Schutzengel helfen

Ob ich auch mal gebustet wurde? Ne, eigentlich nicht. Mehrfach war es hart davor, aber irgend ein Schutzengel schien immer gerade einsatzbereit zu sein.

Als ich in der Tür meines Head-Quarters, des Pop Restaurantes stand und zuschaute, wie meine Kollegen draußen auf der Unteren Straße gefilzt wurden und mich dabei völlig in Sicherheit fühlte. Plötzlich wurde ich von den UrGrünen gepackt & sie wollten mich auf derStelle durchsuchen. "Hey, Wachtmeister, ich kenne meine Rechte. Sie dürfen mich nicht gegen meinen Willen auf der Straße filzen, nur auf der Wache". Also ab in die Grüne Minna. Unterwegs heimlich eine Platte Dope aus der SchulterTasche in die Hose gesteckt. Hüstel.

An der Wache im Klingenteich angekommen, stürme ich aus dem Wagen in die Wache, haue mit der Faust auf die Theke und verlange den Einsatzleiter zu sprechen: "Da stehen zig Dealer rum und wen nehmen sie mit? Mich, einen Mitarbeiter des Vereins zur Bekämpfung ...!!" Der Beamte war ob meines Ausbruches so verunsichert, daß er mich, "Entschuldigen Sie, Herr Pieper, aber nicht alle Beamte kennen Sie", einfach laufen ließ.

Wenige Tage, bevor meine sieben Jahre Dealerzeit abgelaufen waren [die sieben Jahre hatten irgendwas mit Rudolf Steiner zu tun, Anthroposophen werden da eher durchblicken], verbrachte ich ein Wochenende mit einer Folkband. Während sie auf Festivals spielten, baute ich meinen Zeitungsstand auf. Drei Auftritte in zwei Tagen, und direkt anschließend fuhren wir alle zusammen, völlig übermüdet, mit dem Midnight Train nach Berlin, um bei einem großen Label eine LP aufnehmen. Ich hatte das Dope für alle in meiner Weste, trug es über dem Herzen. Hatte man mir doch in Aussicht gestellt, daß ich, der Hausdealer, auf der LP als 'Co-Produzent' o.ä. auftauchen sollte. Wir waren von den Tagen on the road vorher fix & fertig und als ich mir gerade überlegte "was mache ich mit dem Dope an der DDR Grenze - soll ich es einfach vergessen und einschlafen?", wurde plötzlich die Abteiltür aufgerissen und drei Zivilbullen fragten uns: "Führen Sie Betäubungsmittel bei sich?" Hey, so blaß bin ich nie wieder geworden. So hatte ich mir mein Karriereende als Dealer nicht vorgestellt. Und natürlich pickten sie mich und den Geiger, der auch bestückt war, heraus. "Zeigen Sie mal Ihre Taschen." Der Geiger schnappte sich einfach den Instrumentenkoffer des Mandolinenspielers, in der Hoffnung, daß der clean sei. [Das Geigerchen hatte immer ein Piece bei sich, das er mit den Worten 'Ich bin Privatmann' solo eindampfte, hm.]. Von mir durchsuchte man als erstes die Jacke im Gepäcknetz, dann die ReiseTasche. In der Zwischenzeit zog ich meine Jacke an und als man mich körperlich abtasten wollte, schob ich die unter meiner Jacke verborgene Weste mit jener zurück, zeigte meine freie Brust und ließ mich von oben bis unten abtatschen. Meistens habe ich bei Durchsuchungen ein großes Maul. Sobald ich mich [oder mein Dope] in Sicherheit wähnte, ging ich zur verbalen Gegenattacke über. Fand meistens auch was, auf Grund dessen ich den Bullen schlechte Arbeit vorwerfen konnte, und das, obwohl sie doch von meinen Steuern leben. Frech, das, aber oft hilfreich. Aber als ich in jenem Zug nach Berlin Minuten später in den Toilettenspiegel schaute, sah ich mich so blaß, wie ich hoffentlich nie wieder im Leben sein werde. Das personifizierte weiße Handtuch. Und: Aus der LP wurde auch nichts, da wir uns in Berlin [bekifft] mit der Plattenfirma überwarfen ... aber das ist eine andere Geschichte.

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