Goa, ein kleiner, indischer Bundesstaat ein paar Stunden südlich von Bombay, ist zusammen mit San Francisco und Ibiza die Wiege der modernen Trance-Bewegung: Schon '89 wurde in Goa unter Palmen, am Strand, bei sternenklarer Nacht bis zum nächsten Sonnenuntergang auf elektronische Klänge getanzt. dj goa gil [Ceiba-Records, USA], dj miko [California Sunshine, Israel] und olli wisdom [Space Tribe, Australien] gehören zu den Pionieren der frühen 90er. Seit dem ist die Szene ständig gewachsen. dj goa gil legte dieses Jahr zur Silvester-Party in Goa auf: 37 Stunden und 20 Minuten war sein Set lang. Vom alten Jahr bis zum Vollmond am 2. Januar. Kein Track älter als ein halbes Jahr, das meiste unveröffentlicht, ...Respekt, Respekt; 20 Minuten stehender Applaus - und das völlig verdient!!! the first is still the best!!!

Goa-Trance ist nicht nur einfach Techno-Bum-Bum [Rave], es hat etwas Melodisches, Aufbauendes. Endomorphine, also Glücksgefühle, werden freigesetzt. Trance-Musik hat etwas mit Intelligenz zu tun. Trance hat die Kraft, die Hippies zum Tanzen bringt, vergleichbar mit Hendrix, Doors, Deep Purple, usw. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Wie damals ist kein Stück unter 7 Minuten lang. Uninteressant für die kommerziellen Charts - nur in Israel bestimmt Trance die Hitlisten.

Groß ist die Angst der Behörden vor den revolutionären, kiffenden Langharrigen. Da Haschisch die Droge Nummer Eins auf jeder Trance-Party ist, ja sogar der Transmitter, um in einen richtigen Trance-Zustand zu gelangen, ist der vorgeschobene Grund für das Verbot vieler Parties. Andere gern eingenommene Transmitter sind magische Pilze, LSD und MDMA.

Die Folge der starken Repressionen ist eine Flucht der Party-People in Gebiete mit geringerem "Druck von Oben". Goa profitierte in den letzten Jahren deutlich davon. Die zahlenden Touristen kamen in Scharen aus der ganzen Welt. Von 1994 bis 1998 vervierfachte sich die Anzahl der Übernachtungen. Allerdings verzehnfachte sich in gleicher Zeit auch die Anzahl der Verhaftungen bzw. die Repressionen gegen kiffende Touristen. Wer sich nicht gleich mit ein paar hundert Dollar freikaufen konnte, wanderte für Wochen, Monate, Jahre in einen indischen Knast - mit Sicherheit kein Vergnügen. Was allerdings die wenigsten wissen: Nur der Handel ist verboten, der Besitz von kleinen Mengen zum Eigenkonsum wird normalerweise nicht bestraft. Hat ein Polizist jedoch eine kleine Menge [z.B. 5-10 g.] gefunden, so droht er mit Gefängnis und fordert alles was er nur kriegen kann als "Bakshish". Im Prinzip, und das wissen die wenigsten, macht sich hier laut indischem Gesetz der Polizist strafbar. Dennoch kam es vor, daß Touristen, die mit Kleinstmengen erwischt wurden und nicht bereit waren "Bakshish" zu zahlen, für ein bis zwei Wochen eingesperrt wurden. Logische Folge: Die Touristen bekommen Angst, so daß die Saison 1999 ungefähr die gleichen Touristenzahlen wie 1994 verzeichnet. Im Gegensatz zu letztem Jahr sind überall in Anjuna, Vagator und Chapora freie Zimmer zu bekommen. Die Zeitungen sind voll mit Leserbriefen von aufgebrachten Einheimischen, welche in den letzten Jahren immense Summen in das Tourismusgeschäft investiert haben: "Nieder mit der Polizei" oder "Laßt unsere Touristen in Ruhe" sind nur ein paar Beispiele für das, was sich zur Zeit in Goa abspielt. So unbeliebt die Bullen in Goa zur Zeit sind, wagen sie es derzeit kaum Touristen zu durchsuchen. Die Frühjahrssaison '99 ist daher für diejenigen, die in Goa sind, wohl fast paradiesisch und erinnert an vergangene Zeiten ohne Sheriff-Stress.

Der gesamte Artikel kann in der Ausgabe 02/99 nachgelesen werden.