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Weihrauch (Seite 2) Die botanische Identität der Stammpflanze wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts ermittelt. Verbreitung Der Weihrauchbaum kommt in Somalia und Südarabien vor. In Somalia ist er hauptsächlich im Gebirge in Lagen zwischen 1000 und 1800 Meter Höhe anzutreffen. Anbau Der Anbau ist bis heute, falls überhaupt wirklich bekannt, ein wohlgehütetes Geheimnis der vom Olibanumsammeln lebenden Völker. Schon die alten Ägypter haben versucht, Weihrauchbäume in Ägypten anzupflanzen, waren aber trotz großer Kenntnisse in der Gärtnerei nicht dazu in der Lage. Sie hatten kleine Bäumchen samt Boden ausgegraben und in Kübeln nach Ägypten verschifft. Die Bäume gingen bald ein. Aussehen Der kleine, vier bis fünf, seltener bis sechs Meter hohe Baum mit robustem Stamm und papierartiger, dunkelbrauner Rinde hat einen recht zierlichen Wuchs. Die Papierrinde wird immer wieder abgeworfen und wächst gleichzeitig nach. Jährlich bilden sich neue Triebe, die mit gelben, kurzen Haaren dicht überzogen sind. An der Zweigspitze stehen die gefiederten Blätter in Büscheln. Die kleinen, gestielten Blüten sind in rispenartigen Trauben angeordnet und entspringen den Blattachseln. Die weißlichen Blüten haben fünf Blütenblätter und zehn rote Staubgefäße. Die kleinen Früchte bilden dreigeteilte, hellbraune Kapseln, in denen einzeln die eckigen Steinkerne mit den kleinen Samen sitzen. Die Blütezeit ist im April. Der echte Weihrauchbaum ist sehr leicht mit Boswellia serrata, dem indischen Weihrauchbaum, zu verwechseln, besonders, weil diese Art ebenfalls Olibanum liefert. Die sehr ähnliche Boswellia papyrifera ist durch die Größe deutlich zu unter-scheiden, sie wird viel höher und ausladender als die anderen Arten. Zubereitung und Dosierung: In Persien werden zwei Arten von Olibanum unterschieden: kundara zakara, "männlicher Weihrauch", ist tiefgelb bis rötlich in runden Tropfen; kundara unsa, "weiblicher Weihrauch", ist gelblich-weißlich, blaß, durchscheinend, meist in länglichen Tropfen. Das Harz wird durch 4 bis 8 cm lange, tiefe Schnitte in der Rinde gewonnen. Dafür wird ein spezielles, skalpellartiges Gerät namens mengaff benutzt. Laut Theophrast sollten die Harze während der Hundstage, d.h. in der heißesten Jahreszeit, gesammelt werden. Auch Plinius gibt an, daß der erste Schnitt in die Rinde der Stammpflanzen um die Zeit des Aufgangs des Hundsgestirns (Sirius) stattfinden sollte. Olibanum ist eine wesentliche Zutat zu vielen Rezepten für psychoaktives Räucherwerk. Es ist ein Bestandteil der Orientalischen Fröhlichkeitspillen und wurde zum Würzen von Wein verwendet. Rituelle Verwendung: Olibanum war im Altertum für die Assyrer, Hebräer, Araber, Ägypter und Griechen das kultisch und ökonomisch wichtigste Räucherwerk. Bei allen Zeremonien wurde das Harz geräuchert und den Göttern geopfert. Es wurde bei den Assyrern speziell für Ischtar, die Himmelskönigin, für Adonis, den Gott der wiederauferstehenden Natur, und für Bel, den assyrischen Hochgott, entzündet. Die assyrischen Könige, die gleichzeitig Hohepriester waren, opferten das Olibanum dem Baum des Lebens, der beim Beräuchern mit Wein besprenkelt wurde. Die heidnischen, prämoslemischen Araber weihten ihn ihrem Sonnengott Sabis; der gesamte Vorrat mußte im Tempel der Sonne aufbewahrt werden. Bei den Hebräern war Olibanum einer der Bestandteile des heiligen Weihrauchs und ein Symbol der Göttlichkeit. In der Bibel wurde es als heiliger Räucherstoff, Tribut und Handelsgut beschrieben. Später wurde es zum wichtigsten Räucherstoff der katholischen Kirche. In Mitteleuropa wurde das Olibanumharz hauptsächlich durch die katholische Kirche bekannt. Zur Zeit von Karl dem Großen wurde es nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei den damals üblichen "Gottesgerichten" geräuchert. Ägyptische und griechische Magier der Spätantike beschworen mit dem Rauch die Daimonen, die Zwischenwesen, die sie sich dienstbar machen wollten. In Ägypten wurde der Weihrauchbaum dem Ammon (Amun) von Theben geweiht. Weihrauch war der Göttin Hathor, der "Herrin der Trunkenheit", heilig. Auch bei den Römern gab es keine Zeremonie, keinen Triumphzug, keine öffentliche oder private Feier, bei der nicht das wohlriechende Harz geräuchert wurde. Vom Olibanum hieß es, daß es "Gott erkennen läßt". Das Weihrauchmanna war dem Sonnen- und Orakelgott Apollon heilig. Weihrauch war auch im Kult der Aphrodite bedeutend. Durch Weihrauchopfer sollte die Göttin veranlassen, daß die heiligen Hetären oder Tempeldienerinnen ausreichend Kundschaft bekamen. In Äthiopien wird Olibanum heute noch zur "Kontrolle böser Geister" geräuchert. Ähnliche Praktiken sind auch im Schweizer Volkstum erhalten geblieben. Medizinische Anwendung Die medizinischen Anwendungen von Olibanum waren in der Antike vielseitig und wurden von Hippokrates, Celsus, Dioskurides, Galen, Marcellus und Serenus Sammonicus gelobt. Aus Olibanum wurden Öle gegen Erkältungskrankheiten, Klistiere gegen Verstopfung, Wundreinigungsmittel, Pflaster zur Behandlung des "Heiligen Feuers", Salben gegen Frostbeulen, Brandwunden, Hautknötchen, Hautausschläge, Krätze, Warzen, Schuppenflechte, Entzündungen, Wucherungen, Triefaugen, Narben, Ohrenentzündungen, Geschwüre, Rheuma und Gicht hergestellt. Neuerdings wird in der westlichen Medizin und Phytotherapie ein Extrakt aus Boswellia serrata (H 15) erfolgreich zur Behandlung von rheumatischer Arthritis eingesetzt. |
Die aus verschiedenen Olibanumsorten destillierten ätherischen Öle haben zunehmend Bedeutung in der Aromatherapie. In der traditionellen chinesischen Medizin wird das allgemein als Stimulans geltende Olibanum bei Lepra, Hautkrankheiten, Menstruationskrämpfen, Husten und Unterleibsschmerzen eingesetzt. Der Rauch oder das ätherische Öl werden bei Husten inhaliert. In der frühen Neuzeit wurde Olibanum sogar "psychiatrisch" als Stimmungsaufheller verwendet: "Der Rauch Olibani ist gut den schwerenden Augen / darein gelassene. Benimt die Traurigkeit / mehret die Vernunfft / stärcket das Herz / und macht ein frölich geblüt." (Lonicerus 1679)In Äthiopien wird Olibanum zur Behandlung von Fieber und als Tranquilizer geräuchert. Inhaltsstoffe: Alle Olibanumsorten bestehen aus 53% Harz (C30H32O4), Gummi, ätherischem Öl, Boswelliasäuren, Bitterstoffen und Schleim. Olibanum enthält 5 bis 10% ätherisches Öl, bestehend aus Pinen, Limonen, Candinen, Camphen, X-Cymen, Borneol, Verbenon, Verbenol, Dipenten, Phellandren, Olibanol u.a.. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle der einzelnen Sorten variiert etwas. Das ätherische Öl aus Bejo (Olibanum aus Somalia) enthält 19% X-Thujen, 75% X-Pinen, 9% Sabinen, 3,5% X-Cymen, 8% Limonen, 5% X-Caryophyllene, 7% X-Murolene, 3,5% Caryophyllenoxid und 0,5% unbekannte Substanzen.
Wirkung: Dem Olibanum ebenso wie dem Kirchen-weihrauch wurde schon früh eine berauschende, euphorisierende und stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt. Im Universallexikon von 1733 bis 1754 heißt es: "Er stärcket das Haupt, Vernunft und Sinne, jedoch aber, wenn er überflüssig gebrauchet würde, so erweckt er dem Haupte Wehetage, und ist der Vernunft abbrüchig, sonsten reiniget er das Geblüte, stärcket das Hertz, benimmt die Traurigkeit, und macht das Geblüte frölich." Bis heute sind immer wieder Fälle von "Olibanumsucht" beobachtet und in der toxikologischen Literatur beschrieben worden.
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