Cannabis-Patienten vs. Krankenkassen: Der Kampf geht weiter

Von vielen wurde und wird das seit dem 10. März gültige Gesetz zu Cannabis als Medizin als Meilenstein gefeiert. Dass Patienten dank der neuen Regelung nun nicht mehr den gewaltigen bürokratischen Aufwand der Beantragung einer Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von medizinischem Cannabis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf sich nehmen müssen, ist auch tatsächlich ein Fortschritt. Seit Inkrafttreten können Ärzte ihren Patienten bekanntlich ein Rezept für Cannabis ausstellen, dessen Kosten die Krankenkassen übernehmen sollen. So reibungslos, wie sich manche diesen Vorgang vorgestellt bzw. gewünscht haben, geht das Ganze allerdings nicht vonstatten.

Der Fall eines rheinland-pfälzischen Morbus Crohn-Patienten, über welchen die Augsburger Allgemeine und die Ärztezeitung berichteten, verdeutlicht die Problematik: Der 29-jährige Andreas Dombrowski hatte den vor der Reform notwendigen bürokratischen Aufwand auf sich genommen und schließlich 2015 eine Ausnahmeerlaubnis für medizinisches Cannabis erhalten. Da diese Genehmigungen allerdings durch die neue Gesetzeslage bald ihre Gültigkeit verlieren, musste er sich – wie alle anderen bisherigen Cannabis-Patienten – um ein Rezept bemühen.



Bevor die Krankenkassen die Kosten für das Cannabis aus der Apotheke jedoch tatsächlich übernehmen, müssen diese die Rezepte zunächst genehmigen. Dombrowski beteuert: „Es ist das einzige Medikament, das mir wirklich hilft.“ Dennoch zweifelt seine Krankenkasse, die Barmer-GEK, an der Wirksamkeit von Cannabis bei Morbus Crohn. „Da ist mir die Kinnlade runtergefallen“, kommentiert der Patient, der seit seinem 14 Lebensjahr an der chronischen Krankheit leidet.

Führt eine Krankenkasse Zweifel an, wird die Frage nach der Kostenerstattung durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenassen (MDK) geklärt. Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, will die Barmer-GEK, Deutschlands größte einzelne Krankenkasse, jeden einzelnen Anspruch überprüfen – wodurch der eigentlich durch das neue Gesetz entfallene bürokratische Aufwand der Vorlage von Arzt- und Krankenhausberichten, Heil- und Hilfsmittelverordnungen und weiterer Unterlagen wieder erforderlich wird. Dies ist letztlich daher möglich, weil bei der Formulierung des neuen Gesetzes darauf verzichtet wurde, konkrete einzelne Indikationen aufzuführen.

Der Kampf geht also weiter – auch für viele der über 1.000 Patienten, welche bereits vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes immense Hürden bewältigten mussten, um eine Ausnahmeerlaubnis zu erhalten. Mit einer konkreten Regelung zur dauerhaften Kostenübernahme ist im schlimmsten Fall erst zu rechnen, wenn die bei der Bundesopiumstelle des BfArM in Auftrag gegebene Fünf-Jahres-Studie zur Wirksamkeit von medizinischem Cannabis abgeschlossen ist.

Ein Gedanke zu „Cannabis-Patienten vs. Krankenkassen: Der Kampf geht weiter“

  1. Ich habe das gleiche Problem mit der Krankenkasse. Ich bin Schmerzpatient mit einer Ausnahmegenehmigung des BfArm und beziehe mein Cannabis zu horenden Preisen aus der Apotheke. Da mein Arzt mir das Cannabis nicht auf Rezept ausstellen möchte, da es sein Budget zu sehr belastet, habe ich einen Antrag auf Kostenübernahme bei meiner Krankenkasse gestellt. Von der Krankenkasse bekam ich einen Bescheid, das mein Antrag bearbeitet werde und sie jetzt die Unterlagen von meinem Arzt einsehen. Nach 3 Wochen fragte ich bei meinem Arzt nach, ob schon etwas von der Krankenkasse gekommen sei wegen der Unterlagen. Als er dies verneinte , rief ich am nächsten Tag bei meiner Kasse an und fragte nach dem Stand der Dinge.Man teilte mir am Telefon mit, das der MDK heute in meinem Fall entschieden hat, das man bei mir einer Kostenübernahme von Cannabisblüten nicht zustimmt. Mir geht es also genauso wie dem anderen Patienten und es werden noch etliche folgen. Wofür hat man eigentlich überhaupt so lange gekämpft ,das jetzt ein Arzt in beratender Tätigkeit für die Kassen, einem das wieder Streitig macht. Das ist aber nicht die einzige Schikane die man als Patient mitmacht, da gibt es sicherlich etliche Geschichten. Ich werde jetzt Widerspruch einlegen und anschließend wohl den Klageweg gehen müssen, auf jedenfall werde ich nicht auf meine Medizin verzichten, da es das einzige ist,was mir hilft. Ich habe auch ca. 15 Jahre alles ausprobiert, was auf dem Markt war, aber entweder Nebenwirkungen oder, wenn es half, wurde es vom Markt genommen. Ich bin mal wieder so auf 180, das unsere tolle Regierung es nicht schafft, mal ein Gesetz so auf den Markt zu bringen, das man es sofort anwenden kann, nicht mal für kranke Menschen. Übrigens ist meine Menge an Cannabis günstiger, als die anderen Medikamente, die ich vorher bezog und jetzt die ganze Zeit nicht mehr brauchte. Da kann man ja auch mal Schlüsse draus ziehen. Habe mir jetzt den Frust von der Seele geredet, aber ich hoffe das dieses leidige Thema bald ein gutes Ende haben wird, ich wünsche den anderen Patienten mehr Glück ,denn um nichts anderes wird es hier wahrscheinlich gehen, um reines Glück.

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