Bionorica: Kein lizenzenzierter Cannabis-Anbau in Deutschland

Inzwischen ist die Frist für die Bewerbung um die lang erwarteten Aufträge für „Anbau, Weiterverarbeitung, Lagerung, Verpackung und Lieferung von Cannabis zu medizinischen Zwecken“ abgelaufen, welche die neue Cannabis Agentur bzw. das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anfang April ausgeschrieben hatte. Wer angesichts der Auswahlkriterien bzw. Anforderungen überhaupt eine Chance sah, konnte sich bis zum 6. Juni bewerben.

Ein deutscher Kandidat hätte bei einer Bewerbung durchaus Aussicht auf Erfolg gehabt: Der mittelständige (Natur-)Arzneimittelhersteller Bionorica. Ende Mai hatte Geschäftsführer und Eigentümer Michael Popp im Gespräch mit der WirtschaftsWoche noch bekräftigt: „Wir haben Interesse daran, Medizinalhanf in pharmazeutischer Qualität in Deutschland anzubauen.“ Man müsse nun noch die „nötigen Anforderungen und Rahmenbedingungen“ mit der Behörde erörtern. Nun machte das Unternehmen einen Rückzieher: Per Pressemitteilung wurde erklärt, dass man sich nicht bewerben werde.



Offenbar hatte es nach der Meldung in der WirtschaftsWoche zahlreiche Anfragen seitens der Medien gegeben, weshalb Bionorica aufgrund der „leider nicht ganz richtig wiedergegebenen Aussagen“ erklärte, man werde sich nicht an der Bewerbung beteiligen. Die Ausschreibung bezieht sich auf die Produktion von Hanfblüten – Bionorica produziert jedoch keine Blüten, sondern das Cannabis-Medikament Dronabinol, den meisten wohl besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC). Medizinisches Cannabis in Form von natürlichen, unverarbeiteten Blüten lehnt der Arzneimittelhersteller dagegen ab.

In der Mitteilung heißt es: „Die Verschreibung von Cannabisblüten lehnen wir ausdrücklich ab, da deren Dosierung für den Patienten nicht reproduzierbar möglich und für den Arzt nicht steuerbar ist.“ Das Unternehmen habe Interesse daran, „in Deutschland Medizinalhanf in pharmazeutischer Qualität ausschließlich für den eigenen Herstellungsbedarf von Wirkstoffen in Reinform (Dronabinol) anzubauen“ – da es nur um Blüten gehe, bezieht Bionorica sein benötigtes Cannabis weiterhin von der staatlichen Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Wien.

2 Gedanken zu „Bionorica: Kein lizenzenzierter Cannabis-Anbau in Deutschland“

  1. Da Dronabinol für Bionorica wesentlich lukrativer ist als der Anbau von Blüten, ist es nicht im Geringsten verwunderlich, dass Bionorica Blüten grundsätzlich ablehnt.

  2. Sehr schwach von Bionorica….SCHADE 🙁
    und diese Aussage:
    „Die Verschreibung von Cannabisblüten lehnen wir ausdrücklich ab, da deren Dosierung für den Patienten nicht reproduzierbar möglich und für den Arzt nicht steuerbar ist.“

    Was?! Ernsthaft?!

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