Der international unter dem Namen "Magic Mushroom" oder "Golden Cap" bekannte Träuschling "Stropharia cubensis" ist der verbreitetste psychoaktive Pilz. Er stammt aus Afrika und gedeiht auf Rinderdung bzw. auf Wiesen mit Dungablagerungen. Er hat sich in Symbiose mit den Rindern von Afrika aus in alle Welt verbreitet, wächst aber nur in tropischen oder in subtropischen Gebieten.

Terence McKenna glaubt, daß dieser psychoaktive Pilz einen wesentlichen Einfluß auf die Evolution des Menschen ausübte. Durch den Genuß dieser Pilze vollzog sich sozusagen ein "geistiger Quantensprung", der aus dem affenähnlichen Vormenschen eine überlebensfähigere "Intelligenzbestie" machte. Aus dieser psychedelischen "Urerfahrung" entwickelten sich die ersten mystischen Pilzrituale, die die Grundlage für Schamanentum, Mythologien und Religionen bildeten. Man hat sogar vermutet, daß dieser Pilz das ursprüngliche "Soma" war. Der Pilz wurde zuerst in Kuba gefunden [deshalb heißt er "cubensis", "kubanisch"]. Sein traditioneller Gebrauch wurde für Ceylon [Sri Lanka] erstmals vom Engländer S. Baker beschrieben. Im Rahmen der Erforschung der mexikanischen Zauberpilze [Psilocybe mexicana] wurde auch der schamanische Gebrauch des Psilocybe cubensis in Mexiko entdeckt. Dort heißt er "hongo de San Isidro", "Pilz des Heiligen Isidor". San Isidro ist bei den mazatekischen Indianern der Schutzpatron der Felder und Wiesen, also der Orte, an denen man den ausschließlich auf Dung wachsenden Pilz findet.

Psilocybe cubensis ist heute in Thailand auf den Urlaubsinseln Koh Samui und Koh Pha-Ngan der meist angebotene Pilz. Berühmt sind die mit ihm zubereiteten Pilzomeletten. Auch auf Bali wird er reichlich gefunden. Da er sehr häufig in Palenque [Mexiko] vorkommt, hat man vermutet, daß er von den alten Maya als Entheogen genutzt wurde. Im vorspanischen Amerika gab es jedoch keine Rinder, deren Exkremente der Pilz zum Gedeihen benötigt. Alles deutet darauf hin, daß Psilocybe cubensis erst in der späten Kolonialzeit nach Mexiko eingeführt wurde.

 

Aussehen
Der Pilz bildet relativ große Fruchtkörper mit leicht buckeligen, bis zu 8 cm breiten Hüten aus. Die Hüte haben an der Spitze meist eine gelbe oder goldene Färbung. Psilocybe cubensis läßt sich von der in Zentralamerika "suntiama" genannten Art Psilocybe subcubensis lediglich anhand der Sporengröße unterscheiden.

 

Verbreitung
Psilocybe cubensis kommt überall dort in den Tropen vor, wo es Viehzucht, Rinderwirtschaft oder Wasserbüffel gibt: Mexiko, Kuba, Guatemala, Kolumbien, Bolivien, Brasilien, Argentinien, Florida, Thailand, Vietnam, Kamobodscha, Indonesien, Philippinen und Australien. In den Tropen kann der Pilz das ganze Jahr über fruktifizieren. Meist schießen die Pilze nach einem Regenfall aus den Kuhfladen vor.

 

Ernte, Lagerung und Verzehr
Psilocybe-cubensis-Fruchtkörper können in den Tropen leicht selbst gesammelt werden. Dabei sollten bestimmte Dinge beachtet werden: Obwohl viele Leute die frischen Pilze direkt vom Feld essen, sei von dieser unhygienischen Praktik abgeraten. Einige Pilze wachsen dicht am Dung und haben möglicherweise Dungpartikel an ihr Fleisch geheftet. Aus Sicherheitsgründen sollte der weise Benutzer nur frische, gesunde Exemplare, die frei von Insektenbefall sind, auswählen und sich von verrottenden fernhalten. Sie sollten vor dem Verzehr gründlich mit Wasser gewaschen werden; der gewissenhafte Konsument wird auch das untere Ende des Stiels abschneiden. Zum Aufbewahren werden die Pilze an der Luft, etwa bei Raumtemperatur, getrocknet [es eignen sich auch Nahrungsmittel-Trockengeräte; man kann sie auch auf einem Rost in der Nähe einer Wärmequelle trocknen]. Überlange Trockenprozesse und hohe Temperaturen sind unbedingt zu vermeiden. Wenn die Pilze knusprig sind, werden sie in feuchtigkeitsundurchlässige Gefäße gefüllt. Jetzt kann man sie in der Tiefkühltruhe verstauen. Dort bleiben sie bei sehr geringem Verlust ihrer Wirksamkeit monatelang haltbar. Die Pilze dürfen nicht eingefroren werden, bevor sie nicht komplett getrocknet wurden [sonst werden sie schnell wirkungslos]. Sie dürfen auch nicht frisch in Honig eingelegt werden [das Ergebnis ist eine ekelhafte, vergorene Masse]. Wenn man die Pilze nur für ein paar Tage aufbewahren will, genügt es, sie in den Kühlschrank zu legen.

Offensichtlich sind die getrockneten Pilze nicht so gut verdaulich, besonders, wenn sie nicht ausreichend eingespeichelt wurden. Wenn die Pilze mit Saft oder Schokolade vermischt werden, wird das Gewebe aufgebrochen und das Psilocybin geht besser in Lösung über. Man vermischt Pilze nur unmittelbar vor dem Verzehr mit der Trägersubstanz. Einige Benutzer bevorzugen in Butter sautierte Pilze, die mit Toastbrot oder Chips gegessen werden. Sautieren über kleiner Flamme wird auch den Psilocybingehalt nicht wesentlich verringern [möglicherweise ist es immer besser, frische Pilze zu braten, damit evtl. toxische Bestandteile, z.B. Gyromitrin und andere Methylhydrazine, vernichtet werden]. Als wirksame Dosis des Psilocybe cubensis werden 3 bis 5 Gramm der getrockneten Pilze angegeben, wobei je nach Bedarf des Genießers unterschiedliche Dosierungen für verschiedene Zwecke genommen werden. Es reicht von einem kleinen Pilz zur milden Psychostimulation bis zum "full blast" oder psychedelischen Durchbruch [Terence McKennas berühmtes "heroisches" Rezept lautet: "Five grams on a empty stomach in total silent darkness"] Psilocybe cubensis sind die am häufigsten im Schwarzmarkt vertriebenen Psilocybinpilze.

Meist werden Zauberpilze frisch oder getrocknet verzehrt. Dabei haben sich bestimmte Formen des Genusses entwickelt: Die Pilze werden in Honig getippt oder pulverisiert, mit Kakao getrunken. Manchmal werden die Pilze auch mit etwas Schokolade gegessen. Der Pilz wird in Thailand ebenfalls getrocknet und dann geraucht oder mit Hanf [Cannabis indica] zusammen in Kekse gebacken. Frische Pilze werden genau wie Champignons zu Speisen verarbeitet.

Sie können den gesamten Artikel in der Ausgabe 3/99 nachlesen.

Dieser Artikel ist dem Buch "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen" von Christian Rätsch entnommen. Es ist das weltweit erste Werk zu diesem Thema.
Das Buch ist erschienen beim AT Verlag. [ISBN-Nr.: 3-85502-570-3]

 

Dr. phil. Christian Rätsch, geb. 1957, ist Altamerikanist und Ethnopharmakologe. Er lebt drei Jahre mit den Lakandonenindianern im mexikanischen Regenwald und bereist seither viele Orte in der äußeren und der inneren Welt. Seit 20 Jahren erforscht er den ethnomedizinischen und rituellen Gebrauch von Pflanzen, besonders die kulturelle Nutzung psychoaktiver Pflanzen im Schamanismus. In vielen Büchern hat er das traditionelle Wissen der Pflanzenkunde veröffentlicht. [z.B. "Pflanzen der Liebe", "Indianische Heilkräuter", "Urbock - Bier jenseits von Hopfen und Malz", "Heilkräuter der Antike", "Räucherstoffe - der Atem des Drachen"]. Er ist ethnologischer Beirat des Europäischen Collegiums für Bewußseinsstudien [ECBS] und Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Ethnomedizin [AGEM]. Er gibt die Schriftenreihe Ethnomedizin und Bewußtseinsforschung heraus.