen, dass es mehr ist als „nur“ tiefe Entspannung. Meditative Praxis hat zwar durchaus auch eine beruhigende und entspannende Wirkung und kann nur dann effektiv vollzogen werden, wenn der Geist ruhig und gelassen ist, zielt jedoch zugleich auf eine konzentrierte Erfahrung des Selbst und der Wirklichkeit ab. Nahezu sämtliche Formen der Meditation zielen darauf ab, den Übenden an einen Punkt zu führen, an welchem er zunächst einfach „nur ist“. Dies bedeutet, sich sämtlicher Gedanken zu entledigen, aufkommende Inhalte des Geistes durch Übungen in bestimmten Körperhaltungen und Atemtechniken ebenso wieder vergehen zu lassen wie sie aufkommen. Jemand, der sich der Meditation erstmalig zuwendet, sollte zunächst herausfinden, inwiefern er den angestrebten Zustand ohne Unterstützung von Cannabis oder anderen Substanzen erreichen kann. Wer die Kombination dennoch ausprobieren möchte, sollte sich hinsichtlich Dosis und Sorte langsam an diese Erfahrung herantasten.

Meditation im Alltag

Es gibt unzählige verschiedene Formen der Meditation. Zwar assoziieren viele mit diesem Begriff vor allem das regungslose Verharren im Lotossitz, wie es z.B. in der Lehre des Zen-Buddhismus praktiziert wird, doch es gibt ebenso meditative Praktiken, welche im Stehen oder durch das Ausführen konkreter Bewegungsabläufe ausgeübt werden. Jede Lehre, Schule oder Weltsicht, bei der Meditation eine Rolle spielt, kennt seine eigene Art und Weise der spirituellen Übung und meditativen Versenkung. Natürlich nehmen viele Lehren für sich in Anspruch, die geeignetste oder effektivste Methode zu vermitteln. Welche jedoch tatsächlich am wirkungsvollsten ist, muss jeder Suchende für sich selbst herausfinden.

Zahlreiche Menschen praktizieren verschiedene Formen meditativer Übungen, ohne diese als solche zu bezeichnen oder sich überhaupt des Umstands bewusst zu sein, dass das, was sie da tun, mit Meditation vergleichbar ist. Oftmals sind es eingespielte Rituale im Alltag, wie die Arbeit im Garten, die halbe Stunde „nichts tun“ vor der Arbeit oder sich täglich wiederholende, nicht selten seit Langem automatisierte Abläufe, welche eine beruhigende und mitunter auch den Geist stärkende Wirkung entfalten. So kennen viele Leser mit Sicherheit auch jene Cannabiskonsumenten, für die die Vorbereitung des Konsums oder die Hege und Pflege der geliebten Pflanzen eine Art Ritual darstellt. Vieles kann Meditation sein – und Cannabis kann dabei für manche eine unterstützende Rolle spielen.


Dieser Artikel stammt aus der grow Ausgabe 3-2017. Wir veröffentlichen hier aus jeder neuen Ausgabe unseres Print-Magazins vier vollständige Artikel – erst als Snippets, acht Wochen später als vollständige Texte, gratis für alle. Falls du diese Ausgabe nachbestellen möchtest, schau doch mal in unseren Shop. Alternativ findest du die Ausgabe auch als ePaper zum bequemen Lesen auf deinem Smartphone, PC oder Tablet. 
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