Hand aufs Herz

Ich war immer 'nur' Dealer, habe nie selber geschmuggelt. Ne, also das war mir immer zu riskant. Irgendwie muß das Zeugs, das Nicht-Anbauer kiffen, ins Land kommen. Aber selber mit Kilos über Grenzen spazieren? Not me, Sir.

OK. Ein paar Gramm zum Eigenverbrauch hatte ich immer dabei, sofern ich Europa nicht verließ. Und irgendwie war das ja auch cool und ersparte einem Kontrollen. Wie das? Nun, bei meinen ca. 20 Reisen [zu meiner Dealerzeit] nach England hatte ich 17 mal was dabei und keinen Streß. Nur die dreimal, als ich jeweils clean war, gab es Probleme. Wahrscheinlich ließ ich da den Dampf ab, den ich, grün bestückt, ansonsten in mir hielt. Dabei kam es auch einmal zu dem Intermezzo, das ich lieber dreimal als keinmal erzähle: Man buchtete mich über Nacht in Dover ein, weil ich nicht genügend Geld dabei hatte und der freundliche Engländer in London, der für mich bürgen wollte, telemündlich nicht erreichbar war. No problem, nur eine Sache der Zeit. Nun teilte ich die Nacht mit einem Kollegen die Zelle, den man mit ein paar Gramm erwischt hatte. Was die Zöllner jedoch nicht wußten war, daß er noch reichlich [im Gramm-, nicht Pfundbereich] Dope am Körper trug. Sein Bammel, damit erwischt zu werden war größer als sein Gewinnstreben. Also gab er mir dieses Riesenpiece mit, als ich am nächsten Morgen entlassen wurde. Ich kann mich nichtmal mehr an seinen Namen erinnern. Aber, Kollege, das kam richtig gut. Thank-u-very much!

Einmal kannte ich einen Schmuggler. Der Amerikanische Freund. Schmuggeln lag bei ihm in der Familie. Schon seine Mutter hatte Gin von Belgien nach England [oder andersherum?] geschmuggelt. Er war voller Geschichten, irgendwo muß ich sogar noch ein ganzes Tonband Stories a-go-go von ihm haben. Aber wer besitzt heute noch ein Tonbandgerät? Natürlich habe ich fast alles vergessen, was aber geblieben ist, ist sein bester Tip: Wenn du etwas durch eine Gefahrenzone trägst, achte auf deinen Atem. Er kam aus Asien, hatte 40 kg Dope im Koffer. Irgendwas schien er falsch gemacht zu haben, denn ein Zöllner griff in den Koffer und hatte ein großes Piece in der Hand, als sie wieder zum Vorschein kam. Ein tiefer Atemzug, unser Freund griff in seine Hosentasche, holte einen Stapel Scheine heraus, drückte sie dem Kollegen in die Hand, packt seinen Koffer und geht wortlos weiter. Später erzählte er: "Der beste Zöllner, dem ich begegnete, war der Typ, der mich nur kurz anschaute und zwei Finger auf mein Herz legte". Darum: Das Wichtigste beim Schmuggeln ist die Atmung.

Tief durchatmen. Und nochmal: ganz tief & ruhig durchatmen. Aber dies hilft ja nicht nur beim Schmuggeln... Schmuggler sind keine Dealer. Dealer versorgen die Verbraucher innerhalb eines Landes. Schmuggler überqueren Grenzen, um Nachschub für die Dealer beizuschaffen. Manchmal verwischen die Jobs, der eine macht auch das andere, aber das ist eher selten. Frag mich nicht, wie diese Schmuggelgeschichten heute ablaufen, keine Ahnung. Ich könnte nur etwas über die Szene der 70 erzählen. Zumal diese Geschichten dokumentiert und verjährt sind. Anderseits wurde Hainer Hais Definitives Dt. Hanf HandBuch seinerzeit hauptsächlich wegen der Schmugglertips indiziert, obschon die zum größten Teil aus Polizeifachbüchern übernommen worden waren.

Den Schmuggeltypen an sich gibt es nicht. Der Anteil jener, die es tun, weil sie selber gutes Dope rauchen wollen, wie Kollege Howard Marks, dessen Buch, Mr. Nice, ein Sammelsurium spannendster und informativster Schmuggelgeschichten darstellt, ist heutzutage wohl geringer als zu seeligen Hippiezeiten. Der Überzeugungstäter ist dem Geldspekulanten gewichen. Wie groß welche Mafia da eingestiegen ist, niemand hat's mir verraten. Aber ich habe auch niemanden gefragt. Die Fachleute meinen, die RußlandDeutschen würden dafür sorgen, daß immer mehr Dope aus den ehemaligen Sowjetrepubliken zu uns kommt. Wollen wir ihnen glauben?

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